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Hausbrand in Freital ist aufgeklärt

Eine Feuerwerksrakete führte zu dem Unglück. Die Verursacher sind ermittelt. Die ersten Mieter können zurück in ihre Wohnungen.

Am ehemaligen Kaufhaus in Potschappel haben nach dem Brand erste Sicherungsarbeiten begonnen.
Am ehemaligen Kaufhaus in Potschappel haben nach dem Brand erste Sicherungsarbeiten begonnen. © Egbert Kamprath

Rußgeschwärzte Balken, zersplitterte Fensterscheiben, abrutschende Dachziegel - dem ehemaligen Kaufhaus an der Ecke Dresdner Straße/Am Bahnhof in Freital sieht man auch vier Wochen nach dem Brand noch an, welches Inferno sich hier abgespielt haben muss. Am Abend des 7. November, kurz vor 21.30 Uhr abends ging hier der Dachstuhl der hinteren Gebäudehälfte in Flammen auf.

Warum, ist nun geklärt. Die Polizei ermittelte zwei Kinder, zehn und elf Jahre alt, die den Brand ausgelöst haben sollen. Das bestätigte inzwischen die Staatsanwaltschaft Dresden. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurde der Brand durch die unsachgemäße Verwendung von Pyrotechnik verursacht", erklärte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt. Da die Kinder noch nicht strafmündig seien, werde das Verfahren gegen sie eingestellt.

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Der Fall wird damit aber noch nicht zu den Akten gelegt, wie Schmidt weiter erklärte. "Die Ermittlungen, auch zu eventuell weiteren Tatverdächtigen, dauern an und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen." Wie groß der Sachschaden ist, ist noch immer nicht überschaubar. Die Staatsanwaltschaft geht von einer sechsstelligen Summe aus.

Am Abend des 7. November brach im Dachgeschoss des ehemaligen Kaufhauses in Potschappel ein Feuer aus. Alle Hausbewohner mussten evakuiert werden.
Am Abend des 7. November brach im Dachgeschoss des ehemaligen Kaufhauses in Potschappel ein Feuer aus. Alle Hausbewohner mussten evakuiert werden. © Roland Halkasch

Dach von Freitaler Haus droht einzustürzen

Schon am Tag nach dem Brand machten Gerüchte die Runde, wonach eventuell eine Silvesterrakete des verheerende Feuer ausgelöst haben könnte. An dem Abend waren schon Stunden vor dem Brand in Potschappel immer wieder Feuerwerkskörper gezündet worden. Auch die Polizei legte sich schnell auf Brandstiftung fest und bestätigte bereits vier Tage nach dem Unglück, vor allem auch in diese Richtung zu ermitteln.

Bei der Hausverwaltung will man jetzt nach vorne schauen und das Gebäude mit den mehr als 30 Wohnungen so schnell wie möglich wieder bewohnbar machen. Dabei hilft, dass die Feuerwehr einen Großteil des Hauses retten konnte. Die Kameraden verhinderten am Abend des 7. November, dass das Feuer sich über den gesamten Dachstuhl ausbreitete.

So wurde nur der Richtung Bahngelände zeigende Gebäudeteil massiv durch Feuer und Löschwasser beschädigt. Dort droht Einsturzgefahr des Dachstuhls und der Zwischendecken. Deshalb finden nun erste Räum- und Sicherungsarbeiten statt. "Das beschädigte Dach soll zurückgebaut und ein Notdach errichtet werden", erklärt Nancy Nisslmüller von der Geschäftsleitung der Löwen-Hausverwaltung, die das Gebäude im Auftrag des Eigentümers bewirtschaftet.

Wann eine Sanierung des hinteren Gebäudeteils beginnt, ist noch völlig offen. Zunächst müssen Pläne gemacht und ein Bauantrag bei der Stadt Freital gestellt werden. Nisslmüller: "Erst wenn wir die Genehmigung haben, können wir anfangen. Das wird sich einige Monate hinziehen. Unser Ziel ist natürlich, alles wieder so schnell wie möglich bewohnbar zu machen."

Erste Brandschäden behoben

Das kann vor allem im vorderen Bereich gelingen. Die Wohnungen, die in Richtung Dresdner Straße liegen, sind intakt. Sie mussten von den Bewohnern lediglich geräumt werden, weil Löschwasser, Ruß und penetranter Brandgeruch das Treppenhaus unpassierbar gemacht hatten. Zudem hatte die Feuerwehr alle Medien stillgelegt. Strom, Wasser, Heizung - alles war abgedreht.

Von Passanten weitgehend unbemerkt, fanden im Haus in den vergangenen Wochen bereits umfangreiche Reinigungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten statt. "Wir hatten Glück, dass wir eine sehr gute Brandsanierungsfirma beauftragen konnten. Die Männer haben sehr schnell gearbeitet. Das ist nicht immer selbstverständlich", berichtet Nisslmüller. Die Brandsanierer reinigten intensiv Treppenhaus und Gänge. Wohnungstüren wurden repariert und die Heizung wieder in Betrieb genommen.

So dürfen nun die ersten Mieter wieder zurückkehren. Zunächst wurden die Wohnungen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss bewohnbar gemacht. Als nächstes folgen noch vor Weihnachten auch die Wohnungen in der zweiten Etage. Nur die Mieter aus dem dritten Stockwerk müssen sich noch etwas gedulden. Sie können erst nach Weihnachten wieder einziehen.

Für Privateigentum zahlt nur die Hausratversicherung

Während sich die Schäden am Privateigentum dieser Mieter in Grenzen halten, stehen die Menschen, die in der vom Brand stark betroffenen Gebäudehälfte wohnten, teilweise vor dem Nichts. Nancy Nisslmüller will nicht detailliert darauf eingehen, deutet aber an, dass wohl nicht jeder Mieter über eine Hausratversicherung verfügt. "Nur diese übernimmt im Falle eines Brandes jedoch die Schadensregulierung für die Einrichtung", erklärt Nisslmüller.

Mancher Mieter habe sich hierbei wohl auf die Brandschutzversicherung des Vermieters verlassen. Nisslmüller: "Die springt nur bei Schäden an der Gebäudehülle ein." Möbel, Einrichtungsgegenstände, Unterhaltungselektronik, Bekleidung, Hausrat, Freizeitgeräte - also all das, was der Mieter beim Einzug mitbringt - müsse dagegen privat versichert werden.

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Wer keine Hausratversicherung abgeschlossen hatte, muss auf Spenden hoffen. Die Sammlung für die Betroffenen des Hausbrandes, von der Stadt organisiert, wurde inzwischen beendet. Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg informierte in der jüngsten Stadtratssitzung, dass 4.800 Euro eingegangen seien. "Diese werden wir zu gleichen Teilen an die am stärksten vom Brand betroffenen neun Familien ausreichen", sagte er.

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