merken
PLUS Freital

Einzelhandel macht auf - aber wo?

Ab Sonnabend dürfen auch bisher geschlossene Fachgeschäfte wieder Click & Meet anbieten. Die Regeln sind eindeutig, die Umsetzung aber nicht.

Martina Mildner vom Nähkörbchen in Freital macht auf - mal wieder.
Martina Mildner vom Nähkörbchen in Freital macht auf - mal wieder. © Egbert Kamprath

Vor zweieinhalb Monaten war Martina Mildner schon einmal so weit: Anfang März durfte sie ihren Laden, das Nähkörbchen in Freital-Hainsberg, wieder öffnen. Per Click & Meet, also einen Termin buchen und dann in der vereinbarten Zeit einkaufen gehen, lief es so halbwegs. Dann kam die Bundesnotbremse und alles war wieder dicht.

Nun geht es von vorn los. Im Landkreis sind die Corona-Infektionszahlen soweit gesunken, dass ab Sonnabend Einkaufen mit Terminbuchung wieder in allen Geschäften zulässig ist. "Es ist ein Hin und ein Her. Aber man freut sich ja aber jeden kleinen Schritt nach vorn", sagt Martina Mildner.

Anzeige
Campustag digital an der HTW Dresden
Campustag digital an der HTW Dresden

Am 19. Juni kann die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden online besichtigt und mit Studierenden und Professoren geplaudert werden.

Auf ein Öffnen schon am Sonnabend verzichtet sie und will ab Dienstag wieder in den Geschäftsalltag starten.

Neue Vorschriften für Kunden

Denn so einfach, wie das mit der Öffnung erst einmal klingt, ist es nicht. Masken, Desinfektionsmittelspender, Einbahnstraßenverkehr und begrenzte Kundenanzahl im Laden - das hatte man alles schon.

Hinzu kommt nun, dass alle Kunden entweder einen in Testzentren durchgeführten Negativtest vorlegen müssen, der nicht älter als 24 Stunden ist. "Ausgenommen sind Kundinnen und Kunden, die vollständig geimpft sind und solche, die von einer Infektion mit dem Coronavirus genesen sind. Hier bedarf es eines geeigneten Nachweises", teilte das Landratsamt am Donnerstagnachmittag mit.

Martina Mildner kann nur den Kopf schütteln, aber was soll sie machen? "Die drei G's: getestet, geimpft, genesen", sagt sie und weiß nicht so richtig, ob sie über das Wortspiel lachen soll. Sie nimmt auch das noch hin und hofft, dass die Inzidenzzahlen im Landkreis nicht wieder über 100 gehen. Denn das würde neue Schließungen mit sich bringen.

Ladeninhaber sind zurückhaltend

Auch Mathias Priebs würde seinen Bürobedarf und Schreibwarenhandel in Freital-Potschappel gerne öffnen. Aber nicht unter diesen Bedingungen, sagt er. "Das lohnt sich einfach nicht. Wer macht denn einen Test, wenn er einen Schreibblock und ein paar Tintenpatronen braucht?", fragt er. "Keiner natürlich."

Und so will er es erst einmal bei Click & Collect belassen. Also die Kunden können anrufen und die Ware dann an der Hintertür abholen. Gewerbekunden haben wie gehabt ohnehin Zutritt - da gilt man als systemrelevant. Eine Ungleichbehandlung, die auch mit der Bundesnotbremse nicht ausgeräumt wurde, wie Priebs berichtet. "In manchen Bundesländern haben Schreibwarenläden geöffnet, weil sie als wichtig gelten, in anderen nicht."

Dem Geschäftsmann hat das ordentlich die Bilanz verhagelt. Erstmals seit der Wende schreibe er rote Zahlen, berichtet er. Und dabei hat Mathias Priebs noch einen Vorteil: Sein Laden befindet sich in eigenem Besitz, er muss keine Miete zahlen.

