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Ganz Dorfhain wurde umgegraben

"Wir mussten durch Tiefen gehen, und jetzt ist die Zeit, Lösungen zu finden." Dorfhains Bürgermeister Schwalbe hat 2021 viel vor.

Der Bürgermeister von Dorfhain, Olaf Schwalbe (CDU), hat für 2021 große Pläne.
Der Bürgermeister von Dorfhain, Olaf Schwalbe (CDU), hat für 2021 große Pläne. © Egbert Kamprath

Die Corona-Krise hat auch in Dorfhain Spuren hinterlassen. Doch Bürgermeister Olaf Schwalbe (CDU) sagt, der Wirtschaftsmotor in Deutschland läuft, es müsse aber verstanden werden, dass er wieder schneller laufen kann und darf. Bei den Bürgern sei viel verstehbarer Unmut da, aber auch immer noch Geld zum Investieren. „Viele sagen zwar, sie würden das Jahr 2020 am liebsten vergessen, doch ich kenne niemanden, der keine Brötchen kaufen oder nicht beim Fleischer einkaufen gehen konnte. In Deutschland, egal welche Besitzverhältnisse, so schlecht geht es niemandem.“ Auf das vergangene Jahr schaut er relativ positiv zurück.

Herr Schwalbe, was ist in Dorfhain 2020 entstanden?

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

Wir können wirklich stolz auf die Arbeiten beim Breitbandausbau sein. Wir sind die einzige Kommune im Landkreis, die den Breitbandausbau selbst vorantreibt und stemmt. Vor allem Heike Linné von der Dorfhainer Gemeindeverwaltung und dem Ehrenamtsteam danke ich von Herzen, diese haben bei der Umsetzung des Breitbandprojektes tatkräftig geholfen. Ohne sie wäre ich um Jahre gealtert. Wenn Dienst nach Vorschrift gemacht worden wäre, hätten wir diesen Meilenstein nie geschafft. Ich bin ehrlich: Zigmal wollten wir hinschmeißen, wenn wieder eine bürokratische Hürden zu meisten war. Und ich kann Ihnen sagen, es waren viele und sind noch viele zu meistern.

Was bringt der Breitbandausbau?

Im nächsten Jahr wollen und müssen wir alle rund 560 Haushalte ans schnelle Internet anschließen. Wenn der Winter uns keinen Strich durch die Rechnung macht ist der Breitbandausbau im April abgeschlossen und jeder kann die Anschlüsse nutzen. Wir haben das ganze Dorf umgegraben. Historisch gesehen, sage ich immer, es war genau so aufwendig wie vor vielen Jahren ganz Dorfhain mit Strom oder Wasser zu versorgen. Ich möchte an dieser Stelle allen Dorfhainern danke sagen, für ihre Geduld und Hilfe.

Wie lief der Ausbau ab?

Der Breitbandausbau in Dorfhain, am Rande des Tharandter Waldes, hatte vor etwa vier Jahren mit der Gründung eines Breitband-Teams begonnen. Es kümmerte sich ehrenamtlich um die Umsetzung des Großprojektes. Als Betreiber war zudem schnell der Energieversorger Enso gefunden worden. Für die Baumaßnahmen wurden unter anderem zwei Tiefbaufirmen aus der Umgebung gewonnen und konnten unter Vertrag genommen werden, die die fachliche Kompetenz und die Erfahrung haben auch mal schnell wiedererwartend bei Problemen handlungsfähig zu sein, danke dafür. Probleme bei den Erdarbeiten gab es vor allem im Bereich Edle Krone. Dort war die Straße nach dem Hochwasser 2002 flutsicher ausgebaut worden. Nun ist die Schicht des Straßenbelags so hoch, dass die Verlegung der Kabel intensivere Tiefbauarbeiten erforderte und zu einer längeren Bauzeit führte. Zwei Millionen Euro wurden für den Breitbandausbau von Bund und Land zur Verfügung gestellt. Jetzt liegen die Gesamtkosten allerdings bei rund 2,5 Millionen Euro. Eine Aufstockung der Fördergelder wurde bereits beantragt.

Was wird 2021 in Dorfhain umgesetzt?

