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SOE: Wie es mit den Testzentren weitergeht

Um die 90 Testzentren gibt es im Landkreis. Lohnt sich bei so vielen Anbietern der Betrieb überhaupt, ohne zu schummeln?

Ornella Pia Chiarfaglia
hält im Testzentrum auf der Fuhrmannstraße einen negativen Test in der Hand. Er ist derzeit noch die Eintrittskarte für Gastronomie und Handel.
Ornella Pia Chiarfaglia hält im Testzentrum auf der Fuhrmannstraße einen negativen Test in der Hand. Er ist derzeit noch die Eintrittskarte für Gastronomie und Handel. © Egbert Kamprath

Im Testzentrum auf der Fuhrmannstraße ist es ruhig. Außer der Frau, die im Schutzanzug auf Menschen wartet, bei denen sie einen Abstrich nehmen kann, ist gerade nur Sandra Heidrich vor Ort. Als erst eine junge Frau und später ein älteres Ehepaar das Gebäude betreten, erklärt sie ihnen am Empfang den Ablauf vor Ort.

Mit gerade einmal 23 Jahren ist Heidrich, die eigentlich als Industriekauffrau arbeitet, alleine für das gesamte Testzentrum verantwortlich. Es befindet sich im Erdgeschoss eines Gebäudes, in dem früher eine Arztpraxis untergebracht war. Seit die umgezogen ist, steht die Immobilie eigentlich leer. Sie gehört der Geschäftsführerin der NiKaTo Verwaltung & Service GmbH, die auch das Testzentrum betreibt.

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"Finanziell hat sich das nicht gerechnet"

"Durch diese sind wir auch darauf aufmerksam geworden, dass es im April teilweise zu langen Wartezeiten in den Testzentren gekommen ist", sagt Heidrich. So sei ihre Chefin Nicole Tobias auf die Idee gekommen, selbst ein Testzentrum einzurichten. "Wir wollten so die anderen Testzentren entlasten. Außerdem steht uns dieses Gebäude zur Verfügung, das meiner Meinung nach die idealen Voraussetzungen bietet."

Aus diesem Grund stehe der finanzielle Nutzen des Testzentrums für das Unternehmen auch nicht im Vordergrund. "Wir können die Immobilie aber auch kostenlos nutzen", so Heidrich.

Anders sieht es im Testzentrum der Freizeiteinrichtung Oskarshausen aus. Das habe sich laut Marketingleiterin Theresa Tamme finanziell nicht wirklich gerechnet. "Es gab ja auch einige Startkosten, um ein geprüftes Testcenter mit allen Auflagen und geschultem Personal überhaupt eröffnen zu können", sagt sie.

Noch ist das Testzentrum in der Fuhrmannstraße geöffnet. Sandra Heidrich empfängt dort testwillige Bürger.
Noch ist das Testzentrum in der Fuhrmannstraße geöffnet. Sandra Heidrich empfängt dort testwillige Bürger. © Egbert Kamprath

Insgesamt gibt es im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge derzeit um die 90 Testzentren. Sie werden sowohl von privaten als auch von kommunalen und sozialen Trägern betrieben. Zwei Testzentren hat der Landkreis wegen mangelnder Hygiene und nicht näher erläuterter Umstände vom Netz genommen. Beide standen vor den Realmärkten in Heidenau und Bannewitz. Zuletzt wurden sogar Betrügereien bei Abrechnungen von Testzentren in Bayern oder Berlin bekannt. Nun wird genauer kontrolliert.

Bei der Anzahl der Tests zu schummeln, das ist zumindest in den Zentren in der Fuhrmannstraße und in Oskarshausen nur schwer möglich. Beide nutzen das vom Landkreis empfohlene System schnelltest.click. "Weil dort auch die Kontaktdaten hinterlegt werden, gehört zu jedem gemeldeten Test auch immer eine Person, die sich bei uns angemeldet hat", erklärt Sandra Heidrich.

Bringt Testpflicht-Wegfall neue Probleme?

Die anderen Testzentren im Landkreis werden bei ihrer Abrechnung laut dem Pirnaer Landrat Michael Geisler (CDU) ebenfalls kontrolliert. "Wir sind gewillt, Missbrauch entgegenzutreten", sagt er. Geisler rechnet aber auch damit, dass die privaten Testzentren ihren Betrieb bald aufgeben. Die Sache sei mit dem möglichen Wegfall der Testpflicht ab Montag nicht mehr lukrativ.

Bisher bringt die Testpflicht jedoch noch Freitaler zu Sandra Heidrich. "Gerade am Nachmittag kommen immer wieder ältere Damen, die mit dem Test zum Frisör oder zur Fußpflege möchten." Ansonsten ließen sich die Freitaler montags vor allem für die Arbeit testen. An Freitagen sei es besonders voll, weil die Bürger die Bescheinigungen für den Samstag nutzen möchten.

Im Oskarshausen ist man nicht traurig, wenn bald keine Tests mehr genommen werden müssen. "Wir hoffen sehr, dass die Lage sich deutlich entspannt und vielleicht auch die Testpflicht Stück für Stück entfällt", so Tamme. Bis dahin habe man das Testzentrum vor allem genutzt, um sich auf die neuen Gegebenheiten einzustimmen und die Mitarbeiter auf die Öffnung Mitte Juni vorzubereiten.

Ob in der Fuhrmannstraße auch weiter Abstriche genommen werden, wenn die Testpflicht fällt, ist noch unklar. "Darüber wollen wir am Freitag beraten", so Heidrich.

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Ab Freitag gibt es eine weitere Möglichkeit in Freital, sich auf Covid-19 testen zu lassen. Im Freizeitland hofft man, bald öffnen zu können.

Landrat Geisler denkt aber, dass auch im Sommer noch Testkapazitäten benötigt werden, zum Beispiel für die Besucher von Veranstaltungen. Gerade weil das dazu führt, dass viele Tests am Wochenende gemacht werden müssen, könnte es also schon zu Engpässen kommen, wenn alle privaten Anbieter nun ihre Zentren schließen.

Sollte es im Herbst aufgrund einer vierten Welle wieder eine Testpflicht geben, sei man jedoch bereit, wieder mit den Städten und Gemeinden den ersten Schritt zu machen, so der Landrat.

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