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Forscher erklärt Freitals "Arschkerbe"

Namensforscher Jürgen Udolph kommt am Mittwoch nach Freital und ist begeistert von einem neuen Werk zu hiesigen Straßennamen.

Namensforscher Professor Jürgen Udolph, vielen aus dem Radio bekannt, kommt nach Freital.
Namensforscher Professor Jürgen Udolph, vielen aus dem Radio bekannt, kommt nach Freital. © Foto: Flechsig

Das ist eine Ehre für beide Seiten. Die Freitaler Arbeitsgruppe Gedenken hat ein neues Werk mit dem Titel „Freitaler Straßennamen heute und in der Vergangenheit“ veröffentlicht. Zur Buchpräsentation am Mittwoch, 28. Juli, im Stadtkulturhaus, hat auch Deutschlands bekanntester Namensforscher, Professor Jürgen Udolph, sein Kommen zugesagt.

Vielen dürfte er aus dem Radio bekannt sein, unter anderem von Sendungen bei MDR Sachsen. Sächsische.de fragte ihn vorab, worauf sich Besucher freuen können, ob das Buch auch für ihn neue Erkenntnisse bringt und wo es in Freital mal die "Arschkerbe" gab.

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Das Verwahren, Strukturieren und Transparent machen von Forschungsergebnissen auf nationaler Ebene ist ein Mammutprojekt – bei dem die TU Dresden ganz vorn mit dabei ist.

Herr Udolph, was können Besucher am Mittwoch in Freital von Ihnen erwarten?

Auf Freital habe ich mich intensiv vorbereitet. Etwa in einer Stunde möchte ich 50 bis 60 Straßennamen besprechen. So eindeutige Namen wie Goetheplatz werden nicht dabei sein. Da gibt es in Freital viel spannendere wie etwa die Arschkerbe. Das war tatsächlich mal ein Straßenname in Freital. In dem Vortrag erfahren Besucher, wie die Straße heute heißt. Beim Anger dagegen glauben viele, die Bedeutung zu kennen. Dass das aber - wie so viele Namen - mit Flüssen zu tun hat, überrascht dann doch immer wieder.

Wie kam es dazu, dass sich inzwischen sogar Archäologen mit Ihren Forschungsarbeiten beschäftigen?

Gewässernamen sind sozusagen die ältesten Zeugen menschlicher Sprache. Die können bis zu 4.000 Jahre alt sein. Sprachen wie Slawisch oder Germanisch entstanden erst später. Der Name "Elbe" vereinigt beispielsweise beide Sprachen. Kartiert man jedoch Gewässernamen, die typische slawische oder germanische Wortteile haben, ergibt sich ein Siedlungsbild. Meiner Ansicht nach breiteten sich die Germanen deshalb auch nicht von Skandinavien aus, sondern war die Börde im heutigen Deutschland der Ursprung. Das findet tatsächlich wissenschaftliche Beachtung.

Wie wird man eigentlich Namensforscher?

Das kann ich noch auf den Tag genau sagen. Es war der 20. Januar 1970. Ich studierte Slawistik und Finno-Ugristik und suchte nach einem Thema für meine Magisterarbeit. Da sagte mein Professor, dass ich etwas zu slawischen Gewässernamen machen sollte. Am Ende entstand ein 640 Seiten starkes Buch. Das Thema hat mich so fasziniert, dass ich dazu auch promoviert habe. Auf einer halben Million Zetteln habe ich meine Erkenntnisse notiert. Das Internet stand mir damals noch nicht zur Verfügung. Jetzt ist das anders. Jeder einzelne Zettel ist jetzt online abrufbar.

Nun hat eine Freitaler Autorengruppe ein Buch zu Straßennamen veröffentlicht. Haben auch Sie dadurch noch neue Erkenntnisse gewonnen?

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Das ist ohne Einschränkung ein wichtiges Werk, bei dem auch ich dazugelernt habe. Um die Bedeutung des Ternickel zu erklären, war auch ein Buch von 1961 über Sprach- und Siedlungsgeschichte von Dresden und Freital eine wichtige Grundlage. So etwas besitzen nicht viele Städte. Ich beschäftige mich aber auch mit Familiennamen. Am Mittwoch in Freital werden es zum Beispiel die der Buchautoren sein. Lassen Sie sich überraschen.

Buchpräsentation „Freitaler Straßennamen heute und in der Vergangenheit“ im Rahmen von "100 Jahre Freital" am 28. Juli um 17 Uhr im Stadtkulturhaus mit Vortrag von Professor Udolph.

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung unter www.100.freital.de/strassennamen ist erforderlich.

Der Werkstattbericht der Arbeitsgruppe Gedenken inklusive eines Stadtplans von Freital kann bereits jetzt gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro im Bürgerbüro der Stadt Freital sowie im Onlineshop unter www.freital.de/shop erworben werden.

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