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Erbgericht glänzt jetzt als Wohnhaus

Beinahe verfallen, jetzt saniert: Das prägnante Gebäude am Kreischaer Haußmannplatz ist fertig. Ein Blick ins Innere eines historischen Hauses.

Bauherr Falk Bernhardt steht in einem der Wohnzimmer. Früher war das ein Teil des Tanzsaals.
Bauherr Falk Bernhardt steht in einem der Wohnzimmer. Früher war das ein Teil des Tanzsaals. © Daniel Schäfer

Als die Brüder Achim und Falk Bernhardt 2012 den Entschluss fassten, das Erbgericht in Kreischa zu kaufen, rieten ihnen ganz viele davon ab. "Total verrückt", war noch eine der harmloseren Kommentare über das Unterfangen. Nun steht Falk Bernhardt in dem Gebäude, das nach Putz und frischer Farbe riecht und sagt: "Ich hatte von Anfang an genug Mut und Phantasie, um mir vorzustellen, dass das mal etwas wird." 

Nach drei Jahren intensiver Sanierung mit zahlreichen Planänderungen und einigen Rückschlägen ist das Erbgericht komplett saniert. Anfang Oktober ziehen die ersten Mieter in ihre Wohnungen. Schon beim Einrichten ist Claudia Nerf-Butter. Sie betreibt am Haußmannplatz den Friseursalon La Beauté und wechselt nun auf die andere Straßenseite. "Der neue Laden ist größer und moderner. Zudem ist dann alles auf einer Ebene", freut sie sich. Am 1. Oktober begrüßt sie ihre Kunden in den neuen Räumen.

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Kurz vor dem Einsturz

Das Erbgericht war lange ein hoffnungsloser Fall. Nach der Wende geschlossen und anschließend leer gezogen, verfiel der einstige Gasthof mit seinem großen Tanzsaal und den zahlreichen Wohnungen. Als die Bernhardts mit ihrer Schloss Borthen GmbH kamen, stand die Bausubstanz kurz vor dem Zusammenbruch. Manche Gebäudeteile waren nicht mehr begehbar, der gesamte Komplex noch dazu völlig zugemüllt und verwahrlost. Die Brüder, die sich seit Jahren mit der Sanierung und Wiedervermietung alter Häuser beschäftigen, legten los.

Gleich nach dem Kauf wurden erste Sicherungsmaßnahmen an Dach und Mauerwerk erledigt sowie Baupläne gemacht. Aber es dauerte quälend lange fünf Jahre, bis im Frühjahr 2017 die Baugenehmigung vorlag. Denkmalschutz, Statik, Abriss der Nebengebäude, Brandschutz - es gab viele Dinge zu betrachten. 

Die große Kunst beim Erbgericht war es, die historische Bausubstanz in die Sanierung einzubeziehen. "Wir konnten mehr retten, als wir zunächst gedacht hatten", sagt Falk Bernhardt, kramt einen Schlüssel hervor und öffnet eine Wohnungstür. Hier war einst der große Tanzsaal. Er wurde Etage für Etage in mehrere Wohnungen aufgeteilt. An Decke und Wänden sind Stuckelemente, das Wohnzimmer verfügt über einen Kaminofen, die Fenster wurden nach historischen Vorlagen getischlert. Dicke Säulen tragen die Decke. "Ich denke, es ist uns sehr gut gelungen, das Alte mit dem Modernen zu verbinden", sagt der Bauherr.

12 Wohnungen sind im Erbgericht entstanden. Zwei weitere Wohnungen wurden im Anbau über den Tiefgaragen angelegt. Es gibt insgesamt drei Gewerbeeinheiten. Die Fassade mit ihren Reliefs wurde nach historischem Vorbild wieder hergestellt. Die Böden des Treppenhauses sind gefliest und ergeben ein Muster, welches um 1900 modern war. Die alten Handläufe und Treppengitter konnten teils gerettet und aufgearbeitet werden. Weitere wurden nachgebaut. Man habe vor allem mit regionalen Handwerksbetrieben zusammengearbeitet, sagt Bernhardt. "Das war in der Summe zwar etwas teurer, aber es hat sich gelohnt, weil alle eine hervorragende Arbeit abgeliefert haben."  

