merken
PLUS Freital

Eisfahrt auf der Weißeritz

Winterliche Streiflichter – auch früher war die kalte Jahreszeit des Öfteren zahm und harmlos.

Von Müllern und Anwohnern gefürchtet: Eisgang auf der Weißeritz. Die oftmals hohen Eisgebilde führten an Mühlen, Brücken und Uferbefestigungen zu schweren Schäden. Mit Handwerksgerät versuchte man in verflossenen Jahrhunderten, krassen Auswirkunge
Von Müllern und Anwohnern gefürchtet: Eisgang auf der Weißeritz. Die oftmals hohen Eisgebilde führten an Mühlen, Brücken und Uferbefestigungen zu schweren Schäden. Mit Handwerksgerät versuchte man in verflossenen Jahrhunderten, krassen Auswirkunge © Zeichnung: Siegfried Huth

Als es noch keinen täglichen Wetterbericht gab, wurde der Winter in Kalendern und Schulfibeln als ein kalter, harter Mann beschrieben. Ob die frostige Jahreszeit vor, sagen wir 200, 300 Jahren, im Weißeritztal noch eisiger ausfiel, ist nicht so recht nachweisbar. Von unseren Urahnen ist nichts mehr zu erfahren. Die Wetterbeobachtungen mit der nötigen Buchführung setzten in unserer Gegend erst 1828 ein. Den Anfang machte die Technische Lehranstalt Dresden. Um 1863 etablierte sich im sächsischen Raum eine Art meteorologischer Dienst. Mitten im Ersten Weltkrieg wurde 1917 nahe Dresden die Landeswetterwarte Wahnsdorf in Betrieb genommen, die eng mit der Fichtelbergwarte zusammenarbeitete.

Was sich im 17. und 18. Jahrhundert in unserer Heimat abspielte, lässt sich nur durch Überlieferungen von Chronisten belegen. Geht man von ihren zu Papier gebrachten Beobachtungen aus, so steht fest, dass es keineswegs nur sehr kalte, gnadenlose Winter gab. Oft herrschten im Dezember und Januar schon frühlingshafte Temperaturen. Das Beständige am Winter war also bereits damals seine Unbeständigkeit.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Gefahr für Mühlen und Brücken

Anno 1696 erfüllte sich eine uralte, allerdings nicht in jedem Falle hieb- und stichfeste Bauernregel: Einem ungewöhnlich heißen, nicht enden wollenden Sommer folgte ab Neujahr ein lang anhaltender Winter – bis Mitte März bibberten die Leute. Als der Holle-Segen dahin schmolz, traten Flüsse und Bäche im Nu über die Ufer.

Häufig entpuppte sich die von noch keiner Talsperre regulierten Weißeritzen als winterliches Sorgenkind Nummer eins, zum Leidwesen der am Fluss ansässigen Müller. Bildete sich eine Eisdecke, reichte das, wie es seinerzeit hieß, „kleine Wasser“ nur bedingt zum Mahlen aus. Entwickelte sich aber Eisgang (Eisfahrten), wurden die Wehre der Mühlen und Uferbefestigungen arg in Mitleidenschaft gezogen.

Auch an Brücken staute sich das Eis und führte zu schweren Schäden. Besonders gefährdet waren Flussübergänge im Rabenauer Grund und die Holzbrücke am Plauenschen Hegereiter, die schließlich zwischen 1779 und 1782 durch eine steinerne Brücke ersetzt wurde.

Die Eisfahrt auf der Wilden Weißeritz vom 5. Februar 1746 zertrümmerte die eben erst gebaute Tharandter Hinterbrücke nach Höckendorf zu. Da während des darauffolgenden Montags der Lichtmessjahrmarkt stattfand, schlug man in aller Eile Notsteige über den Fluss, die wenige Tage später ein Opfer des noch immer anhaltenden Eisgangs wurden.

Auf Heimweg oder in Wohnung erfroren

Der Januar 1709 übersäte Tharandt und seine Umgebung fast durchgängig mit Schneemassen und grausamer Kälte. Tagelang war an ein Begehen der Straßen und Hauptwege nicht zu denken. Hasen, Vögel und Wildbret erfroren zuhauf. In der ersten Februarhälfte schwächte sich zwar der Frost ab, doch Ende des Monats setzte erneut dichter Flockenfall ein, der Schnee hielt sich noch einen Monat lang.

Deuben und Potschappel wurden im November 1788 regelrecht vom Schnee zugeschüttet. Hinzu breitete sich kurz vor Weihnachten krasse Kälte aus. Die meisten Bürger wagten sich nicht mehr ins Freie. Doch selbst in Häusern und Wohnungen ereilte etliche Einwohner der Kältetod. So mancher besaß weder Betten noch Brot und Geld. Immer auf einen Wetterumschwung hoffend, erlagen sie schließlich den Tücken des Winters.

Am 17. Januar 1781 schlug dem Tharandter Zahnarzt Christian Friedrich Herrmann die letzte Stunde. In den Morgenstunden war er mit einem Handschlitten nach Niederwartha aufgebrochen, um ein Fässchen Wein zu erwerben. Auf dem Heimweg geriet er in einen heftigen Schneesturm – man fand ihn bei Kaufbach erfroren auf.

Einem langen, zermürbenden Winter folgte für gewöhnlich eine große Teuerung, die vor allem einfache, arme Leute traf. Wollte man das vorzeitig aufgebrauchte Viehfutter nachfüllen, musste man für einen Zentner Heu einen Taler und mehr berappen. Das tägliche Brot, lebenswichtiges Nahrungsmittel, kostete über Nacht um das Drei- bis Vierfache mehr.

Die Königlich-Sächsischen Eisenbahnen, darunter die 1855 eröffnete Albertsbahn Dresden – Tharandt, musste allein im Januar 1887 600 000 Mark für die Beseitigung von Schneeverwehungen aufbringen. Einzig und allein die Bergbaudirektionen profitierten von Eis und Kälte. Bei einem scharfen Winter mit langem Atem stiegen die Mengen an geförderten Steinkohlen sprunghaft an.

Frühjahrsblüher schon um Neujahr

Dass der Winter Milde walten lassen konnte, zeigte sich 1767 im Plauenschen Grund. Er war so schlaff, dass sich Frühjahrsblüher schon Anfang Januar in ihrer Schönheit präsentierten.

Im gleichen Jahr tauchte der Winter in Tharandt erst am 25. und 26. Mai, zur Zeit der Kornblüte, auf. Schnee deckte Baumblut und Korn zu. Ein Chronist schilderte: „Wer den Schnee abstreifte, konnte hernach nur leeres Stroh ernten. Wer aber den Schnee liegen ließ, der durfte sich über schwere, volle Ähren freuen.“

Neujahr 1771 herrschte so sonniges Wetter, dass es die Bauern nicht länger mehr im Hof hielt. Sie spannten an und erledigten bis Mitte Februar die Aussaat. Ende März wendete sich allerdings das Blatt. Plötzlich machte der Winter doch noch ernst, zum Leidwesen der Landwirte.

Mehr zum Thema Freital