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Rabenau: Sagenhafte Kunst für einen Wanderweg

Künstler Olaf Klepzig holt sich acht Holzfiguren zurück und haucht ihnen neues Leben ein. Lange werden sie nicht im Atelier bleiben.

Olaf Klepzig und seine "Weiße Frau". Die Sagenfigur steht künftig am neuen Wanderweg vom Rabenauer Grund hinauf in die Stadt.
Olaf Klepzig und seine "Weiße Frau". Die Sagenfigur steht künftig am neuen Wanderweg vom Rabenauer Grund hinauf in die Stadt. © Egbert Kamprath

Künstler Olaf Klepzig streicht Ritter Theler über den Arm, mit dem er ein Schwert hält - und gerade einen Pfaffen ersticht. Die Figur steht in einem Garten an der Rabenauer Förstereistraße. Zum blutigen Ende des Geistlichen kommt es, weil er dem Ritter prophezeit hatte, dass dieser nicht in den Himmel kommt. Reumütig ging Theler später zu Fuß nach Rom, um Abbitte zu tun. So jedenfalls heißt es in der Sage.

Sieben übermannshohe Sagenfiguren stehen aufgereiht in dem Garten. Sie alle stehen für besondere Geschichten, von denen es rechts und links der Weißeritz etliche gibt. Klepzig, der seit 2002 als freischaffender Bildhauer arbeitet, hat einige davon in Szene gesetzt - aus jeweils etwa 1,70 Meter hohen Stammteilen. Zu ihnen gehört auch das "Weiße Fräulein", das wiederum sicher vor Regen und Wetterunbilden in der Scheune steht.

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Von Neurehefeld über Altenberg nach Rabenau

Jetzt erleben die bereits zwischen 2000 und 2002 entstandenen Figuren ihre Renaissance und bei ihrem geistigen Vater im Atelier das Ende einer jahrelangen Odyssee. Ursprünglich im Rahmen der Arbeit bei einer Projektgesellschaft entstanden, waren die Skulpturen aus Kastanienholz in einem Sagenpark in Neurehefeld, nahe der tschechischen Grenze, Wind und Wetter ausgesetzt.

Der für den Park verantwortliche Verein ging Pleite und dessen Besitz wurde versteigert. Vom Altenberger Bürgermeister abgekauft, lagerten die Figuren einige Zeit in einer Halle, später jahrelang im Keller des Rabenauer Stuhlbaumuseums. Besser wurden sie dabei nicht.

Neue Laterne für das "Weiße Fräulein"

Schließlich hat Olaf Klepzig, der auch Initiator der in diesem Jahr zum 17.Mal zu Pfingsten stattgefundenen offenen Ateliers "Kunst: offen in Sachsen" ist , seine Werke wieder gekauft und aufgearbeitet.

Das "Weiße Fräulein", das noch heute auf dem Felsvorsprung zwischen der Roten Weißeritz und dem Oelsabachtal spuken soll, erhielt eine neue Laterne, einige abgebrochene und schadhafte Stellen hat Klepzig ergänzt oder erneuert.

Alle Figuren wurden mit Holzwurmmittel und Lasur bearbeitet. "Denn das ist der Nachteil von Kastanienholz", sagt Klepzig. Es sei weder witterungsbeständig noch resistent gegen Pilz- und Insektenbefall. So sieht man überall an den Figuren unzählige Löcher vom Holzwürmern. "Aber das Holz wurde damals kostenfrei zur Verfügung gestellt, und so habe ich es genutzt", sagt der Künstler. Bis vor einiger Zeit war noch nicht klar, ob die Figuren irgendwo wieder Verwendung finden.

Neben den Sagen liebt Klepzig Tango

Inzwischen steht fest, dass drei der Skulpturen - neben dem "Weißen Fräulein" der "Einsiedler", der im Dippser Wald gewohnt haben soll, und der "Trompeter von Seifersdorf" - im Spätherbst am Erlebnisweg "Sagenhafter Mühlberg" aufgestellt werden. Und zwar genau dort, wo ein steiler Weg aus dem Rabenauer Grund hinauf in die Stadt führt.

Klepzig, den die Wiederauferstehung seiner Figuren freut, hat sich aber längst schon wieder anderen Arbeiten gewidmet: Köpfen und Gefäßen aus Sandstein, Installationen aus Ästen, Akten, einem kugelrunden Relief von der Dresdner Altstadt - und immer wieder in Ton, Holz oder Stein geschaffene Tangotänzer.

Fließende Formen, Bewegung im Material, sich aneinander schmiegende Frauen und Männer. Klepzigs Leidenschaft für genau diesen Tanz ist unübersehbar. Und tatsächlich, durch einen Zufall sei er zum Tango gekommen, sagt er. Inzwischen lässt ihn der Tanz nicht mehr los. Seine Selbsterfahrung setzt er in seinen Arbeiten um. Die Pandemie allerdings, die hatte sein Hobby erst einmal ausgebremst.

Am schwersten ist die Ideenfindung am Material

Schwer sei nicht das Handwerkliche, das sich der ausgebildete Kunsterziehungslehrer autodidaktisch angeeignet hat. Kunst sei es vielmehr, in den Materialien, egal ob Holz oder Stein, Figuren zu finden. Erst wenn das in seinem Kopf gereift ist, greift er zu Schnitzmesser, Schraubzwinge, Klüpfel, ein hammerähnliches Werkzeug aus Holz, manchmal auch zu Winkelschleifer und Winkel. Das war bei seinen Sagenfiguren nicht anders. Auch dort spielte er mit dem Material, ließ Rinde und Äste mit in seine Kunstwerke einfließen.

Aufstieg ergänzt den Sagenweg

Das werden die Wanderer und Spaziergänger bei den Figuren entdecken, die sie den mühsamen Aufstieg aus dem Grund hoch in die Stuhlbauerstadt vergessen lassen sollen. Gleichzeitig werden sie damit ihr Wissen über die Region auffrischen oder erweitern können. Denn wer kennt schon all die Sagen aus Rabenau und Umgebung?

Knapp 342 Meter lang übrigens ist der Weg "Sagenhafter Mühlberg", der gerade saniert und neugestaltet wird - mit eben diesen Sagenfiguren, mit Infotafeln in Deutsch, Englisch und Tschechisch, insgesamt acht Erlebnisstationen, Sitzmöbeln, die an die Stuhlb
Knapp 342 Meter lang übrigens ist der Weg "Sagenhafter Mühlberg", der gerade saniert und neugestaltet wird - mit eben diesen Sagenfiguren, mit Infotafeln in Deutsch, Englisch und Tschechisch, insgesamt acht Erlebnisstationen, Sitzmöbeln, die an die Stuhlb © Egbert Kamprath

Knapp 342 Meter lang übrigens ist der Weg "Sagenhafter Mühlberg", der gerade saniert und neugestaltet wird - mit eben diesen Sagenfiguren, mit Infotafeln in Deutsch, Englisch und Tschechisch, insgesamt acht Erlebnisstationen, Sitzmöbeln, die an die Stuhlbautradition erinnern, einem Memory und Spielgeräten.

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Für Doreen Kadner vom Rabenauer Fremdenverkehrsamt ist es zudem eine gute Ergänzung zu dem bereits 1992 vom Heimatverein eröffneten Sagenweg ganz in der Nähe. Geplante Kosten des Mühlberg-Projektes: 556.000 Euro. 445.000 Euro davon werden laut Bürgermeister Thomas Paul (CDU) über die Leader-Region Silbernes Erzgebirge gefördert.

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