Stuck sogar im Badezimmer: Die alten Verzierungen wurde aufwendig wiederhergestellt. Jede Wohnung verfügt zudem über ein weiteres, kleines Bad.
Stuck sogar im Badezimmer: Die alten Verzierungen wurde aufwendig wiederhergestellt. Jede Wohnung verfügt zudem über ein weiteres, kleines Bad. © Daniel Schäfer
Ein Blick ins Wohnzimmer:  Neben dem Kaminofen prangt das Relief von Kaiser Wilhelm, einst Ornament im Tanzsaal.
Ein Blick ins Wohnzimmer:  Neben dem Kaminofen prangt das Relief von Kaiser Wilhelm, einst Ornament im Tanzsaal. © Daniel Schäfer
Diese gußeiserne Wendeltreppe führte einst auf die Empore des großen Tanzsaals. Jetzt ist sie Teil einer Maisonette-Wohnung.
Diese gußeiserne Wendeltreppe führte einst auf die Empore des großen Tanzsaals. Jetzt ist sie Teil einer Maisonette-Wohnung. © Daniel Schäfer
Restaurator Gerald Kropp arbeitet hier noch an den Ornamentbändern des Treppenhauses. Die Bemalung wurde nach originalen Vorbildern angebracht. 
Restaurator Gerald Kropp arbeitet hier noch an den Ornamentbändern des Treppenhauses. Die Bemalung wurde nach originalen Vorbildern angebracht.  © Daniel Schäfer
Die Säulen, die einst die Saaldecke trugen, dienen auch heute noch einer sicheren Statik und wurden in die Wohnungen integriert.
Die Säulen, die einst die Saaldecke trugen, dienen auch heute noch einer sicheren Statik und wurden in die Wohnungen integriert. © Daniel Schäfer
Die Saalfenster wurden nachgebaut und erhielten statt des Buntglases normale Scheiben. Die erhalten gebliebenen originalen Fenster wurden gesichert.
Die Saalfenster wurden nachgebaut und erhielten statt des Buntglases normale Scheiben. Die erhalten gebliebenen originalen Fenster wurden gesichert. © Daniel Schäfer
Solche Reliefs zieren über jedem Erdgeschossfenster die Fassade. Auch sie wurden aufwendig restauriert, um die historische Optik zu bewahren.
Solche Reliefs zieren über jedem Erdgeschossfenster die Fassade. Auch sie wurden aufwendig restauriert, um die historische Optik zu bewahren. © Daniel Schäfer
Dieses Dach mit seinem genieteten Eisengerüst überspannte einst einen Bahnsteig in Radebeul. Nun ist darunter der Carport angelegt.
Dieses Dach mit seinem genieteten Eisengerüst überspannte einst einen Bahnsteig in Radebeul. Nun ist darunter der Carport angelegt. © Daniel Schäfer
Nach drei Jahren Bauzeit und einer höheren einstelligen Millioneninvestition ist das Erbgericht Kreischa saniert. Auch das markante Türmchen wurde wieder aufgesetzt.
Nach drei Jahren Bauzeit und einer höheren einstelligen Millioneninvestition ist das Erbgericht Kreischa saniert. Auch das markante Türmchen wurde wieder aufgesetzt. © Daniel Schäfer

Alte Stilelemente integriert

Und die Handwerker standen vor etlichen Herausforderungen. So mussten die alten Saalfenster mit ihren Rundbögen neu getischlert, Sandsteingewände gereinigt und wieder verbaut, Stuckornamente restauriert werden. In einer Etage hing eine Decke um 15 Zentimeter durch. Sie musste aufwendig hochgezogen und gerichtet werden. 

Die Wohnungen sind zwischen 70 und 160 Quadratmeter groß, die Kaltmiete liegt je nach Ausstattung bei 9,50 bis 10,50 Euro. Dafür wurde Wert auf Qualität gelegt. Es gibt Holzfenster und -türen, jede Wohnung verfügt über ein großes und ein kleines Bad mit Toilette, die meisten haben Balkon oder Terrasse sowie Fußbodenheizungen und zusätzlich Kaminöfen. Die Einheiten im Dachgeschoss wurden zudem mit Klimaanlagen ausgestattet. Keine Wohnung gleicht der anderen. Das hat einiges gekostet. Der Bauherr spricht von einer höheren einstelligen Millionensumme. "Und wie das so ist: Während des Bauens kamen noch so viele verdeckte Bauschäden zum Vorschein, dass wir mit dem anfangs kalkulierten Kosten bei Weitem nicht hingekommen sind."

Dafür ist Falk Bernhardt stolz, ein historisches Gebäude gerettet zu haben. Sogar das Türmchen mit der Wetterfahne, welches in tiefsten DDR-Zeiten bereits abgerissen worden war,  wurde nach alten Bauvorlagen und Bildern wieder hergestellt. "Die vermietbare Fläche im Turm ist gleich Null, aber die Kosten waren erheblich", kommentiert der Investor. Trotzdem habe man den Hingucker wieder aufs Dach gesetzt.

Ein Teil der Wohnungen ist bereits vermietet - ganz ohne Werbung. Nächste Woche gibt es weitere Besichtigungstermine. Was dann noch nicht weg ist, wird demnächst über einschlägige Portale angeboten. Die Lage spricht ohnehin für sich: Mitten im Ort, Kindergarten, Schule, Einkaufsmöglichkeiten, Bushaltestelle, Gastronomie, Kurpark - alles befindet sich in unmittelbarer Nähe. Das Erbgericht am Haußmannplatz in Kreischa ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht und glänzt jetzt als Wohnhaus. 

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