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Freital: Pesterwitz feiert den Wein

Das Gelände rund um den alten Gutshof war an drei Tagen gut besucht. Im Vorfeld hatte der Kulturverein aber einige Hürden zu nehmen.

Zufrieden: Bettina Maahs (links) und Carina Reichelt ist es gelungen, trotz der Corona-Auflagen ein Weinfest in Pesterwitz zu veranstalten.
Zufrieden: Bettina Maahs (links) und Carina Reichelt ist es gelungen, trotz der Corona-Auflagen ein Weinfest in Pesterwitz zu veranstalten. © Karl-Ludwig Oberthür

Dicht gedrängt stehen die Gäste vor der Bühne. Dort zeigen die Schüler der 4a der Grundschule Pesterwitz das Bühnenstück vom Löwen, der nicht schreiben kann. Seine Premiere feierte es bereits zur Schuleinführung der ersten Klasse. Nun erfreuen die kleinen Künstler die Besucher des Pesterwitzer Weinfestes damit. Sabine Scholz, die das Stück zusammen mit Annett Parda einstudiert hat, ist zufrieden. Die Kleinen sind auch heute gut gelaunt.

Zu den Besuchern des Weinfestes gehörten auch Melanie Klot und Tilo Mager mit ihren Kindern Jonas und Elias aus Dresden. Sie waren zum ersten Mal da und waren begeistert.
Zu den Besuchern des Weinfestes gehörten auch Melanie Klot und Tilo Mager mit ihren Kindern Jonas und Elias aus Dresden. Sie waren zum ersten Mal da und waren begeistert. © Karl-Ludwig Oberthür

Auch sonst ist die Stimmung auf dem Areal des früheren Pesterwitzer Gutshofes ausgelassen. Viele Besucher sitzen im Bierzelt, andere schlendern von Stand zu Stand. Corona scheint kein Thema. Mit dem Einlass ist das offenbar abgehakt.

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Diesen Eindruck hat zumindest Bettina Maahs, die Vorsitzende des Kulturvereins Pesterwitz. Ihr 20-köpfiger Verein hat das Fest zusammen mit einer Reihe von Helfern organisiert - nach einer coronabedingten einjährigen Zwangspause. Es war eine Herausforderung, da es diesmal im Vorfeld mehr als in den Vorjahren zu tun gab, sagt Bettina Maahs.

Der Freitaler Tino Z. gab mit weiteren Künstlern anlässlich des 100. Stadtgeburtstages von Freital 100 Lieder zum Besten. Titel der Veranstaltung: "100 Jahre Freital - 100 Songs"
Der Freitaler Tino Z. gab mit weiteren Künstlern anlässlich des 100. Stadtgeburtstages von Freital 100 Lieder zum Besten. Titel der Veranstaltung: "100 Jahre Freital - 100 Songs" © Karl-Ludwig Oberthür

Um die Corona-Auflagen zu erfüllen, ist das Festgebiet abgesperrt worden. Der Zugang ist nur über zwei Eingänge möglich. Wer rein möchte, muss nachweisen, dass er geimpft, genesen oder getestet ist. Einer, der die Gäste um den Nachweis bittet, ist Bastian Schäfer. Freundlich weist er auf die Bestimmungen hin.

Es sind nur wenige, die nicht wissen, dass man nur unter Auflagen zum Weinfest kommt. "Ich schätze, es sind etwa zehn Prozent der Gäste, die sich aufregen oder nichts vorzuweisen haben", sagt der Dresdner, der über einen Bekannten zum Helferkreis des Kulturvereins gekommen ist.

Bastian Schäfer (links) kontrolliert, ob die Gaste - hier André Berndt - geimpft, genesen oder getestet sind. Wer diese Bedingungen erfüllt, darf aufs Festgelände.
Bastian Schäfer (links) kontrolliert, ob die Gaste - hier André Berndt - geimpft, genesen oder getestet sind. Wer diese Bedingungen erfüllt, darf aufs Festgelände. © Karl-Ludwig Oberthür

"Es kommen mehr Leute, die sich auf die Situation vorbereitet haben, als ich erwartet habe", gesteht er. Das Anmelden mit der Luca-App oder mit dem Zettel geht schnell. "Ich schätzte, zwei, drei Minuten braucht man dafür." Am Freitag dauerte es länger, am Sonnabend sind die meisten schon darauf vorbereitet. "Und das unabhängig vom Alter", sagt Bastian Schäfer.

