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Ehrenamtspreis für Freitaler Ex-Pfarrer

Für die Sanierung der Deubener Kirche opferte Christoph Singer viel Freizeit, ebenso für die Jugendarbeit. Das Dankeschön dafür wiegt einiges.

Pfarrer a.D. Christoph Singer (Mitte) bekommt vom Lions Club-Präsidenten Mario Bielig (li.) und seinem Vize Tobias Wirth den Bürgerpreis überreicht.
Pfarrer a.D. Christoph Singer (Mitte) bekommt vom Lions Club-Präsidenten Mario Bielig (li.) und seinem Vize Tobias Wirth den Bürgerpreis überreicht. © Egbert Kamprath

Wenn es um das Thema Ehrenamt geht, denken die meisten erst mal an Vereine. Der Jugendtrainer, die Kameraden von der Feuerwehr, die Naturschützer. Menschen, die selbstlos und mit Begeisterung ihre Freizeit einsetzen, um für die Allgemeinheit etwas gutes zu bewirken.

An einen Pfarrer denkt man dabei weniger. Das wollten die beiden Lions-Clubs Freital und Dippoldiswalde nun ändern. Jedes Jahr überreichen sie einem besonders tüchtigen Ehrenamtlichen als Dankeschön einen Bürgerpreis. 2020 ging er an den Freitaler Pfarrer Christoph Singer und wurde nun erst - pandemiebedingt - tatsächlich überreicht.

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Die Auszeichnung, eine Glasstele, wiegt sieben Kilo. "Wir wollen damit herausragende Geschichten würden", sagte Freitals Lions-Präsident Mario Bielig. Und sein Sachsen-Chef Stephan Trutschler fügte mit einem Schmunzeln hinzu: "Es trifft den Richtigen."

Keine geregelte 40-Stunden-Woche

Christoph Singer war 23 Jahre als Pfarrer in Freital tätig, bevor er vor gut einem Jahr in den Ruhestand ging. Und die Seelsorge machte nur einen Teil seiner Arbeit aus. Vor allem auch sind es oft die Pfarrer, die mit dem Kern der Kirchgemeinden in den Städten und Dörfern ein kulturelles und soziales Angebot schaffen.

Christoph Singer bildete da keine Ausnahme. Ob zur Nacht der Kirchen, bei den Kulturalltagen, zum Deubener Advent oder in der Kinder- und Jugendarbeit - der Pfarrer war mit dabei. Oft genug auch außerhalb seiner Arbeitszeit. "Eine geregelte 40-Stunden-Woche hat man als Pfarrer ohnehin nicht", schildert er. Eine exakte Abgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit sei in dem Beruf kaum möglich.

Er habe das aber immer als selbstverständlich empfunden. Und es war ihm auch ein Bedürfnis, sich in vielen Bereichen zu engagieren.

Sanierung der Christuskirche vorangetrieben

Da war zum Beispiel der Zustand der Deubener Christuskirche. Als Christoph Singer 1997 nach Freital kam, war das Gotteshaus ein Sanierungsfall. Zu DDR-Zeiten wurde bereits der Abriss des maroden Gotteshauses, welches 1986 baupolizeilich gesperrt werden musste, diskutiert. Singers Vorgänger erwirkten schließlich, dass der Turm repariert wurde. Doch im Inneren sah es schrecklich aus. Singer: "Der Putz fiel von den Wänden, alles war grau und dreckig."

Singer packte gemeinsam mit seiner Gemeinde das Problem an. Kaum waren die ersten Bauarbeiten erledigt, kam die Flut 2002. Doch der Pfarrer ließ sich nicht unterkriegen, machte unermüdlich weiter. Heute ist die Kirche bis auf einige Restarbeiten saniert, sie hat eine Heizung, reparierte Fenster, einen gepflegten Innenraum.

Doch Christoph Singer wirkte nicht nur als Bauherr. Vielen Gemeindemitgliedern wird er als ein Pfarrer in Erinnerung bleiben, der sich insbesondere auch in der Jugend- und Seniorenarbeit einsetzte - weit über seine Arbeitszeit hinaus.

Lions Club unterstützt soziale Projekte

Das passt ins Selbstbild des Lions Clubs. Die weltweit agierende Sozialorganisation hat in Sachsen 78 Ableger, die jährlich zwischen 3,5 und 5,5 Millionen Euro an Spenden einwerben. Freital ist mit seinen 22 Mitgliedern einer der kleinsten Klubs.

Das Geld, welches in der Region gesammelt wird, wird für soziale Projekte ausgegeben. "Wir haben zum Beispiel schon die Musikschule, die Lessing-Grundschule, die Spielbühne, die Förderschule in Hainsberg und den Kinderschutzbund unterstützt", zählt Trutschler auf.

Auch gab der Klub Geld für Reparatur- und Pflegearbeiten am Windbergdenkmal.

Ehrenamt auch im Ruhestand

Christoph Singer hatte natürlich vom Lions Club gehört, aber bisher ehe lose Kontakte zu den Mitgliedern. "Ich war sehr überrascht, als ich von der Auszeichnung hörte und habe mich zunächst gefragt: Wofür?" Sich einzusetzen, auch in der Freizeit, sei so selbstverständlich für ihn gewesen. "Ich habe mich dann aber trotzdem über den Preis gefreut."

Und er ist ja weiter mit dabei. Lange in Freital im Amt, ist er der Stadt mittlerweile so verbunden, dass ein Wegzug nicht infrage kam. Auch seiner Gemeinde steht er noch zur Verfügung, übernimmt vertretungsweise Gottesdienste, Taufen, Beerdigungen oder Trauungen.

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Außerdem kümmert er sich um die Bauangelegenheiten in den Kirchen Potschappel und Deuben. Irgendwas ist ja immer - und Kampferfahrung hat Christoph Singer schließlich mehr als genug.

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