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Freital hat jetzt einen "Klitscherweg"

Von der Idee bis zur Eröffnung vergingen fünf Jahre. Jetzt gibt es eine Rundwanderung mit dem Namen der Weißiger Spezialität, aber ohne Gasthaus.

Joachim Pietrzak von den Weißiger Heimatfreunden steht am Ausgangspunkt des neuen "Klitscherweges".
Joachim Pietrzak von den Weißiger Heimatfreunden steht am Ausgangspunkt des neuen "Klitscherweges". © Karl-Ludwig Oberthür

Das haben sie sich nicht nehmen lassen. Zur Eröffnung ihres ganz eigenen Rundwanderweges haben die Weißiger ihre Klitscher frei Haus an die Gäste verteilt. 20 Kilogramm Teig hat Joachim Pietrzak zusammengerührt: aus Pellkartoffeln, Quark, Mehl, Eiern, Zucker und Salz sowie Rosinen. Und wer jetzt denkt: Momentmal, das sind doch Quarkkeulchen, der liegt genau richtig. Denn die Weißiger Klitscher sind keine Kartoffelpuffer, sondern das Rezept ist in den 1820er-Jahren mit den Bergleuten aus Johanngeorgenstadt eingewandert. Heute, 200 Jahre später, ist dieser Klitscher nun Namensgeber für einen zwölf Kilometer langen Wanderweg zur Ortshistorie. Und das kam so.

2010 feierte Weißig sein 775-jähriges Jubiläum der Ersterwähnung als Waldhufendorf Wizoch. In der Folge gründeten engagierte Einwohner des inzwischen längst zu Freital gehörenden Ortsteils den Verein Weißig 2011 e.V. Dieser kümmert sich um Feste, Märkte, Traditionen - kurz, um alles, was den Menschen im Stadtteil wichtig ist. Als Teil des Vereins sind die Heimatfreunde aktiv, die federführend den "Klitscherweg" aufgebaut haben.   

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Neben dem 71-jährigen Joachim Pietrzak sind das Siegmar Winkler, 85 und Harry Neumann, der mit seinen 95 Jahren der Älteste im Bunde ist. Und so sehr sich die drei darüber freuen noch immer gemeinsam Projekte stemmen zu können, so sehr sind sie sich der Endlichkeit ihrer Kräfte bewusst. "Wir brauchen jüngere Jahrgänge, die bei uns mitmachen", sagt Pietrzak. Doch erst einmal haben sie sich mit dem "Klitscherweg" ein Denkmal gesetzt.

Die Übersichtskarte zum "Klitscherweg" rund um Freital-Weißig zeigt und erklärt alle wichtigen Punkte entlang der Strecke.
Die Übersichtskarte zum "Klitscherweg" rund um Freital-Weißig zeigt und erklärt alle wichtigen Punkte entlang der Strecke. © Weißig 2011 e.V.
Die Zubereitung der Weißiger Klitscher ist nach wie vor Handarbeit.
Die Zubereitung der Weißiger Klitscher ist nach wie vor Handarbeit. © Karl-Ludwig Oberthür
Die Klitscher werden in Öl ausgebacken.
Die Klitscher werden in Öl ausgebacken. © Karl-Ludwig Oberthür

Das würden die drei von sich so natürlich nie sagen. Aber zur Eröffnung des Weges, bei der auch Landrat Michael Geisler (CDU) und Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (parteilos) mit dabei sind, wird durchaus davon gesprochen. Pietrzak kontert das sofort: "Ich möchte keine Ehrentafel haben."

Der Weg wird ohne auskommen, denn er hat ja sowieso schon 43 großformatige Infotafeln. Anhand dieser erfährt der Wanderer vieles aus der Weißiger Geschichte. Zudem säumen Aussichtspunkte den Weg. Allen voran die Opitzhöhe. Von dort schweift der Blick über Freital hinweg bis ins Osterzgebirge und sogar hinüber zu den Tafelbergen der Sächsischen Schweiz - gutes Fernsichtwetter vorausgesetzt.

Zum Herbstmarkt gibt es wieder Klitscher

"Das Legen des Weges war gar nicht so einfach", sagt Joachim Pietrzak. Die Strecke als solche ist zwar nicht neu, aber die Auszeichnung als "Klitscherweg" dient dem Tourismus und soll zusätzliche Wanderer anziehen. "Nicht jedem privaten Waldbesitzer war das recht." So mussten Pietrzak und seine Mitstreiter einige Male umplanen bis sie zur jetzt gefundenen Wegstrecke kamen. 

Die Zwölf-Kilometer-Runde ziert das eigens kreierte Logo mit dem Klitscher. Das dient auch als Markierung. So findet jeder den Weg von Tafel zu Tafel. Das alles gibt es natürlich nicht umsonst. Die Arbeit wurde zwar ehrenamtlich organisiert, aber die Tafeln mussten gestaltet, gedruckt und aufgebaut werden. Broschüren und Wanderführer sind entstanden. 

Insgesamt 70.000 Euro flossen in das Projekt. Darin enthalten sind rund 48.000 Euro aus EU-Fördermitteln über das Regionalraum-Förderprogramm Silbernes Erzgebirge. Zudem hat die Stadt Freital 12.000 Euro dazu gegeben und der Verein Weißig 2011 selber hat auch um die 10.000 Euro aufgebracht.

Mehr als 60 Besucher sind am Sonnabend der Einladung zur Eröffnung gefolgt und haben sich ein Stück des Weges angesehen. Ihnen wird zuteil, worauf der Wanderer an normalen Tagen mangels Gasthaus oder Imbissstand an der Strecke verzichten muss. Die Verkostung der  echten Weißiger Klitscher. Wer es darauf abgesehen hat, sollte sich den 10. Oktober als Wandertag vornehmen. Da gibt es von 10 bis 14 Uhr zum Weißiger Herbstmarkt selbstverständlich auch Weißiger Klitscher.

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