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Niederhäslicher eröffnen historischen Dorfrundgang

Eckehard Göhlert und seine Mitstreiter haben in den Analen gegraben. Nun gibt es eine 2,5-Kilometer-Route, auf der man viel über den Freitaler Stadtteil erfährt.

Eckhard Göhlert zeigt das Schild vor dem Rathaus. Insgesamt 25 Tafeln informieren über die Geschichte Niederhäslichs.
Eckhard Göhlert zeigt das Schild vor dem Rathaus. Insgesamt 25 Tafeln informieren über die Geschichte Niederhäslichs. © Egbert Kamprath

Das ehemalige Rathaus an der Poisentalstraße hat so gar nichts Dörfliches. Um 1900 erbaut, wirkt es mit seinen Türmchen, Verzierungen und Erker wie die Kopie eines Renaissance-Schlosses. Niederhäslich war jedoch lange ein Bauerndorf. Und so dreht Eckhard Göhlert bei seinem Rundgang dem Rathaus und der hektischen Poisentalstraße schnell den Rücken zu und führt zum alten Dorfanger. Hier herrscht Ruhe, auch wenn vom einstigen Dorfleben nicht mehr viel zu sehen ist. Keine Bauernhäuser, keine Tiere, es riecht auch nicht nach Stall.

Wie es einmal war, kann man aber nun recht gut nachlesen. Göhlert und mehrere Mitstreiter aus Niederhäslich haben einen Dorfrundgang angelegt. 2,5 Kilometer lang ist die Runde. Eigentlich ein Spaziergang, doch man sollte etwas Zeit einplanen: 25 Tafeln stehen am Wegesrand. Am Sonnabend wird der Rundgang im Rahmen des Stadteilfestes offiziell eröffnet.

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Viele alte Fotos gesammelt

Die Idee für den Dorfrundgang gab es bereits vor drei Jahren. Göhlert, der seit 1968 in Freital lebt, zunächst im Stahlwerk arbeitete und sich noch zu DDR-Zeiten als Kupferschmied selbstständig machte, meldete sich auf den Aufruf hin. Weil er als Ruheständler viel Zeit hatte, bekam er den Hut für das Projekt aufgesetzt.

"Wir haben versucht, bei möglichst vielen historischen Gebäuden das Baujahr, die Besitzer und die Funktion herauszufinden. Und natürlich haben wir auch viele historische Fotos gesammelt", erzählt Göhlert.

Rund um den Dorfanger zum Beispiel stehen und hängen gleich mehrere Schilder. Sie berichten über ein Stück Heimat, dass in den vergangenen 70 Jahren einen enormen Umbruch hinter sich gebracht hat.

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Noch nach dem Zweiten Weltkrieg war das Zentrum von Niederhäslich tatsächlich ein Dorf, trotz des prunkvollen Rathauses. Es gab rund um den zentralen Platz viele Dreiseithöfe, ein altes Dorfschulgebäude, einen Gasthof, Bäcker, Fleischer und Lebensmittelgeschäfte. Es gab ein Fuhrunternehmen, welches noch mit Pferdegespann arbeitete.

"Es wurde alles abgerissen", kommentiert Göhlert etwas wehmütig. Mit der Gründung der LPGs verloren erst die Höfe ihre Aufgabe und Funktion. Die Mangelwirtschaft zu DDR-Zeiten hinderte dann viele Besitzer am Erhalt der historischen Bausubstanz mit ihren Fachwerkhäusern. Total marode, kamen die meisten alten Bauernhöfe nach der Wende weg.

Der Dorfrundgang ist mit diesem Symbol - dem alten Niederhäslicher Siegel - markiert.
Der Dorfrundgang ist mit diesem Symbol - dem alten Niederhäslicher Siegel - markiert. © Egbert Kamprath

Fast alle Geschäfte verschwunden

Nun sind sie zumindest noch einmal im Bild zu sehen. Was Göhlert besonders freut: Viele Hausbesitzer haben die Tafeln zum historischen Dorfrundgang selbst finanziert und das Projekt so unterstützt. Die Route führt vom Rathaus zum Dorfplatz, einmal rundherum, dann zum ehemaligen Gasthof Poisental, weiter Richtung Stadtgrenze und auf der anderen Seite die Poisentalstraße zurück. Markiert ist die Strecke mit dem alten Niederhäslicher Siegel auf grünem Untergrund.

Nicht nur Bauern lebten in Niederhäslich. An der Poisentalstraße siedelten Bergleute und Handwerker, dazwischen entstanden auch Bürgerhäuser und zu DDR-Zeiten dann die Stahlarbeitersiedlung auf dem Raschelberg.

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Heute ist Niederhäslich vor allem ein weitläufiges Wohngebiet. Geschäfte und Gasthöfe gibt es kaum noch, von ehemals sechs Bäckereien existiert nur noch der Handwerksbetrieb der Familie Langholtz an der Poisentalstraße.

Und das Rathaus ist auch längst kein Rathaus mehr. Seine Funktion verlor es bereits 1915, als Niederhäslich nach Deuben eingemeindet wurde. Seitdem dient es vor allem als Wohngebäude.

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