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Freitaler Bergbauverein findet steinalte Geschichte

Das Portal einer ehemaligen Rösche wurde bei Arbeiten in Niedergittersee entdeckt. An der Weißeritz soll es wieder aufgebaut werden. Der Standort ist kein Zufall.

Silvio Stute vom Bergbau- und Hüttenverein zeigt hier den Querschnitt und die Steine der alten Rösche.
Silvio Stute vom Bergbau- und Hüttenverein zeigt hier den Querschnitt und die Steine der alten Rösche. © Egbert Kamprath

Wenn von Steinkohle die Rede ist, denkt jeder sofort an tiefschwarze, glänzende Brocken. Die Steine, die vor Silvio Stute liegen, sind jedoch hell. "Sandstein", sagt Stute und streicht mit der Hand über die raue Oberfläche. Fast 200 Jahre war das Material in einem alten Steinkohlebergwerk verbaut.

Nun wurde es wiedergefunden und soll bald für jeden sichtbar in Freital aufgebaut werden. Denn die Sandsteine sind Teil der Freitaler Industriegeschichte, die untrennbar mit dem Bergbau verbunden ist. "Daran wollen wir erinnern", sagt Silvio Stute.

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Er gehört zum Bergbau- und Hüttenverein Freital, einer nur gut ein Dutzend Mann zählenden Gruppe. Das Vereinsziel ist klar definiert: Der Bergbau im Döhlener Becken, einst Zentrum der sächsischen Steinkohleindustrie, darf nicht vergessen werden. Denn das Weißeritztal war nicht nur Abbaugebiet, sondern auch ein Schmelztiegel für Innovation und Fortschritt.

Schmelztiegel für Innovationen

Hier gab es die erste öffentliche Straßenbeleuchtung mittels Lampen, in die man überschüssiges Gas aus den Kohlegruben leitete. Hier fuhr die erste elektrische Grubenlok. Hier erfand der als Flugpionier berühmt gewordene Ingenieur Otto Lilienthal eine Schrämmaschine.

Dagegen wirken die Sandsteine, die vor Silvio Stute liegen, mickrig. Doch auch sie erzählen eine Bergbaugeschichte, wenn auch keine sonderlich erfolgreiche.

Es war im Jahr 1836, als sich der Gitterseer Steinkohlenbauverein gründete. Das Unternehmen, später bin eine Aktiengesellschaft umgewandelt, legte drei Schächte nahe der heutigen Freitaler Stadtgrenze an: den Emmaschacht, den Meiselschacht und den Moritzschacht.

Letzterer befand sich in Niedergittersee, seine Flöze erstreckten sich unter Birkigter Flur. Um das Wasser aus den Stollen zu bekommen, legten die Bergleute für den Moritzschacht und das dazugehörige Grubenfeld eine sogenannte Rösche an. "Das ist quasi ein Abwasserkanal", erläutert Silvio Stute. Diese Rösche mündete nahe der Coschützer Straße 88 - heute Freitaler Stadtgebiet - ins Freie.

So sah die Rösche des Moritzschachtes vor Ort aus. Deutlich hebt sich das Sandsteingewölbe ab.
So sah die Rösche des Moritzschachtes vor Ort aus. Deutlich hebt sich das Sandsteingewölbe ab. © Bergbau- und Hüttenverein Freital

Aufwendiger Ausbau für erfolglose Grube

Dieser Kanal war enorm wichtig und musste immer gut funktionieren. Deshalb wurde er auf etlichen Metern Streckenlänge mit einem Sandsteingewölbe ausgestattet. "Das war standsicherer als ein Holzausbau", erklärt der Hobby-Bergmann. Es war aber auch deutlich aufwendiger und teurer, die Rösche so auszumauern.

Auch sonst blieb dem Gitterseer Aktienverein der große wirtschaftliche Erfolg verwehrt. Die drei Schächte, zu denen nach Anlagen auf Pesterwitzer Flur dazugekommen waren, warfen zu wenig Gewinn ab. Bereits gut 30 Jahre nach der Gründung musste das Unternehmen Konkurs anmelden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es dann die Wismut, die an der Stadtgrenze von Freital und Dresden nochmals in größerem Umfang Steinkohle förderte. Ende der 50er-Jahre kam der Bergbau zum Erliegen, die Stollen brachen ein, die Schächte wurden verfüllt.

Auch die Rösche des Moritzschachtes geriet in Vergessenheit, eine Funktion hatte sie ohnehin keine mehr.

Nach Bergbauschäden wiederentdeckt

Doch das Gelände in Niedergittersee arbeitet weiter. Immer wieder gibt es hier Senkungen, in Hauswänden bilden sich Risse. Deshalb musste vor zwei Jahren die Bergsicherung anrücken, um Schäden zu beseitigen. Dabei fuhren die Spezialisten auch die Rösche mit an und entdeckten den alten Sandsteingang.

"Die Rösche hat eine ovale Form, wie sie auch bei Abwasserkanälen üblich ist. Sie sieht ein bisschen aus, wie ein Ei", schildert Stute, der mit vor Ort war, um sich das unterirdische Bauwerk anzuschauen. Eine tolle Arbeit der Steinmetze sei das gewesen, schwärmt er.

Das sollte nicht einfach zerstört oder wieder zugeschüttet werden. Die Männer vom Bergbauverein hatten eine Idee. Sie baten die Bergsicherung, einen Teil der Rösche zu bergen.

Unscheinbare Mauer am Radweg

Nun lagern die Steine beim Verein. Schon bald aber sollen sie der Öffentlichkeit als Schaustück präsentiert werden. Für den zukünftigen Standort haben sich die Männer vom Bergbau- und Hüttenverein eine Stelle am Rad- und Fußweg zwischen Leskestraße und Poisentalstraße ausgesucht. Hier gibt es unscheinbar am Weg eine kleine Mauer, die ebenfalls mit dem Bergbau in Verbindung steht.

Die Mauer verdeckt den Ausgang einer Rösche und den Ausgang des ehemaligen Augustusschachtes am Fuße des Windberges. Hier wurden einst die Grubenwässer des Schachtes in Richtung Weißeritz geleitet, gleichzeitig diente die Rösche auch als Ausgang für die vollen Kohlentransporte.

Die Stelle rutscht immer wieder nach, sodass der Verein Sicherungsarbeiten durchführen und dann das eiförmige Sandsteinportal dort aufbauen möchte - siehe Fotomontage.

So soll das Portal Rösche am ehemaligen Ausgang Augustusschacht aufgebaut werden.
So soll das Portal Rösche am ehemaligen Ausgang Augustusschacht aufgebaut werden. © Bergbau- und Hüttenverein Freital

Sicherungsarbeiten geplant

Extra dafür haben die Männer vom Verein eine hölzerne Lehre gebaut. Damit das Portal zur Wirkung kommt und der Hang gleichzeitig gesichert ist, wird eine Stützwand errichtet und davor eine Wand aus Klinkerziegeln aufgebaut. In diese wird das Portal der Rösche integriert. Eine Tafel mit zahlreichen Informationen vervollständigt das Objekt.

Der Verein wird bei den Arbeiten von zahlreichen Sponsoren finanziell, materiell und auch technisch unterstützt. "Alleine würden wir das wohl kaum schaffen", sagt Vereinsvorsitzender Wieland Büttner.

Einen Zeitplan gibt es auch schon: Spätestens im September sollen die Reste der Rösche stehen und an Freitals großartige Bergbauhistorie erinnern.

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