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Ist Wohnen in Bannewitz zu teuer?

Bannewitz und Kreischa wachsen. Immer mehr Menschen ziehen an den Stadtrand von Dresden. Und dafür geben sie mehr Geld aus als je zuvor.

Wohnhäuser in der Heinrich-von-Taube-Straße in Bannewitz. Das Wohnen in Bannewitz soll nach Umfragen für den Familienkompass nicht nur schwierig sondern auch teuer sein.
Wohnhäuser in der Heinrich-von-Taube-Straße in Bannewitz. Das Wohnen in Bannewitz soll nach Umfragen für den Familienkompass nicht nur schwierig sondern auch teuer sein. © Daniel Schäfer

Die meisten Neu-Bannewitzer leben gern in der Gemeinde am Stadtrand von Dresden. Sie schätzen vor allem die Infrastruktur, die Vielfalt an Kindertageseinrichtungen, die Freizeitmöglichkeiten und die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Doch überhaupt in Bannewitz Wohnraum zu finden, der auch noch bezahlbar ist, scheint schwierig zu sein. So sagte eine Mehrheit der Befragten aus dieser Region im Familienkompass, dass sie mit der Situation rund um die Angebote und Preise bezüglich des vorhandenen Wohnraums eher nicht zufrieden ist.

"Die Preise sind heftig", gibt auch Giesela Schieck-Heckmann zu, die im Wohngebiet hinter der Schallschutzwand rund um die Heinrich-von-Taube-Straße an der B170 in Bannewitz wohnt. "Ich selbst habe das Haus 2015 gekauft und bin vor zwei Jahren eingezogen."  Bereits damals seien die Preise für Grundstücke enorm gewesen, erinnert sie sich und erklärt weiter: "Aber die Flächen sind auch sehr schnell weg. Die Lückenbebauung findet jetzt statt. Hier gibt es keine freien Grundstücke mehr." Sie schätze Bannewitz als Wohnort aber sehr, denn die Bushaltestelle liegt vor der Haustür und die Kindergärten sind ebenfalls fußläufig zu erreichen und genießen einen guten Ruf.

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80 Prozent der Menschen, die hinter der B170-Schallschutzwand wohnen sind Familien mit Kindern. Sie haben sich den Traum von den eigenen vier Wände erfüllt. Auch Christine Wolf, die mit ihrer Familie in der Hausnummer 38 an der Heinrich-von-Taube-Straße wohnt: "Wir hatten damals wirklich Glück. Wir wohnen seit 13 Monaten hier und hatten uns das Grundstück auf gut Glück angeschaut und sofort genommen", sagt sie. "Die Marktpreise waren extrem, aber es passt alles hier und der Kindergarten ist gleich dort unten", sagt die Mutter zweier Kinder. 

Bannewitz ist teures Pflaster

Der Grundstücksmarktbericht des Landkreises hatte bereits vor vier Jahren ergeben, dass unbebaute Grundstücke am günstigsten in den Gemeinden Liebstadt, Hermsdorf und Hartmannsdorf-Reichenau sind. Dort zahlten Häuslebauer in den Jahren 2015 und 2016 etwa 14 bis 16 Euro pro Quadratmeter. 

Die teuersten Grundstücke mit einem damaligen Marktwert von 69 bis 87 Euro je Quadratmeter wurden in Bannewitz, Dohna, Freital, Heidenau, Kreischa und Pirna verkauft. Das sind allerdings nur die Durchschnittswerte, berechnet aus allen Kaufverträgen. 2.870 Verkäufe registrierten die Gutachter, welche den Grundstücksmarktbericht erstellten.

Deutlich gestiegen sind auch die Kaufpreise für Wohnraum in Ein- und Zweifamilienhäusern und in Doppelhaushälften. Im Schnitt mussten Käufer für einen Quadratmeter Wohnraum für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser 1.052 Euro bezahlen. Für Doppelhaushälften fielen im Schnitt 974 Euro je Quadratmeter an.

