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Online bestellen, auf Wochenmarkt abholen

Regionale Lebensmittel zu bekommen, ist ausgerechnet im ländlichen Raum oft gar nicht so leicht. Ein Projekt in Sachsen will jetzt dagegensteuern.

Projektmanagerin Luisa Mac Donnacha steht auf dem Gelände der Stiftung Georado. Dort soll ein Regionalmarkt entstehen.
Projektmanagerin Luisa Mac Donnacha steht auf dem Gelände der Stiftung Georado. Dort soll ein Regionalmarkt entstehen. © Norbert Millauer

Luisa Mac Donnacha steht lächelnd vor der Skulptur eines riesigen Hahns. Derweil hört man irgendwo im Dorf einen krähen, einen echten. "Das ist meiner", sagt die 34-Jährige, die ein ökologisches Projekt ins Leben rufen möchte.

"Ich versuche alles mögliche der Umwelt zuliebe zu machen", erzählt die junge Dorfhainerin. Die Projektmanagerin der Stiftung Georado hat einen eigenen Garten und kauft gern regionale Produkte ein - am liebsten ökologisch hergestellt. Das Problem dabei: In der Region sei es gar nicht so leicht, Bio-Lebensmittel zu bekommen, ohne dabei jeden Hof einzeln anzufahren, sagt Luisa Mac Donnacha. Jetzt will sie die "Marktschwärmer" in den Landkreis holen. Eine Art Bauermarkt mit Onlineshop.

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Online-Handel trifft Bauernmarkt

Das Projekt will Erzeuger und Konsumenten an einen Tisch bringen - oder besser gesagt auf einen Marktplatz. Der Kunde sucht sich die regionale Ware im Internet aus, sei das Obst, Gemüse, Käse, Wurst oder Seife. Anschließend holt er die Bestellung bei seinem Regionalmarkt ab. Einmal pro Woche soll das möglich sein.

Seitdem die erste Schwärmerei 2014 in Berlin eröffnet wurde, haben sich über 100 solcher Märkte in Deutschland etabliert. Ziel sei es, besonders junge Leute für den Wochenmarkt zu gewinnen, sagen die Initiatoren. Auch in Dresden gibt es mehrere solcher Märkte.

Die Dorfhainerin Luisa Mac Donnacha selbst ist seit einem dreiviertel Jahr in der Marktschwärmerei Freiberg aktiv. Dort holt sie jeden Mittwochnachmittag ihre bestellte Ware ab. Dabei kann sie die Landwirte vor Ort kennenlernen. Mit einem "herkömmlichen" Markt sei das nicht zu vergleichen.

Kein normaler Markt

Für Luisa Mac Donnacha gibt es zwei große Unterschiede: "Erstens die Regionalität", sagt sie. Bei den Marktschwärmern kommen die Produkte alle aus einem Umkreis von maximal 30 Kilometern Entfernung. Das heißt: "Es gibt das, was zum Zeitpunkt hier wächst und gelagert wird", sagt Luisa Mac Donnacha.

So bieten die Lieferanten momentan besonders Äpfel, Birnen, Kohl, Möhren, Kartoffeln oder Schwarzwurzel an. Auf Orangen und Bananen müsse verzichtet werden. Für Luisa Mac Donnacha aber kein Problem. Sie findet es gut, nicht so zu viel Auswahl zu haben.

Doch noch viel wichtiger ist für sie: Es werde weniger weggeschmissen. Denn nur wer vorher bestellt hat, kann das Produkt kaufen. So sei es für die Lieferanten möglich, besser zu kalkulieren. Ein Manko dabei: Gerade der Online-Handel schrecke die älteren Leute ab. Luisa Mac Donnacha überlegt sich derzeit eine Lösung, das zu ändern.

Lieferanten aus der Region gesucht

Derweil sucht die junge Dorfhainerin Regionallieferanten aus dem Umkreis von 30 Kilometern. Die dürfen alles möglich anbieten, ob Gemüse, Käse oder Handwerkskunst. "Egal wer - auch gern junge Leute mit frischen Ideen, die noch einen Markt suchen", erklärt sie. Besonders ein Handwerksbäcker fehle ihr noch. Biozertifiziert müsse es nicht sein. "Aber die Lieferanten sollten schon darauf achten, möglichst nachhaltig zu wirtschaften."

Neben den Regionallieferanten brauche es dann auch interessierte Kunden. Da ist Luisa Mac Donnacha aber optimistisch. Die Mitgliedschaft an sich sei kostenlos, so könnten es viele erst einmal ausprobieren. Doch sie weiß ebenso, dass es noch Überzeugungsarbeit bedarf, denn in einer Schwärmerei wäre eben nicht mehr alles zu jedem Zeitpunkt verfügbar wie im Supermarkt. Erdbeeren im Winter gebe es dann nicht.

Der Bauernmarkt soll laut Organisatorin ab Frühjahr einmal in der Woche stattfinden. In Dorfhain auf dem Gelände von Georado - eine Stiftung, die Geotechnik und Kunst miteinander kombiniert. Luisa Mac Donnacha möchte mit der Marktschwärmerei jedoch keine Konkurrenz zu anderen Biomärkten darstellen. Viel wichtiger ist ihr ein anderes Thema: Sie will einen Ort des Austausch zu etablieren, denn der fehle bisher in Dorfhain. Selbst eine Kneipe gebe es nicht mehr.

Luisa Mac Donnacha schaut zu der Hahnenskulptur auf dem Georado-Gelände. Genau dort soll dann der Markt sein: "Am liebsten freitags nach der Arbeit - mit Feierabendbier", sagt sie lächelnd.

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Interessierte Regionallieferanten können sich per Mail an die Stifung Georado wenden.

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