Die Viertklässler der Grundschule Pesterwitz begeisterten die Besucher mit der Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte. Sie spielten auf der großen Bühne.
Die Viertklässler der Grundschule Pesterwitz begeisterten die Besucher mit der Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte. Sie spielten auf der großen Bühne. © Karl-Ludwig Oberthür

Vereinschefin Maahs ist zufrieden, dass sich so viele Besucher auf die neuen Bedingungen eingestellt haben und auch bereit sind, die fünf Euro Eintritt zu zahlen. Diesen verlangen die Pesterwitzer erstmals. "Nur dadurch ist es möglich, das Fest zu veranstalten", sagt sie. Denn die Absperrung, die Einlasskontrollen und die Schilder, die der Verein anbringen musste, kosten Geld.

Doch nicht nur das sei eine Herausforderung gewesen. In diesem Jahr sei es relativ schwierig gewesen, Weinhändler für das Fest zu finden, da viele im Vorfeld abgesagt hatten. Die Gründe: Krankheit, keine Zeit oder kein Personal. "Wir sind deshalb nach Weinböhla auf das Weinfest gefahren, haben dort gezielt Händler angesprochen und gefragt, ob sie noch frei sind. Und das hat funktioniert." So sei es gelungen, insgesamt neun Weinhändler für das Fest zu gewinnen.

Der Lohn der Mühe: Zum Auftakt am Freitag waren 1.800 Besucher gekommen. "Das war ein guter Start, das Wetter hat auch mitgespielt", sagt Bettina Maahs. "Wir hatten Sorge, dass die 3G-Regel und der Eintritt viele abschrecken könnte." Um auch denjenigen eine Chance zu geben, die die 3G-Regel am Eingang nicht erfüllen, konnte der Verein ein ortsansässiges Pflegeteam dafür gewinnen, das ganze Wochenende von früh bis abends Tests anzubieten. "Das wurde gut genutzt", sagt die Vereinschefin.

Steffen Parchmann hat schon viele Weinfeste in Pesterwitz mitgefeiert. Seine Riesenfleischspieße sind gefragt.
Steffen Parchmann hat schon viele Weinfeste in Pesterwitz mitgefeiert. Seine Riesenfleischspieße sind gefragt. © Karl-Ludwig Oberthür

Sonnabendnachmittag ist es auf dem Festgelände nicht ganz so voll. "Es liegt auch am Wetter", sagt Maahs und zeigt auf den bewölkten Himmel, aus dem es immer wieder mal leicht tröpfelt. Melanie Klot und Tilo Mager hat das nicht abgeschreckt. Die beiden Dresdner sind mit ihren Kindern Elias und Jonas nach Pesterwitz gekommen, um am Nachmittag beim Weinfest mitzufeiern. "Wir haben per Facebook davon erfahren und sind mit dem Bus hierher gekommen", sagt die junge Mutter. Das Fest gefällt ihnen. "Es ist schön gemacht, es ist auch für die Kinder etwas dabei", meint ihr Partner.

Überrascht habe ihn, dass das Festareal vergleichsweise klein ist und dass am früheren Nachmittag dort nur relativ wenige Besucher da sind. "Am Abend wird das sicher anders sein." Und so ist es auch. Während der Freitaler Sänger Tino Z. zum Auftakt der Musikmarathons "100 Songs für Freital" vor vergleichsweise wenigen Zuschauern singt, zieht die Bautzener Partyband Jolly Jumpers am Abend erwartungsgemäß hunderte Fans an. Das Areal vor der großen Bühne ist rappelvoll.

Trotz des wechselhaften Wetters sind am Sonnabend gut 2.200 Besucher nach Pesterwitz gekommen. Und auch am Sonntag hat es erneut viele dorthin gezogen. Vereinschefin Maahs rechnet mit 1.000 bis 1.500. Am Ende war sie froh, dass ihr Verein das Risiko eingegangen ist. Das diesjährige Weinfest sei sehr gut gelaufen. "Toll, dass die Pesterwitzer und ihre Freunde das Fest so gut angenommen haben."

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