Um 25 Prozent haben sich Wohnräume allein zwischen 2013 und 2016 verteuert, wenn sie erstmals als Eigentumswohnungen verkauft wurden. Je Quadratmeter Wohnfläche wurden dabei im Landkreisschnitt 2.946 Euro fällig.

Auch Mietwohnungen schnell weg

In Bannewitz werden durch die Freitaler Wohnungsgenossenschaft insgesamt 278 Wohnungen vermietet. Davon stehen derzeit acht leer, sagt Friederike Ebert vom Vorstand der Freitaler Wohnungsgenossenschaft . "Normalerweise sind es weniger. Im Schnitt zwei bis drei Wohnungen pro Monat." Im Moment würden aber gerade sogenannte Strangsanierungen in einigen Häusern durchgeführt, sodass einige Wohnungen in den letzten Monaten nicht zur Wiedervermietung angeboten werden konnten. "Insgesamt hatten wir in den letzten fünf Jahren sehr wenig Fluktuation in Bannewitz", sagt Frederike Ebert.

Menschen bezahlen im Durchschnitt 4,59 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete bei der Freitaler Wohnungsgenossenschaft. "In Bannewitz selbst liegt dieser ohne unseren Neubau auf dem Ulmenweg bei circa 5,04 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei privaten Vermietern mit ähnlichem Wohnungsbestand liegen die Mieten ab 6,50 Euro aufwärts, Tendenz zwischen sieben und acht Euro bei einfachem Standard", sagt Friederike Ebert. Hinzu kämen auch die in den letzten Jahren stark angestiegenen Nebenkosten.

Die Mieter würden sich in Bannewitz sehr wohl fühlen. "Wir haben noch sehr viele Mieter aus dem Erstbezug. Diese wohnen von Anfang an bei uns und verlassen Ihre Wohnung lediglich altersbedingt durch Umzug in ein Pflegeheim oder eben aufgrund eines Sterbefalls", sagt Ebert. 

Bewohner, Mieter und Pendler sagen auf Anfrage, dass zwar das Wohnumfeld sowohl in Bannewitz als auch in Kreischa sehr schön sei, die finanziellen Hürden aber kaum zu stemmen sind. Für Besserverdienende gibt es offenbar genügend Angebote an Mietwohnungen und Baugrundstücken, doch für Familien mit einem etwas schmaleren Budget seien zu wenig große und vor allem bezahlbare Wohnungen da.

"Mittlerweile leben auch wieder vierköpfige Familien in einer kleinen 3-Raum-Wohnung mit 60 Quadratmetern Wohnfläche. Das ist für viele nicht zufriedenstellend", stellt Frederike Ebert fest. "Was klar fehlt, ist bezahlbarer Wohnraum mit einfachem Standard. Mitarbeiter aus der Klinik Kreischa berichten oft, dass für Praktikanten oder  Niedriglöhner kein bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Entweder sind die Wohnungen zu teuer oder es sind Wohnungen, die dem einfachen Standard nicht annähernd entsprechen."

Es wird weiter gebaut

In Bannewitz und Kreischa entstehen auch in den nächsten Jahren weitere Baugebiete. So plant Bannewitz Einfamilienhaus-Siedlungen am Amselgrund, an der alten Staatsstraße in Goppeln, in Possendorf in der Nähe des Golfplatzes und am Südhang hinter dem Feuerwehrgerätehaus in Possendorf. Zudem gibt es Pläne für ein Wohngebiet mit Mehrfamilienhäusern in Possendorf auf dem ehemaligen BHG-Gelände.

Auch in Kreischa wird mit neuen Zuzügen gerechnet, sagt Bürgermeister Frank Schöning: "Es sind Gebiete in der Planung vorgesehen. Eine größere Fläche für Einfamilienhäuser wird wahrscheinlich in Gombsen entstehen, entlang der Lockwitzer Straße. Dort ist eine Innenverdichtung möglich." Die neue Ausweisung soll noch in diesem Jahr im Flächennutzungsplan eingetragen werden. Zudem plant die Gemeinde Lückenbebauungen zum Beispiel in Quohren, sagt der Bürgermeister. "Wir rechnen in den nächsten zwei Jahren mit rund 300 neuen Einwohnern." 

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