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Freital: Große Pläne für die Feuerwehr

Sven Heisig ist Stadtwehrleiter. Dabei verlief sein Weg in den Beruf nicht immer geradeaus. Jetzt liegt viel Arbeit vor ihm. Nicht zuletzt der Bau einer neuen Wache.

Freut sich auf seine neue Aufgabe: Sven Heisig, der neue Stadtwehrleiter in Freital.
Freut sich auf seine neue Aufgabe: Sven Heisig, der neue Stadtwehrleiter in Freital. © Egbert Kamprath

Es brennt. Eine Wohnung im ersten Stock. Eine Person ist noch drin, muss gerettet werden. Feuerwehrmänner wissen - das ist der Standard, das Grundmaß, wenn man so will. "An diesem Szenario wird die Planung ausgerichtet", sagt Sven Heisig. Der 56-Jährige ist der neue Chef der Freitaler Wehr und gerade dabei, sich in seine Aufgabe reinzuarbeiten. Es gibt große Pläne und viel zu tun.

Die alte Feuerwache ist längst zu klein geworden. Sie zu erneuern und vor allem durch einen Neubau zu ergänzen und zu erweitern, steht schon lange auf der Tagesordnung. Doch erst kürzlich konnte das Problem, ein Grundstück dafür zu finden, nach jahrelangem Hin und Her beendet werden.

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Die Stadt hat es geschafft, 6.000 Quadratmeter Brachfläche von der Glashütte Freital zu kaufen. Günstigerweise ein Nachbar der Freitaler Feuerwehr in Döhlen, wo Freital neben den Freiwilligen Kameraden auch 17 Hauptamtliche und zwei Verwaltungsmitarbeiter beschäftigt. Das ist nun das Reich von Sven Heisig.

Feuerwehr hat hohen Stellenwert in Freital

"Wir sind keine Berufsfeuerwehr", betont er. Die hauptamtlichen Feuerwehrleute seien für das Absichern der Tagesbereitschaft unbedingt notwendig und Freital als Kommune erfülle damit seine Pflichtaufgabe. "Ich spüre und ich weiß, dass die Feuerwehr von der Stadt immer unterstützt wird. Wir genießen einen hohen Stellenwert in Freital", sagt Sven Heisig, der gerade noch Stadtratsmitglied war - bis zu seiner Ernennung als Stadtwehrleiter.

Die Freiwilligen Kameraden, zu denen er selber jahrzehntelang gehörte, seien im Konzept ein nicht wegzudenkender Faktor, um im Ernstfall effektiv helfen zu können. "Ich möchte mit allen auf Augenhöhe zusammenarbeiten."

Feuerwehr ist die Konstante im Leben von Sven Heisig

Jetzt startet der Ur-Freitaler Heisig mit 56 noch einmal richtig durch. Andere würden sich in dem Alter schon langsam auf die Rente vorbereiten, sagt er. Er selber fühle sich noch so voller Tatendrang, dass das für ihn bisher überhaupt kein Thema sei. Er habe schon immer angepackt im Leben, auch wenn sein Berufsleben durchaus Höhen und Tiefen aufweise. Die Konstante war und ist für Sven Heisig die Feuerwehr.

Mit 16 steigt er bei der Feuerwehr ein. Das war 1982. Damit beginnt für ihn ein Hobby, an dem er immer mehr Spaß findet. Er arbeitet sich rein, hat Freude an der Sache, erlebt Kameradschaft und Bestätigung. Erst 2009 wird aus dem Hobby auch sein Beruf. "Ich bekam eine Stelle als hauptamtlicher Feuerwehrmann."

Berufung Feuerwehrmann

Man spürt im Gespräch, dass es für ihn tatsächlich eine Berufung ist. Er scheint angekommen zu sein. Als gelernter Maschinen- und Anlagenbauer kennt er sich mit Technik aus, weiß auch manches selber zu reparieren, wenn es sein muss. Obwohl er in diesem Beruf, dem er einst bei der Fördertechnik Freital nachging, nach der Wende kaum noch gearbeitet hat. In den Neunzigerjahren ist Sven Heisig als Raumgestalter, Fußbodenleger, Kraftfahrer und Versicherungsvertreter unterwegs. "Die Art, wie damals zum Teil Versicherungen verkauft wurden, konnte ich echt nicht mit meinem Gewissen vereinbaren."

Es ergab sich später für ihn die Möglichkeit, bei der Firma Farben und Tapeten Hauptmann anzufangen. "Dort war ich dann lange als Vorarbeiter, habe auch gelernt, Angebote zu schreiben und Aufträge rangeholt", erzählt er. Er habe sehr gute Erinnerungen an die Zeit und sei der Firma und den Kollegen von damals nach wie vor dankbar und verbunden.

Querelen hinter den Kulissen

Nun also Stadtwehrleiter. Doch auch in dieses Amt kommt Sven Heisig nicht einfach so. Er war nicht der einzige Bewerber auf den Posten. Im Hintergrund gab es Unruhe. Nicht alle Feuerwehrleute wünschen sich Heisig als Chef. So mancher hat Bedenken, hätte lieber einem anderen Bewerber den Vorzug gegeben. Doch das Verfahren mit Bewerbungsgesprächen läuft wie vorgeschrieben ab, daran gibt es nichts auszusetzen. Und am Ende haben die Mitglieder des Stadtrates mit einfacher Mehrheit, wenn auch knapper als vielleicht gedacht, für Heisig gestimmt.

Inzwischen betonen auch Stadträte, die gegen ihn gestimmt haben: "Die Entscheidung ist gefallen und wir werden Herrn Heisig als Stadtwehrleiter unterstützen." Das hört er natürlich gern und hat auch selber als erstes in seinem Amt damit begonnen, Gespräche mit den Mitarbeitern zu führen, vor allem aber mit den Wehrleitern der Freiwilligen Stadtteilfeuerwehren. "Ich habe mich offen den einzelnen Gesprächen gestellt und bin sehr froh, dass Unstimmigkeiten im Großen und Ganzen ausgeräumt werden konnten", sagt Heisig. Natürlich sei es nicht einfach, alle Mitglieder unter einen Hut zu bekommen, aber er habe nun ein gutes Gefühl, was die Zusammenarbeit mit den Freiwilligen angeht.

Neben internen strukturellen Überlegungen ist das ganz große Ding, das in seiner Zeit nun vor ihm liegt, der Neubau einer modernen und zeitgemäßen Feuerwache. "Die Stadt wird einen Architekturwettbewerb ausschreiben dafür", sagt Heisig. Er selbst werde, was Anforderung und Ausstattung der neuen Wache angeht, Zuarbeit leisten und Wünsche äußern. "Wir werden nicht alles bekommen, das ist klar. Aber es sollte eine Wache entstehen, die uns mindestens für die nächsten 30 Jahre gute Dienste leisten kann."

Um die zwölf Millionen Euro werden wohl mindestens gebraucht dafür. Die Stadt wird ihren Eigenanteil leisten, das ist in der Haushaltsplanung festgeschrieben. Ein Teil soll aus Fördermitteln des Freistaates dazukommen. Dafür habe Innenminister Roland Wöller (CDU) der Freitaler Feuerwehr bei der Jahreshauptversammlung 2020 bereits seine Unterstützung zugesichert, sagt Sven Heisig. "Da nehmen wir ihn beim Wort."

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