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Wie sicher ist es in Freital?

Fahrradklau, Büroeinbrüche, Graffiti - 2020 verschoben sich auch wegen Corona die Brennpunkte. Das sagt die aktuelle Kriminalitätsstatistik.

Die Polizei läuft Streife am Freitaler Busbahnhof und kontrolliert die Maskenpflicht - 2020 ein völlig neues Aufgabenfeld.
Die Polizei läuft Streife am Freitaler Busbahnhof und kontrolliert die Maskenpflicht - 2020 ein völlig neues Aufgabenfeld. © Egbert Kamprath

Es war einer jener Polizeiberichte, die für Freital so typisch im vergangenen Jahr waren. Aus einem Mehrfamilienhaus in Deuben wurde Anfang November ein Fahrrad gestohlen. Die Einbrecher hatten zuvor die Kellertür gewaltsam aufgebrochen. Neben dem Rad kamen auch ein paar Werkzeuge weg. Wert des Diebesgutes: Knapp 1.000 Euro.

Für Freitals Polizisten war es im vergangenen Jahr beinahe Tagesgeschäft, sich mit solchen Fällen zu befassen. "Im Vergleich zu 2019 haben wir mehr Einbrüche und Fahrraddiebstähle registriert", sagt Rico Sommerschuh, Leiter des Polizeireviers Freital-Dippoldiswalde.

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Vor ihm liegt die Kriminalstatistik 2020 - mit einigen bemerkenswerten Entwicklungen.

Schlechte Zeiten für Ladendiebe

So war das Corona-Jahr 2020 schlecht für Ladendiebe. Die Schließung der Geschäfte zunächst von März bis Mai und dann abermals im Dezember führte zu einem Rückgang der Anzeigen wegen Ladendiebstahls um 14 Prozent. Klar: Gelegenheit macht Diebe und die Gelegenheit war weniger vorhanden.

Ebenfalls positiv: Die Zahl der Körperverletzungen sank um 14 Prozent, ebenso wie die Zahl der Gewaltkriminalität, die gleich 30 Prozent unter der Zahl des Vorjahres lag.

Auch hier dürfte die Pandemie mit ihren Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen, geschlossenen Kneipen und Clubs eine Rolle gespielt haben. Revierleiter Sommerschuh hält sich mit derartigen Spekulationen allerdings zurück. "Das könnte eine Erklärung sein, es können aber auch noch andere Gründe eine Rolle spielen", sagt er.

Weniger Drogendelikte registriert

Wie sehr solche Zahlen auch von anderen Umständen abhängen können, zeigt ein Blick auf die Drogenstatistik. Die Rauschgiftkriminalität ging in Freital im Vergleich von 2019 zu 2020 um rund 15 Prozent zurück.

Wird weniger gedealt und konsumiert? Genau das könne man aus den Zahlen nicht schließen, erklärt Sommerschuh: "Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz entdeckt man vor allem bei Kontrollen, zum Beispiel bei Verkehrskontrollen. Wo weniger kontrolliert wird, wird weniger gefunden."

Das hieße aber nicht, dass die Polizei ihre Pflichten vernachlässigt habe. Vielmehr waren die Freitaler Einwohner aufgrund der Pandemie mit den Ausgangsbeschränkungen weniger mobil. Nachts waren die Straßen oft völlig verwaist. Demzufolge gab es weniger Anlässe für Kontrollen.

© SZ Grafik

Fahrräder sind begehrtes Diebesgut

Ein völlig anderes Delikt hat dagegen deutlich zugelegt, die Diebstähle. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 39 Einbrüche in Lager, Werkstätten, Büros. Das ist eine Steigerung um 130 Prozent. Offenbar witterten die Täter hier ein lukratives und sicheres Geschäft: Viele Firmengebäude waren im Lockdown tage- oder gar wochenlang verlassen.

Unerklärlicherweise nahmen auch die Wohnungseinbrüche um 35 Prozent zu. Und das, obwohl mutmaßlich mehr Menschen zu Hause waren, weil sie im Homeoffice oder in Quarantäne saßen, nicht verreisen konnten oder die Schulen und Kitas geschlossen hatten. Rico Sommerschuh hat für diese Entwicklung keine Erklärung.

Ebenfalls bei Kriminellen im Trend: Fahrradklau. Um 40 Prozent mehr Fälle im Vergleich zu 2019 landeten auf dem Tisch der Freitaler Revierpolizisten. Ganz typisch dabei ist der Einbruch in Keller, Fahrradboxen oder auch der Diebstahl aus Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern.

Vor allem werden hochwertige E-Bikes oder individualisierte Räder entwendet.

Tipps gegen Fahrradklau

Polizist Sommerschuh rät, es den Dieben so schwer wie möglich zu machen. "Je länger es dauert, ein Rad zu stehlen, desto eher sehen die Täter davon ab." Ein normales Kellerschloss zu knacken, sei leider für viele Täter kein Problem. "Aber wenn das Rad im Keller nochmals zusätzlich angeschlossen ist, dann wir es komplizierter."

Das gilt auch für abgestellte Räder im Außenbereich. "Schließen Sie ihr Rad nicht nur in sich an, sondern an einem festen Gegenstand, beispielsweise einem Geländer, einem Zaun, einem Fahrradständer."

Hochwertige Räder solle man nicht versuchen, mit einem Billigschloss zu sichern. Am besten ist sogar, zwei verschiedene Schlösser von verschiedenen Herstellern zu nutzen. "Ich weiß, das nervt. Aber es schreckt potenzielle Täter auch ab."

Pandemievorschriften sorgen für zusätzliche Arbeit

Im vergangenen Jahr tauchte auch ein zusätzliches Delikt in der Statistik auf. So wurden Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz als Straftat geahndet. 73 derartige Fälle wurden registriert, bevor derartige Vorfälle zu einer Ordnungswidrigkeit herabgestuft wurden.

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Das hat Auswirkungen auf die Bilanz. Insgesamt wurden 2020 in Freital 1.785 Straftaten erfasst. 2019 waren es 1.707 Straftaten, im Jahr davor 1.946 Fälle. "Denkt man sich die Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz mal weg, so ist die Kriminalität in Freital auf dem Vorjahresniveau und deutlich unter dem Wert von 2018", sagt Sommerschuh.

Die Aufklärungsquote lag bei übrigens bei 66 Prozent und damit über dem sächsischen Durchschnitt von rund 59 Prozent. Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen liegt bei 921 Personen, davon sind 15 Prozent nicht deutscher Herkunft.

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