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Frauen-Quartett malt für Freital

Vier Keramikkünstlerinnen nehmen die Pinsel zur Hand. Am Sonntag beim 3. Kunsthandwerkermarkt sollen die Besucher das Werk vollenden.

Angelika Sorg (re. vorn), Petra Langer-Molitor (li.), Elke Boschke (hinten,re.) und Christa Donner bereiten eine Performance für den Kunsthandwerkermarkt vor.
Angelika Sorg (re. vorn), Petra Langer-Molitor (li.), Elke Boschke (hinten,re.) und Christa Donner bereiten eine Performance für den Kunsthandwerkermarkt vor. © Egbert Kamprath

Es wird bunt, so viel ist schon mal klar, wenn man auf den Arbeitstisch von Angelika Sorg und Petra Langer-Molitor schaut. Das Wappen von Saalhausen ist bereits auszumachen, daneben Weißiger Klitscher. Soeben pinselt Petra Langer-Molitor eine Weinrebe aufs Holz. Was in einer Halle am Stadtrand von Freital derzeit entsteht, ist eine mehr als mannshohe, bemalte 100 aus Holz. Die Oberfläche der drei Zahlen ist in unterschiedliche Felder eingeteilt - 15 Stück für 15 Stadtteile. Ein Frauenquartett bringt die Motive auf, eine Collage aus handgemalten Motiven, Fotografien, Wappen.

Mehrere Stunden Arbeit haben sie bereits in das Objekt gesteckt. Fertig wird es aber nicht - mit Absicht. "Am Sonntag beim Kunsthandwerkermarkt sollen die Besucher die Lücken und weißen Flecken füllen", erklärt Christa Donner, die Dritte im Bunde. Eine Art Mitmach-Angebot sozusagen, man könnte es auch mit einem künstlerischen Begriff ausdrücken: Performance.

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60 Aussteller präsentieren ihre Arbeiten

Der Kunsthandwerkermarkt am Freitaler Stadtkulturhaus findet zum dritten Mal statt. Um die 60 Aussteller haben sich angemeldet, alle kommen aus Freital und Umgebung. Sie bieten Schmuck, Malerei, Geklöppeltes, Geschirr, Baby- und Kinderbekleidung, Postkarten und Kalender, Holzarbeiten, handgestrickte Puppen und vieles mehr an.

Es ist eine bunte Mischung, deren einziges gemeinsames Merkmal darin besteht, selbstgefertigte Unikate zu sein. Auch die vier Künstlerinnen aus der Halle sind mit dabei. Denn eigentlich, erklärt Christa Donner, beschäftigen sie sich hauptsächlich mit Keramikarbeiten. Beim Kunsthandwerkermarkt wollen sie gemeinsam auftreten.

Christa Donner lebt in Karsdorf, sie konzentriert sich auf Bildhauerei und Keramik. "Ich fertige vor allem figürliche Objekte an, zum Beispiel Büsten." Damit fährt sie auf Ausstellungen und Kunstmärkte. Weil sie davon allein nicht leben kann, gibt sie Kurse und arbeitet noch in einer Galerie.

Wandreliefs aus Porzellan

Auch Petra Langer-Molitor hat sich, obwohl Autodidaktin, beruflich ganz der Kunst verschrieben. Wenn andere frühmorgens ins Büro oder zur Schicht fahren, geht sie ins Atelier ihres Bannewitzer Wohnhauses. Petra Langer-Molitor fertig Ölbilder mit abstrakten Motiven und Keramikskulpturen an. Die Erlöse decken nicht nur die Kosten, sie reichen auch zum Leben.

Etwas, was Angelika Sorg aus Dresden eher nicht behaupten kann. Doch weil die studierte Psychologin inzwischen in Rente ist, spielt das nicht die große Rolle. "Kunst habe ich schon immer gemocht, es liegt in der Familie", erzählt sie. Der Großvater sei Bildhauer gewesen.

Sie selbst habe hobbymäßig viel mit Ton gearbeitet. Als Ruheständlerin hat sie nun noch mehr Zeit und fertigt Schmuck, Gefäße und Wandreliefs aus Porzellan an. Die Reliefs komponiert sie beispielsweise mit Muscheln - was bei Betrachtern gut ankommt.

Jedes Stück ein Unikat

Elke Boschke gibt gleich zu, es mit dem Malen nicht so zu haben, als sie auf die hölzerne, halbfertige 100 schaut. Deshalb arbeitet sie an dem gemeinsamen Werk mit Folientechnik. Allerdings ist die einzige Freitalerin im Bunde vor allem Expertin für Keramikarbeiten.

In ihrer Wohnung auf dem Raschelberg formt, gestaltet und brennt sie Lichthäuser, Dosen, Schalen, dekorative Kannen - kleine und größere Dinge, die sich wunderbar als Dekoration eignen. Sie hat sich mit Raku beschäftigt, einer japanischen Keramiktechnik.

Elke Boschke zeigt auf ihrem Handy Bilder von ihren Produkten, alles Unikate. In manche sind Drähte eingearbeitet, andere wirken, als wären sie uralt. Gerade läuft von ihr eine Ausstellung im Kloster Buch bei Leisnig. Fällt es schwer, sich von all den wunderbaren Einzelstücken zu trennen? Sie lacht. "So eine Wohnung ist ja begrenzt", sagt sie.

Kulturalltage mit Musik, Theater, Ausstellungen

Der Kunsthandwerkermarkt fand bei seinen ersten beiden Durchgängen im November statt. Dass er nun ausgerechnet mit dem Windbergfest zusammenfällt, sei ein ungewollter Zufall, sagt Kristin Weiß vom Vorbereitungsteam beim Freitaler Koordinationsbüro für soziale Arbeit (Kobü).

Nach dem Ausfall des Kunsthandwerkermarktes im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie habe man den Markt gerne etwas vorziehen wollen - in die vermeintlich sicheren September. Zudem ist er damit Teil der 9. Freitaler Kulturalltage, die nun starten. Dies ist das Auftaktwochenende.

Insgesamt 55 Veranstaltungen, darunter Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Workshops, Discos sind bis zum 3. Oktober geplant. Vier Ausstellungen werden geöffnet. Der Kunsthandwerkermarkt ist mit seinen gut 60 Akteuren eine der größten Veranstaltungen im Rahmen der Kulturalltage.

Das Programm am Wochenende:

  • Sportecho Freital, Stadion Oberpesterwitzer Straße, mit sportlich-musikalischem Wochenende vom 10. bis 12. September - Sportlerball, Disco, Live-Musik, Kindertag am Sonntag, Fußballbörse mit Fanartikeln, Sammelzeitschriften und Fanschals aus aller Welt
  • "Rückblende" - eine Ausstellung zu den Ausstellungen im Einnehmerhaus, am 10. September 16 Uhr geführter Rundgang mit Barbara Hornich
  • Musik im Einnehmerhaus, Dresdner Straße 2, eine Zeitreise durch die Klassiker des Rocks, Country und Blues am 10. September ab 18 Uhr
  • Vernissage "Es wurzelt" im Familienzentrum Regenbogen am 10. September von 17 bis 19 Uhr, Künstlerin Dorit Petzold stellt ihre Bilder aus
  • Eröffnung der Ausstellung "Heimatwechsel", Sparkassenfiliale Dresdner Straße 107, am 12. September 11 Uhr
  • Kunsthandwerkermarkt mit 60 Ausstellern aus Freital und Umgebung am 12. September von 11 bis 18 Uhr im Kulturhaus Lutherstraße

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