merken
PLUS Freital

Freitals Parkhaus-Projekt schrumpft zusammen

Weil Geld fehlt, wird das geplante Parkhaus am Bahnhof Potschappel doch nicht gebaut. Stattdessen gibt es neue Pläne - und Kritik wegen Geldverschwendung.

Statt des ursprünglich geplanten Parkhauses wird am Bahnhof Potschappel ein Parkplatz entstehen.
Statt des ursprünglich geplanten Parkhauses wird am Bahnhof Potschappel ein Parkplatz entstehen. © Karl-Ludwig Oberthür

Wer wochentags nahe des Potschappler Bahnhofes einen Parkplatz sucht, kann schon mal ins Schwitzen geraten. Ob hinter dem Rathaus, direkt vor dem Bahnhof oder auf der Stellfläche zwischen dem Haltepunkt und der Gutenbergstraße - die Autos stapeln sich mitunter.

Da kam vielen Pendlern, Besuchern des Bürgerbüros, Anwohnern und auch Mitarbeitern in den umliegenden Büros die Idee von einem Parkhaus gerade recht. Es sollte zwei Geschosse haben für insgesamt 77 Stellplätze, Fahrradständer sowie Ladesäulen für E-Autos und E-Bikes.

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Doch nun ist das Projekt ad acta gelegt. Es wird kein Parkhaus geben, heißt es aus dem Rathaus. Für das seit 2017 geplante Projekt, dass eigentlich schon 2020 umgesetzt werden sollte, sei kein Geld da.

Vier Jahre ohne Ergebnis geplant

Wie Oberbürgermeister Uwe Rumberg (Freitals Konservative Mitte) in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend ausführte, sei das Vorhaben bereits 2017 mit dem Verkehrsverbund Oberelbe besprochen wurden. Es ging damals vor allem um ein Angebot für Pendler. Rumberg: "Wir waren uns mit dem VVO und dem Fördermittelgeber einig. Daraufhin haben wir geplant."

2019 wurde der Fördermittelantrag gestellt, die Planungskosten beliefen sich auf 126.000 Euro. Da hatte die Stadt bereits das Grundstück von der Deutschen Bahn erworben und den Abriss des alten Potschappler Güterschuppen vorangetrieben.

Im August 2020 wird der alte Güterboden abgerissen, um Platz für das Parkhaus zu machen.
Im August 2020 wird der alte Güterboden abgerissen, um Platz für das Parkhaus zu machen. © Egbert Kamprath

Doch es kam anders als geplant, wie es in einer Beschlussvorlage an die Stadträte heißt: "Im Juni 2021 wurde seitens des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr der Hinweis gegeben, dass ein Parkdeck aufgrund der finanziellen Situation nicht gefördert werden kann."

Das lange Warten auf die Fördermittel war zwar ärgerlich, aber verschmerzbar. Was schwerer wiegt: Die Planungskosten sind umsonst ausgegeben worden. Ein Umstand, der vor allem Stadtrat Thomas Käfer (Freitals konservative Mitte) maßlos aufregte. "Das ist Verschwendung von Steuermitteln", schimpfte er.

Kritik am Fördersystem des Freistaates

Diesen Vorwurf wollte sich die Stadtverwaltung nicht so ohne Weiteres gefallen lassen. Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz erläuterte: "Eine Planung ist notwendig für einen Fördermittelantrag. Da müssen wir in Vorleistung gehen. Das betrifft jedes Bauvorhaben." Thomas Käfer blieb bei seiner Meinung: "Das ist doch nicht wirtschaftlich, was hier abgeht."

Klaus Wolfram, Vorsitzender der Mitte-Links-Fraktion, sprang der Stadtverwaltung bei. "Das Fördersystem ist krank. Wenn die Kommunen mehr Schlüsselzuweisungen bekommen würden, könnten sie auch selbst über ihr Geld verfügen und wirklich nur das planen, was dann auch gebaut wird."

Parkplatz statt Parkhaus

Ganz vom Tisch ist die Idee mit mehr Parkplätzen am Potschappler Bahnhof jedoch nicht. Denn nachdem im Juni das finanzielle Aus für das Parkhaus-Projekt gekommen ist, hat das städtische Bauamt einen Änderungsantrag gestellt. Nun soll an gleicher Stelle ein neuer P+R entstehen. P+R steht für Park und Ride, also Auto abstellen und umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel.

Der Parkplatz soll mit seinen 64 Stellplätzen nur unwesentlich weniger Stellfläche bieten als das einst vorgesehene Parkhaus. Zudem seien 13 verschließbare Fahrradmietboxen und neun Fahrradanlehnbügel vorgesehen, um dem wachsenden Anteil an Radfahrern gerecht zu werden, heißt es in der Beschlussvorlage weiter.

Zum Nutzungsbeginn sollen zwei PKW-Stellplätze und sechs Fahrradplätze mit einer Ladeinfrastruktur für Elektromobilität ausgestattet sein, die Anzahl derartiger Stellplätze ist erweiterbar. Es wird zwei Zufahrten von der Straße Am Bahnhof geben und eine weitere von der Gutenbergstraße. Außerdem soll die vorhandene Lärmschutzwand entlang der Bahntrasse um 95 Meter verlängert werden.

Stadt spart bei Baukosten und Betrieb

Und das Gute daran: Der Parkplatz ist im Bau deutlich günstiger als ein Parkhaus. Das war zuletzt mit rund 2,3 Millionen Euro Baukosten beziffert. Der Parkplatz kostet 1,6 Millionen Euro. Geld spart die Stadt auch beim Unterhalt der Anlagen. Das Parkhaus hätte jährliche Instandhaltungs- und Reinigungskosten von 20.000 Euro gehabt. Beim Parkplatz sind das einschließlich Winterdienst nur rund 3.500 Euro.

Weiterführende Artikel

Grünes Licht für neues Parkhaus

Grünes Licht für neues Parkhaus

Am Bahnhof Freital-Potschappel kann ab 2020 gebaut werden. Das Parkdeck kommt aber nicht nur Autofahrern zugute.

Für den Parkplatzbau hat die Stadt innerhalb weniger Wochen auch bereits das Fördergeld zugesagt bekommen, worauf sie für das Parkhaus Jahre gewartet hat: Am Donnerstag, nur wenige Stunden vor der Stadtratssitzung teilte das sächsische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit mit, das Projekt mit rund einer Millionen Euro zu unterstützen. Der Stadtrat hat dem Vorhaben mehrheitlich zugestimmt.

Mehr zum Thema Freital