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Freital: Oberschule hat wieder ein Dach

Halbzeit bei Sanierung der Geschwister-Scholl-Oberschule: Nun beginnt der Innenausbau. Doch einige Sorgen bleiben.

Endlich dicht: Enrico Walther und Johannes Nicks verlegen Bahnen auf dem Schulhausdach.
Endlich dicht: Enrico Walther und Johannes Nicks verlegen Bahnen auf dem Schulhausdach. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Aussicht ist schon mal toll: Auf der einen Seite geht der Blick in Richtung Weißeritztalhänge mit dem Backofenfelsen, auf der anderen Seite über die Dächer von Hainsberg zum Rabenauer Grund. "Schön, nicht wahr?", fragt Jens Römisch gegen den Baulärm an, der im obersten Geschoss der Geschwister-Scholl-Oberschule herrscht. Doch um die Aussicht geht es eigentlich nicht.

Römisch arbeitet im Bauamt der Stadt Freital und betreut ein Zehn-Millionen-Euro-Projekt - die Sanierung der Hainsberger Oberschule. Die letzten umfangreichen Umbauarbeiten geschahen hier lange vor der Wende. Betrat man die Schule, fühlte man sich tatsächlich um gut drei Jahrzehnte zurückgeworfen.

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Nun wird hier das ganz große Rad gedreht. Seit Herbst 2019 wird die Schule komplett erneuert und erweitert. Bis auf die rohen Ziegelwände war der Bau entkernt, die Decken herausgerissen, das Dachgeschoss verschwunden.

Der Anbau für Kantine und Fachkabinette steht

Das war im Frühjahr 2020. Seitdem ist viel passiert. Vor allem wuchs direkt an der Schule ein dreistöckiger Anbau empor, in dessen Erdgeschoss der neue Haupteingang liegt. Dort gelangt man in ein großzügiges Foyer, dass in einen offenen Mehrzweckbereich übergeht. Der Saal ist so gestaltet, dass er im normalen Betrieb gleichzeitig als Schulkantine fungiert.

Die alte Schulhausaußenwand wurde in Anbau integriert und soll in ihrer Optik erhalten bleiben. Über dem Speisesaal liegt dann die zukünftige naturwissenschaftliche Abteilung der Schule mit den drei Fachkabinetten für Chemie, Biologie und Physik.

Doch zunächst führt Jens Römisch in den Keller des Altbaus. Hier ist es nicht nur dunkel, sondern auch extrem feucht. Monatelang hatte das Hainsberger Schulhaus kein Dach mehr. Erst Mitte dieser Woche wurde die Richtkrone aufgesetzt.

Der Eingangsbereich führt in ein großes Foyer mit Übergang in den zukünftigen Mehrzwecksaal. Dieser ist zugleich die Kantine der Oberschule.
Der Eingangsbereich führt in ein großes Foyer mit Übergang in den zukünftigen Mehrzwecksaal. Dieser ist zugleich die Kantine der Oberschule. © Karl-Ludwig Oberthür

Kreativräume im Untergeschoss

Bis dahin ist viel Wasser und zuletzt auch viel Kälte ins Gebäude eingedrungen. "Der nächste Schritt ist nun, die Fenster einzubauen und dann mit der Erwärmung und Trocknung zu beginnen", erklärt Römisch mit Blick auf die Wassertropfen und Mini-Eiszapfen, die sich an den Kellerdecken gebildet haben.

Im Untergeschoss sollen sich auch zukünftig vor allem die Technik- und Funktionsräume befinden. Doch der frei gewordene Platz wird auch genutzt, um Werkstätten für den Kreativunterricht einzubauen. So entsteht im Keller beispielsweise eine Keramikwerkstatt.

Ein Grund, warum die Geschwister-Scholl-Oberschule komplett geräumt und entkernt und nicht im Bestand saniert wurde, ist der chronische Platzmangel gewesen. Zuletzt wurden vier Klassen in der benachbarten Grundschule unterrichtet. Im neuen Haus ist ausreichend Platz für eine zweizügige Schule mit mindestens zwölf Klassen. Dieser wird nicht nur mit dem Anbau gewonnen.

So wird das Haus aufgestockt und erhält da, wo früher das Dachgeschoss mit seinen schrägen Wänden war, gleich zwei zusätzliche Vollgeschosse. Zudem wurde der Altbau auch nach hinten erweitert, wodurch zusätzliche Räume entstehen. Die neue Schule wird drei Treppenhäuser und einen Aufzug haben und somit barrierefrei sein.

Alt und Neu gehen ineinander über. Die Schule wurde übrigens 1899/1900 gebaut und später erweitert. Nun erfolgt die abermalige Vergrößerung des Gebäudes..
Alt und Neu gehen ineinander über. Die Schule wurde übrigens 1899/1900 gebaut und später erweitert. Nun erfolgt die abermalige Vergrößerung des Gebäudes.. © Karl-Ludwig Oberthür

Baupreise sind gestiegen

Die Arbeiten am Rohbau sind nun abgeschlossen. Sobald es die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit im Gebäude zulassen, beginnt der Innenausbau. Erste Aufträge sind vergeben. Doch die nächsten Monate bereiten den Mitarbeitern in der Stadtverwaltung einige Sorgen, wie Jens Römisch erläutert: "Die Kosten sind ordentlich gestiegen." Der Preissprung am Bau kommt zum einen wegen der gestiegenen Mindestlöhne zustande. Zum anderen wird das Material immer teurer.

Das hat Folgen. Die Stadt hatte die Kosten für die Sanierung zunächst mit 9,1 Millionen Euro kalkuliert. Alles in allem dürften es am Ende wohl knapp zehn Millionen Euro werden, schätzt man im Rathaus.

Der Rohbau steht wieder. Als Nächstes erfolgt der Fenstereinbau, dann beginnt die Trocknung. Die ersten Bauaufträge für den Innenausbau sind auch schon vergeben, der in Kürze starten soll.
Der Rohbau steht wieder. Als Nächstes erfolgt der Fenstereinbau, dann beginnt die Trocknung. Die ersten Bauaufträge für den Innenausbau sind auch schon vergeben, der in Kürze starten soll. © Karl-Ludwig Oberthür

Doch dafür bekommen die Hainsberger Schüler und ihre Lehrer ein Gebäude nach neuestem Stand und top-ausgestattet. Sogar eine automatische Lüftungsanlage für alle Zimmer und Gänge wird eingebaut - sie war schon lange vor der Corona-Pandemie projektiert worden.

Doch bis alle Schüler, die derzeit in einem Interims-Containerbau unterrichtet werden, wieder einziehen, vergeht noch ein Jahr: Fertig wird der Umbau wohl erst im Mai oder Juni 2022 sein.

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