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"Der Empfang in Freital war phänomenal"

Die acht Abenteurer mit ihren Oldtimern sind von der Tour nach Venedig zurück. Was Mitorganisator Marco Krauß in den Alpen erlebte.

Marco Krauß aus Freital mit seinem Oldtimer-Motorrad, mit dem er über die Alpen fuhr.
Marco Krauß aus Freital mit seinem Oldtimer-Motorrad, mit dem er über die Alpen fuhr. © Foto: Egbert Kamprath

Es war das Abenteuer, wie es sich die acht Freunde vom Freitaler Motorradstammtisch vorgestellt hatten. Sie fuhren mit ihren fast 100 Jahre alten Maschinen über die Alpen nach Venedig und wieder zurück. Nach 2.850 Kilometern und einem Dutzend Reparaturen waren sie feierlich in Freital begrüßt worden. Saechsische.de sprach über die Tour mit Mitorganisator Marco Krauß aus Freital.

Herr Krauß, können Sie noch unbeschwert sitzen?

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Also, ich hatte tatsächlich ein Gel-Kissen auf der Tour eingepackt. Benutzt habe ich es aber nicht. Mein breiter Sitz war auch über längere Zeit bequem. Jedenfalls, bis er gebrochen ist. Ich weiß aber, dass es einige Mitfahrer gab, die sich zeitweise ein Gel-Kissen untergeschoben haben. Wenn, dann gab es eher Nackenbeschwerden, weil die Sitzposition vermutlich nicht sehr ergonomisch war.

Wie konnten Sie ohne Sattel weiterfahren?

Das Teil hat sich so verkantet, dass ich es noch bis zur nächsten Werkstatt an einer Tankstelle geschafft habe. Da waren wir schon kurz vorm Gardasee. Als ich dem Mann dort, so gut es eben mit Händen und Füßen ging, erklärt habe, worum es geht und warum ich mit meiner Standard Baujahr 1928 hier unterwegs bin, hat er nur geschmunzelt und mir sofort geholfen. Das Bruchstück hat er geschweißt, dann ging es für mich weiter.

Wenn man Ihre Berichte von der Fahrt gelesen hat, war das wie ein ausgedehnter Reparaturbericht von der Zündkerze bis zum Motorwechsel. Kam da nicht manchmal Frust auf die alten Maschinen auf?

Tatsächlich musste in den zweieinhalb Wochen nur an einer einzigen Maschine nichts repariert oder ausgetauscht werden. Von der kaputten Glühbirne am Rücklicht bis zum kompletten Motorwechsel war alles dabei. Letzteres war ausgerechnet am Geburtstag des Fahrers und Besitzers. Der Zusammenhalt der Truppe war aber ein Geschenk. Wir haben die Maschine kurz vor Ende der Etappe ins Begleitfahrzeug geladen. Einen Ersatzmotor hatten wir dabei und den noch am selben Abend eingebaut. Da kommt kein Frust auf, sondern eher Stolz, das alles bewältigt zu haben.

Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg begrüßt die Venedigfahrer, darunter Marco Krauß (l.) auf Schloss Burgk. Dazu kam der OB selbst mit einem Motorrad jüngeren Baujahrs.
Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg begrüßt die Venedigfahrer, darunter Marco Krauß (l.) auf Schloss Burgk. Dazu kam der OB selbst mit einem Motorrad jüngeren Baujahrs. © Facebook/Gedenkfahrt

Dann gehörte wohl ein Kfz-Mechaniker zur Truppe?

Ja, klar. Unser Stefan Linke hat goldene Hände. Ohne ihn wäre es sicher anders gelaufen. Aber jeder im Team war am Ende wichtig. Robert Hambsch hatte zum Beispiel bei jedem Problem gleich die richtige Diagnose. Das war schon fast hellseherisch, weil nicht alle Fehler gleich offensichtlich waren.

Sie sind die gleiche Strecke gefahren, wie es eine Gruppe aus Freital 1929 getan hat. Können Sie nachempfinden, wie schwer das damals war? Oder um wie vieles leichter das heute ist?

Damals gab es wesentlich mehr platte Reifen. Da lagen oft Hufnägel von Pferden auf dem Weg. Asphaltierte Straßen wie heute gab es im Gebirge auch nicht. Handschuhe oder Regenkleidung gab es damals nicht in der Form wie heute. Eines war aber damals besser: Es gab in viel mehr Werkstätten passende Ersatzteile, weil damals ja viel mehr dieser Motorräder unterwegs waren.

Apropos Wetter: Haben Sie das nicht mal verflucht?

Wir hatten wohl alles, was man so erleben kann. Zwar sind wir noch relativ trocken in Freital weggekommen. An den ersten drei Tagen hat es aber ausgiebig geregnet. Sogar ein Gewitter hatten wir dabei. Das schlägt dann irgendwann schon aufs Gemüt, weil wir ja im Plan bleiben und fahren mussten. Auf dem höchsten Pass am Stilfser Joch erwischte uns sogar ein Schauer mit Schneegraupel. Am Bodensee gab es im Nebel kaum noch Fernsicht. Dann hatten wir aber auch herrlichsten Sonnenschein und grandiose Aussichten.

Wie haben die Passanten auf Ihre Kolonne reagiert?

Zu 99 Prozent positiv. Überall wurden wir mit Fragen bombardiert. Die Leute haben uns zugewinkt und gegrüßt. Bei Pausen haben uns viele angesprochen. Da habe ich gestaunt, dass einige Freital schon kannten oder von der Stadt gehört hatten. Alle anderen wissen jetzt, wo Freital liegt. Und wenn wir für jedes Foto, das Leute von uns gemacht haben, einen Euro verlangt hätten, hätten wir so sicher die Kosten für die Reise wieder reingeholt. Nur in Venedig war es schwierig. Wir hatten alles versucht, um mit unseren Motorrädern irgendwie für ein Foto in die Stadt zu kommen. Doch alle Anträge wurden abgelehnt. Auch die Politessen waren absolut unnachgiebig.

Was war für Sie der schönste Moment?

Als wir alle zusammen am höchsten Punkt, dem Alpen-Pass am Stilfser Joch auf rund 2.700 Meter Höhe, angekommen waren. Bis zuletzt war unklar, ob wir eine andere Route nehmen müssen. Wäre das Wetter zu schlecht gewesen, wären wir kein Risiko eingegangen. Das war die schwierigste Stelle und wir haben sie alle gemeistert! Da hatte ich echt Gänsehaut. Schön war auch der Empfang am Ende auf Schloss Burgk. Ein bisschen hatte ich mit ja vorher ausgemalt, wie es werden würde. Aber es war viel viel schöner. Wie viele Leute da waren und wie wir auf der Bühne mit Kränzen, vom Moderator, vom Oberbürgermeister und der Stadt empfangen wurden - das war phänomenal!

Wird es noch mal einen Bericht von Ihnen zur Tour geben?

Viele haben ja drei Wochen Urlaub für die Tour genommen. Nun sind wir schnell wieder im Alltag angekommen. Einen Reisebericht wollen wir aber schon noch mal geben und unsere Fotos zeigen. Konkret ist das aber noch nicht. Da halten wir es mit den Freitalern von 1929. Damals hieß es am Ende des Zeitungsartikels über sie: Zum gegebenen Zeitpunkt sollen Einzelheiten einem Lichtbildervortrag vorbehalten bleiben.

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