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Puhdys-Legende "Maschine" kommt nach Pretzschendorf

Seit 50 Jahren lässt er Fanherzen höher schlagen und spielt im Mai auch im Landkreis. Sächsische.de hat vorab mit Ostrock-Musiker Dieter Birr gesprochen.

Von Simon Lehnerer
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Dieter "Maschine" Birr wird beim Konzert in Pretzschendorf seine Gitarre dabei haben.
Dieter "Maschine" Birr wird beim Konzert in Pretzschendorf seine Gitarre dabei haben. © Dana Barthelappel-art

Als Sänger, Gitarrist und vor allem als Songschreiber war Dieter "Maschine" Birr jahrzehntelang maßgeblich für den Erfolg der Puhdys verantwortlich. Der 1944 in Pommern geborene Musiker prägte seit 1969 den Sound der wohl populärsten Band der damaligen DDR. Auch als Solo-Künstler füllt er die Konzertsäle und brachte mit dem Album "Große Herzen" im vergangenen Jahr eine weitere Platte auf den Markt. Diese stieg in den deutschen Albumcharts direkt auf dem vierten Platz ein. Am 20. Mai wird Dieter Birr zur Veranstaltung "50 Jahre Puhdys - Dieter Maschine Birr erzählt und singt" im Kulturhaus im beschaulichen Pretzschendorf auftreten. Sächsische.de hat mit dem Ostrock-Musiker im Vorfeld gesprochen und war schon nach wenigen Sekunden "per Du" mit ihm.

Hallo, freut mich sehr, dass es geklappt hat. Soll ich Sie eigentlich lieber Herr Birr oder Maschine nennen?

Maschine, Du kannst mich ruhig duzen und ich würde auch einfach Simon zu Dir sagen.

Gerne. Na dann Maschine, wie kam es zustande, dass Du im Pretzschendorfer Kulturhaus auftrittst?

Ich habe einen Booker, der die Veranstaltungsorte auswählt. Zum Glück muss ich mich da nicht selbst drum kümmern.

Warst Du zuvor schon einmal in Pretzschendorf?

Ja, schon mehrfach mit den Puhdys.

Was verbindest Du mit Sachsen?

Natürlich unser erstes Puhdys-Konzert in Freiberg. Aber auch sonst hatten wir wirklich viele tolle Auftritte in Sachsen, beispielsweise in der Dresdner Jungen Garde. Und wir haben in der Stadthalle in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz, Anm. d. Red.) das Album "Live in Sachsen" aufgenommen.

Du spielst derzeit ja auch das Programm "Maschine intim - Lieder für Generationen". Was macht die Show so intim?

Intim, weil ich mehr in Theatern und Kulturhäusern spiele und die Leute näher an mir dran sind. Das Programm wird sehr abwechslungsreich, ich spiele Solo-Songs aber auch Puhdys-Songs und habe zur Unterstützung Uwe Hassbecker von der Rockband Silly dabei, der verschiedene Instrumente wie Geige und Mandoline mit in das Programm bringt.

Was sind die Unterschiede, wenn Du heute auf Tour gehst, im Vergleich zu damals?

Heute sind die Bühnen kleiner und die Konkurrenz größer. Zu Ostzeiten hatten wir riesen Konzerte. Zum Beispiel die Jugendtreffen in Karl-Marx-Stadt mit über 30.000 Zuschauern. Ein Kollege hat damals gesagt: "Bei einem Puhdys-Konzert reicht ein Zettel an einem Baum und die Tickets sind ausverkauft".

Bleiben wir kurz in der Vergangenheit. Wer waren früher Deine musikalischen Vorbilder?

Led Zeppelin, Deep Purple, Uriah Heep, Jethro Tull - das waren für uns Stars. Diese britischen Bands haben die Musik revolutioniert und hatten auch geile Klamotten. Sie vermittelten musikalisch und äußerlich eine Aufbruchstimmung.

Das sind alles westliche Musiker. War deren Musik zu DDR-Zeiten nicht verboten?

Nein, die Musik wurde ja sogar bei Ostsendern wie DT64 gespielt. Ganz ehrlich, kaum ein Jugendlicher hat Ostradio gehört. Die englischen Lieder gab es aber nicht zu kaufen, deshalb haben wir mit Tonbandgeräten oder Kassettenrekordern mitgeschnitten, damit wir die Lieder nachspielen konnten. Die Texte verstanden wir nicht - wir hatten ja kein Englisch in der Schule - aber entscheidend bei der Musik war am Ende doch die Leidenschaft.

Wie sehr musstest Du dich, bezogen auf die künstlerische Freiheit, mit den Puhdys in der DDR verbiegen?

Verbiegen mussten wir uns nicht, aber natürlich war klar, dass wir bestimmte Themen wie die Regierung oder die Mauer gar nicht erst anfassen. Man ist einfach mit einer Schere im Kopf aufgewachsen und wusste, welche Sachen weggelassen werden, um Stress zu vermeiden.

Was würdest Du anders machen, wenn Du in der heutigen Zeit noch mal eine Band gründen würdest?

Nichts. Ich würde alles genauso machen, die Band hat trotz mancher Meinungsverschiedenheiten wunderbar funktioniert.

Was dürfen Deine Fans 2024 erwarten?

Es wird ein biografisches Buch mit vielen Bildern aus meinem Leben erscheinen. Außerdem kommt ein "Best of"-Album mit Neuauflagen von alten Liedern aber auch vier bis fünf neuen Songs.

Danke für Deine Zeit, Maschine.

Tickets gibt es auf der Website des Kulturhauses Pretzschendorf. Im Vorverkauf für 28 Euro, an der Abendkasse für 35 Euro.