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Abwasser im Gartenteich: Freitaler Kleingärtner verärgert

Eberhard Küttner stellte wiederholt Anzeigen wegen der grautrüben Brühe, doch es änderte sich wenig. Nun mehren sich die Vorfälle. Wo kommt der Dreck her?

Dieser Teich in Eberhard Küttners Garten könnte ein schönes Biotop sein - wäre da nicht ein Abwasserproblem.
Dieser Teich in Eberhard Küttners Garten könnte ein schönes Biotop sein - wäre da nicht ein Abwasserproblem. © Karl-Ludwig Oberthür

Zwei Enten dösen am Rande des Schilfes. Sie sind nicht die einzigen Bewohner in und um den Teich von Eberhard Küttner. "Hier gibt es Frösche, Eidechsen, Ringelnattern, Libellen", zählt der Rentner auf. Eigentlich könnte er zufrieden sein mit dem Biotop inmitten seines riesigen Gartens zwischen Coschützer Straße und Collmweg. Doch der Laubenpieper macht sich ernsthaft Sorgen - und das seit Jahrzehnten.

Denn im Teich landet immer wieder Abwasser. Es kommt aus einem verrohrten Zufluss am oberen Teichrand. Hier mündet der Birkigter Bach ein. Manchmal wird eine grau-weiße Brühe angespült. Mitunter ist das Wasser rötlich-braun und bringt jede Menge Schlamm mit. "Auch Jauche kam hier schon an. Es hat kräftig gestunken", berichtet Eberhard Küttner.

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Nicht nur sein Teich ist betroffen. Von Küttners Garten aus fließt das Wasser größtenteils verrohrt weiter in Richtung Weißeritz, wo es nahe der Gitterseebrücke in den Fluss mündet.

Kinder lernten hier schwimmen

Teich und Garten sind Überbleibsel einer Landschaft, die es so in Birkigt schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt. Der Birkigter Bach, der aus Richtung der Dresdner Cornelius-Gurlitt-Straße und der Gitterseer Straße auf Freitaler Flur kommt, wurde schon vor gut einem Jahrhundert unter die Erde gezwungen.

Immer wieder bringt der unterirdisch verlaufende Birkigter Bach Abwasser mit sich. Oft sieht es grau-weiß aus, wie hier im Bild. Es landet erst im Gartenteich und fließt dann weiter in Richtung Weißeritz.
Immer wieder bringt der unterirdisch verlaufende Birkigter Bach Abwasser mit sich. Oft sieht es grau-weiß aus, wie hier im Bild. Es landet erst im Gartenteich und fließt dann weiter in Richtung Weißeritz. © Karl-Ludwig Oberthür

Dort, wo sich Küttners Garten befindet, stand gleich daneben einst das Birkigter Kraftwerk nebst einem Gebäude mit Verwaltung und Dienstwohnungen. Küttner selbst hat als Angestellter bei der Energieversorgung viele Jahre dort gewohnt. "Die Mieter teilten sich den Garten, jeder bewirtschaftete eine Ecke. Der Teich war der Mittelpunkt und einst auch viel größer. Im Sommer haben wir hier gebadet, die Kinder konnten hier das Schwimmen lernen", erinnert er sich. Nun verlande das Gewässer immer mehr. Küttner macht das Abwasser dafür verantwortlich, das Schlamm mitbringe und die Algen wuchern lasse.

Schriftwechsel seit 1988

Bereits Ende der Achtzigerjahre wandte er sich in der Angelegenheit erstmals an die Behörden. Er hat alle Unterlagen dazu fein säuberlich in einem Hefter gesammelt. Seine Eingaben, die Antworten der Stadt und vom Rat des Kreises Freital aus dem Jahr 1988.

Damals stießen die Ämter auch auf einen Verursacher. Ein Betriebsteil von Schokopack an der Gitterseer Straße hatte das bei der Maschinenreinigung anfallende Wasser in Schleusen geleitet. In einem Schreiben wird die Betriebsleitung aufgefordert "alle Werktätigen zu belehren, kein Abwasser in die Schleusen einzuleiten." Einige Abläufe wurden wohl auch dicht gemacht.