Neben der Fertigstellung der Glasfaserkabelverlegung in Dorfhain steht vor allem der Neubau des sogenannten Kommunezentrums auf der To-do-Liste der Gemeindeverwaltung. Wegen der sinkenden Steuereinnahmen durch die Corona-Situation werden die zwei Großbauprojekte aber nicht wie geplant umgesetzt. Wir rechnen derzeit mit einem Steuereinnahmeverlust von rund 25 Prozent. Deshalb muss der große Umbau an der alten Schule verringert und verschoben werden. Die Gemeinderäte konnten diesem Vorhaben nicht guten Gewissens zustimmen, was ich voll verstehe. Somit werden wir den Neubau links neben der alten Schule im nächsten Jahr beginnen.

Wer profitiert vom Kommunezentrum?

Dort wird die Feuerwehr neue Räume bekommen, es ist eine Pflichtaufgabe der Kommune, die Feuerwehr an die jeweiligen Brandschutzgesetze anzupassen, ob Arbeitsschutz oder Motivation aller Kameraden. Wir bekommen dafür auch Fördergelder. Wir rechnen mit rund 2,5 Millionen Euro Gesamtkosten, wovon etwa die Hälfte förderfähig ist. Neben der Feuerwehr soll auch die Rettungswache des Roten Kreuzes im Kommunezentrum einziehen. Diese Räume werden allerdings nicht gefördert und deshalb versuche ich, mit der Kommunalaufsicht ins Gespräch zu kommen und mit dem Landratsamt eine generelle Lösung zu finden. Denn die Frage ist: Wie können wir den Bau refinanzieren ohne Mindereinnahmen?

Haben Sie denn schon eine Antwort darauf?

Mein Plan war ja, dass in den Neubau eine Tagespflege und weiteres Gewerbe mit einzieht sowie barrierefreie Wohnungen entstehen, um auch unsere älteren Bewohner hier im Ort behalten zu können, wenn sie sich nicht mehr um ihr Haus kümmern können und pflegebedürftig sind. Die Mieteinnahmen des DRK reichen alleine nicht aus, um den 2,5-Millionen-Neubau zu finanzieren. Wir müssen an dieser Stelle weit in die Zukunft schauen, um hohe Verluste durch Bezuschussung des Neubaus schon im Vorfeld abfangen zu können. Da erhoffe ich mir Unterstützung von der Kommunalaufsicht, die zu Gesprächen mit den Projektbegleitern und Vertretern des Landratsamtes eingeladen ist. Immerhin reden wir für alles Geplante von Mehrkosten von rund zwei Millionen Euro.

Auch das Erlebnisbad ist ein großes Projekt in Dorfhain. Was soll dort erneuert werden?

Wir werden in drei Phasen im nächsten Jahr für rund eine Million Euro Sanierungen im Erlebnisbad und im Sportkomplex durchführen. Der Fördermittelscheck wurde uns ja schon übergeben. Dabei geht es nicht um höher, schneller, weiter. Dem ist nicht so. Ich denke persönlich, dass die Zahl auf dem Scheck nicht reichen wird und führe jetzt schon Gespräche mit den Nutzern wie wir das zusammen stemmen könnten. Es muss ja auch über Folgekosten gesprochen und eine Kalkulation mit hieb- und stichfesten Plan-Betriebskosten der Kommune vorgelegt werden. Unter anderem werden im hochmodernen Freibad die Chlorgasanlage und am Filterkeller der Fliesenbelag ausgetauscht und im Rahmen des Arbeitsschutzes einiges hoffentlich bald schnell verändert. Der Spielplatz wird angepasst. Das Bad erhält natürlich dann auch barrierefreie Toiletten. Im Sportkomplex sollen die Funktionsräume erweitert werden, dazu gehören die Duschen, Umkleiden und Toiletten und neue Lagerräume, alles der Zeit entsprechend und nach den Vorschriften. Wir sind jetzt in der ,heißen‘ Planungsphase.

Gibt es noch weitere Pläne für Dorfhain?

Ja, es gibt eine neue Idee, die ich mit unseren 17 Vereinen zum Jahresanfang, wenn wieder möglich, besprechen möchte. Für mich stellt sich die Frage, ob es zweckmäßig ist, alle Vereinsgebäude separat zu sanieren oder ob es vielleicht sinnvoller sein könnte, einen großen barrierefreien Vereinssaal in einem Gebäude zu bauen, den sich die Vereine teilen? Alle Dorfhainer Vereine unter einem Dach, so der Arbeitstitel. Die Gemeinde könnte dadurch nicht nur Betriebskosten einsparen und den großen Saal später auch für andere Veranstaltungen, Feste und Feiern nutzen. Das möchte ich gerne in Ruhe mit den Vereinen besprechen.

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