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So läuft das Einkaufen mit Corona-Test

Wer shoppen will, muss seit Dienstag in den meisten Läden einen negativen Test vorlegen. Viele reagieren verhalten.

Viele Kunden müssen sich erst mal an den Eingängen der Geschäfte die „Bedienungsanleitung“ durchlesen, so wie hier bei AWG im Weißeritzpark.
Viele Kunden müssen sich erst mal an den Eingängen der Geschäfte die „Bedienungsanleitung“ durchlesen, so wie hier bei AWG im Weißeritzpark. © SZ/Tilman Günther

Diese Lockerung haben sich viele gewünscht. Die Einzelhändler dürfen wieder öffnen. So richtig gut angenommen wird die Regelung allerdings weder von den Kunden noch von den Händlern. Und das liegt am Aber, welches hinter der Lockerung steht. Die Läden dürfen wieder öffnen, aber Kunden müssen einen tagesaktuellen Corona-Schnelltest vorlegen. „Da geht doch keiner mehr einkaufen“, sagt eine Freitalerin, die im Weißeritzpark Lebensmittel holt. Sich jetzt zu testen, um auch in andere Läden zu dürfen, das sei ihr zu viel Aufwand.

Auch für die Händler ist der Aufwand groß. So sind es im Weißeritz Park in Freital vor allem die großen Ketten wie KiK, AWG, Deichmann und andere, die die Möglichkeit anbieten und ihre Türen für Kunden mit Testnachweis öffnen. „Die Resonanz ist sehr überschaubar“, sagt die Verkäuferin bei KiK am Eingang.

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Und die Regelung wird unterschiedlich ausgelegt. Denn eigentlich gilt seit Dienstag: Kunden müssen einen Termin vereinbaren und an der Ladentür einen tagesaktuellen negativen Covid-19-Schnell- oder Selbsttest vorlegen. Zumindest gilt das für alle Geschäfte wie Modeläden, Elektronikgeschäfte, Handel mit Sportwaren oder Möbelläden. Das hat das Landratsamt in Pirna per Allgemeinverfügung festgelegt, die vorerst bis 18. April gilt. Läden können damit unabhängig von der Wocheninzidenz im Landkreis geöffnet bleiben.

Ein kurzer Rundgang im Weißeritz Park in Freital zeigt, dass auch hier weiterhin Uneinigkeit besteht. In den Läden, die geöffnet haben, verlangen die meisten eine Selbstauskunft über einen Test. Manche wollen aber auch einen amtlichen Nachweis sehen. Und die Terminvereinbarung ist mitunter auch eigentlich keine, denn sie funktioniert spontan am Eingang. Es ist also, wenn man es auf die Spitze treibt, möglich, mit einer Selbstauskunft über einen negativen Corona-Schnelltest und einem kurzen Stopp an der Tür und dem Hinterlegen seiner Daten ganz normal einkaufen zu gehen.

„Die Selbsttests sind eine gute Sache“, sagt Apotheker Stephan Torke. „Doch die Selbstauskunft über einen durchgeführten Test mit negativem Ergebnis als Eintrittskarte gelten zu lassen, halte ich für eher keine so gute Idee.“ Natürlich traue er den Menschen die richtige Handhabung der Tests zu und er stelle sie auch nicht unter Generalverdacht. Aber einem Missbrauch sei an dieser Stelle eben doch eine Lücke geboten.

Tests sind eine zusätzliche Hürde

Obwohl die Regelung also für viele eigentlich eine gute Nachricht ist, konstatiert beispielsweise Herrenausstatter Eckhard Gnauk in seinem Pirnaer Geschäft „spürbar weniger Kunden“. Dank „Click & Meet“ sei das Geschäft bei ihm im März zunächst gut angelaufen. „Viele Stammkunden haben angerufen, einen Termin vereinbart und bei uns eingekauft“, sagt der Ladeninhaber. Das meiste, was in dieser Zeit über den Verkaufstresen ging, seien überraschenderweise Hochzeitsanzüge gewesen.

Doch seit dieser Woche ist der Kundenstrom wie abgeschnitten. „Es ist kaum ein Mensch auf der Straße zu sehen“, sagt Gnauk. Das liege aus seiner Sicht sicherlich auch am wenig einkaufsfreundlichen Wetter, aber eben auch an dem neuen Hindernis Corona-Test. „Viele wissen das noch gar nicht. Und für diejenigen, die es wissen, ist es eine zusätzliche Hürde“, sagt Gnauk.