Daraufhin, berichtet Küttner, sei das Wasser des Birkigter Baches sauber geblieben. Allerdings nicht sehr lange. Über die Jahre kam immer wieder Dreckwasser an, mal mehr, mal weniger. "Dieses Jahr ist es besonders schlimm. Das Wasser ist kaum noch klar", sagt der Freitaler, der den gut 4.000 Quadratmeter großen Garten inzwischen nur noch alleine bewirtschaftet.

Fall für Umweltamt, Polizei und Staatsanwaltschaft

Mehrmals informierte er die Behörden. Es gibt Schriftverkehr aus den Neunziger und den Zweitausender Jahren. Vor Ort waren schon Mitarbeiter von Umweltamt, die Polizei, die Staatsanwaltschaft. Im Freitaler Rathaus bestätigt man, dass es am Birkigter Bach zeitweise ein Problem gibt.

So gab es beispielsweise Anzeigen aus den Jahren 2002 und 2003. "Im Jahre 2002 wurde der identifizierte Verursacher durch die Untere Wasserbehörde zur Versiegelung von Einleitstellen in das Rohrnetz des Birkigtbaches aufgefordert", teilt Katrin Reis, Leiterin des Oberbürgermeisterbüros der Stadt Freital, mit.

Gelöst war das Problem damit jedoch nicht. "Dennoch wurde im folgenden Jahr 2003 erneut eine gelb-braun-Färbung mit Jauchegeruch des Birkigtbaches angezeigt. Offenbar konnte der Verursacher diesmal nicht ermittelt werden", heißt es aus dem Rathaus weiter.

Das Problem ist, dass keiner exakt weiß, welche Abwasserrohre oder Straßeneinläufe alle in den unterirdischen Bach münden. Dazu kommt, dass sich das Problem an der Stadtgrenze abspielt, also auch der Dresdner Stadtteil Niedergittersee an der Entwässerung mit hängt.

"In den verrohrten Bach im Bereich der Cornelius-Gurlitt-Straße/Gitterseer Straße leitet eine Vielzahl von Rohren ein. Oberhalb gibt es Einleitpunkte von je einem Regenwasserkanalnetz aus Dresdner und Freitaler Flur", bestätigt Katrin Reis.

Viele Freitaler Gullys münden in Bäche

Und selbst wenn die Mitarbeiter im Bauamt und dem Abwasserbetrieb wissen, welche Rohre in den Bach münden - vor Missbrauch aus Unwissenheit oder auch Vorsatz seitens der Bürger schützt das noch lange nicht.

Reis: "Im Stadtgebiet Freital binden Gullys zu einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent in einen Regenwasserkanal ein, der zum Schluss in einem Gewässer mündet." Mit anderen Worten: Gut die Hälfte aller Schleusen führen zu Bächen und letztendlich der Weißeritz, so wie der Birkigter Bach.

Würden also beispielsweise Farbeimer in den nächsten Straßeneinlauf entleert, könne dies direkt zu einer Gewässerbelastung führen. Mehrmals war das in der Vergangenheit bei der Weißeritz der Fall, wie es aus dem Rathaus weiter heißt. Der Fluss sei ziegelrot oder auch milchig weiß gewesen.

Farben und Fette gehören nicht in Schleusen

Dabei ist in der Freitaler Abwassersatzung unter Paragraf 7 genau geregelt, was in einen Gully eingeleitet werden darf und was nicht. Zu den verbotenen Stoffen und Substanzen zählen unter anderem Farben, Fette, reißfeste Hygieneartikel und Küchenabfälle. "Schäden an öffentlichen Abwasseranlagen infolge der verbotenen Einleitung der genannten Stoffe sind häufig mit hohen Kosten verbunden und müssen letztlich von allen Gebührenzahlern gemeinsam getragen werden", erklärt Katrin Reis.

Auch Eberhard Küttner meint, dass schon mehr Rücksichtnahme seinem Teich helfen würde. "Ich wünsche mir, dass jeder in Birkigt darüber nachdenkt, was er in eine Schleuse kippt."

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