Flickenteppich im Weißeritzpark

Das sieht im Weißeritzpark, Freitals einzigem Einkaufszentrum, ganz anders aus. Dementsprechend groß ist der Flickenteppich hier trotz Bundesnotbremse. Geöffnet haben natürlich die systemrelevanten Geschäfte - Lebensmittelläden, Drogeriemarkt, Blumenhändler, Buchgeschäft.

Aber auch in der einen oder anderen Boutique brennt Licht. Im Modeexpress von Sylvia Butter zum Beispiel. "Click & Collect oder Meet & Collect - das sind doch alles dehnbare Begriffe", sagt sie. Und außerdem: "Solange mir niemand begründen kann, warum man im Buchladen keinen Test braucht, ich aber schließen soll, öffne ich." Sie habe all die Widersprüche und nicht nachvollziehbaren Vorschiften satt.

Und sie könne es sich auch nicht länger leisten, zu schließen. "Ich zahlen hier einen Haufen Miete, ich muss auch von etwas leben, also mache ich auf." Sie lässt nur bis zu zwei Kunden in ihren Laden, notiert Kontaktdaten, achtet auf Mundschutz und hält Desinfektionsmittel parat. "Was soll denn noch passieren?", fragt sie.

Viele Verkäufer noch in Kurzarbeit

Seitens der Centerleitung überlässt man es den Ladenmietern, wie sie öffnen. Die eigentlich für alle gültigen Center-Öffnungszeiten hat man schon vor Monaten ausgesetzt und das wird auch erst einmal so bleiben. "Wir haben am Mittwoch alle Ladeninhaber informiert und nachgefragt, wer tatsächlich öffnen möchte", berichtet Iris Stiller vom Centermanagement. Das Echo sei geteilt gewesen.

Denn etliche Händler haben ihr Personal schon vor Wochen wieder in Kurzarbeit geschickt und können die Leute nicht ad hoc zurückholen. So dürfte am Sonnabend trotz der neuen Möglichkeiten einige Läden geschlossen bleiben.

Dabei kommen die Kunden längst zurück. Am Donnerstagnachmittag flanierten einige Freitaler durch den Weißeritzpark. Doch viele Geschäfte haben an ihren Türen nach wie vor Schilder hängen und verweisen auf ihre Onlineshops. Einige teilen Telefonnummern für Terminbuchungen mit. Keine Infos speziell zum Sonnabend. Nur ein Schuhladen verwies darauf, ab Dienstag wieder zu öffnen.

Beim Centermanagement kann man die Zurückhaltung nachvollziehen. Iris Stiller: "Die Situation ist nach wie vor schwierig. Einen Test vorlegen zu müssen, ist eben für viele Kunden zu umständlich." Von normalen Shopping-Touren ist Freital noch ein ganzes Stück entfernt.

So funktioniert Einkaufen ab Sonnabend:

  • Tragen einer Atemschutzmaske (FFP2 oder vergleichbar) oder eine medizinische Gesichtsmaske
  • Durch den Kunden erfolgt eine vorherige Terminbuchung für einen fest begrenzten Zeitraum (Click & Meet)
  • Die Zahl der gleichzeitig im Ladengeschäft anwesenden Kunden darf nicht höher als ein Kunde je 40 Quadratmeter Verkaufsfläche sein.
  • Kunden müssen ein negatives Testergebnis, welches nicht älter als 24 Stunden ist, vorlegen. Ausgenommen sind Kunden, die vollständig geimpft sind und solche, die von einer Infektion mit dem Coronavirus genesen sind. Das muss nachgewiesen werden: Laborergebnis des PCR-Tests oder ärztliches Attest oder Absonderungsbescheid, in dem der PCR-Test als Begründung aufgeführt ist
  • Der Händler muss die Kontaktdaten der Kunden sowie den Zeitraum des Aufenthaltes dokumentieren

Mehr Nachrichten aus Freital lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Freital