Die Situation für die Einzelhändler sei wegen der coronabedingen Einschränkungen ohnehin schon sehr schwierig, durch die Testpflicht werde sie nun noch schwieriger. Er wünscht sich eine klare Wiedereröffnungs-Perspektive, einerseits für die Einzelhändler, andererseits für die Kunden – damit sie wieder unbeschwert und ohne Testpflicht einkaufen können.

Für Britt Schramm, Inhaberin der Modeboutique „Absolut Britt“ im alten Bahnhof in Pirna kommt die neue Situation einer Katastrophe gleich. „Durch das miese Wetter und die neuen Auflagen ist die Stimmung bei den meisten Kunden im Keller“, sagt sie. Im März sei das Geschäft dank „Click & Meet“ gut gelaufen, aber mit der nun angeordneten Testpflicht für Kunden gehe jetzt so gut wie nichts mehr. „Es lässt sich doch keiner testen, nur um mal bummeln zu gehen“, sagt Britt Schramm. Die Testpflicht bezeichnet sie als Schwachsinn.

Gleichwohl zeigt sie sich optimistisch, sie bestellt derzeit Ware für die kommende Herbst/Winter-Saison und sogar schon fürs Frühjahr 2022. „Bis dahin“, sagt sie, „hat sich hoffentlich vieles wieder normalisiert.“

Sowohl bei Kunden als auch bei Händlern ist die Frustration zu spüren. Einige Läden hatten sich in den letzten Wochen zu „Click & Meet“ durchgerungen. Einige von ihnen sind jetzt wieder geschlossen. „Wir hatten mit dem Termin-Einkauf auf ein paar Kunden gehofft. Die sind auch gekommen. Doch die jetzt geltende Testpflicht schreckt die letzten auch noch ab“, sagt eine Neustädter Händlerin. Sie hat das Schild mit dem Testnachweis an ihrem Laden wieder abgenommen und will deshalb nicht namentlich genannt werden.

Auch bei KiK informiert eine Tafel am Eingang über die neuen Möglichkeiten. An der Tür werden die Kunden freundlich empfangen und der Testnachweis überprüft.
Auch bei KiK informiert eine Tafel am Eingang über die neuen Möglichkeiten. An der Tür werden die Kunden freundlich empfangen und der Testnachweis überprüft. © SZ/Tilman Günther

Manche missachten die Regelung

Kein Einzelfall. In so manchem geöffneten Geschäft gibt es an Schaufenstern oder Eingangstüren keinen Hinweis darauf, dass Kunden einen tagesaktuellen Test vorlegen müssen. Die Kundenanzahl ist begrenzt, auf Abstand soll man achten und einen Mundschutz tragen. Das müsse dann wohl auch reichen, sagt eine andere Händlerin, die ihren Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will. Sie fühle sich mit der Test-Regelung „komplett verarscht“.

Ganz anders handhabt es das Schuhcenter Deichmann. Dort wird seit Dienstag ein aktueller Schnelltest verlangt, der vom Arbeitgeber oder einem offiziellen Testzentrum bescheinigt worden ist. Pech für Kundin Christiane Wiedmer. Sie steht mit einem Selbsttest vor der Tür, den sie kurz zuvor zu Hause gemacht hat. Deichmann genügt dieser nicht. Die Kundin muss kehrtmachen. Ärgerlich.

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Noch weniger Kunden sind in den Läden unterwegs. Nun lassen sich einzelne Händler etwas einfallen.

„Es weiß grad niemand, was wie gilt“, sagt dazu der Heidenauer Goldschmiedemeister Ingo Kurzawski. Reparaturen darf er annehmen, aber auch was verkaufen? Es sei ohnehin ein Wunder, wenn überhaupt jemand kommt, denn die Unsicherheit sei nicht nur bei den Händlern, sondern auch bei den Kunden groß. „Das Virus gibt es, es ist gefährlich, ohne Frage“, sagt er, aber: „Im Moment gibt es zu viel, was nicht zusammenpasst und mehr Strafen als Informationen.“

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