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Neustart beim Potschappler Schülertreff

Der Verein Mundwerk zieht sich zurück, das Team vom Zauckeroder Oppelschacht übernimmt. Was wird anders?

Benjamin Drechsler (rechts) und Karsten Pietzsch sind normalerweise in Freital im Oppelschacht für die Jugendlichen da.
Benjamin Drechsler (rechts) und Karsten Pietzsch sind normalerweise in Freital im Oppelschacht für die Jugendlichen da. © Egbert Kamprath

Ruhig ist es in dem Haus geworden, wo sonst so viel Begängnis herrschte. Keine Kinder mehr, die nachmittags durch den Garten toben. Auch das orange-weißes Schild, welches auf den Schülertreff von Mundwerk an der Ecke Kantstraße/Turnerstraße in Freital-Potschappel hinwies, ist weg. Dass das Haus wie ausgestorben wirkt, liegt nicht nur an Corona.

Den Schülertreff, wie er 13 Jahre lang bestand - zunächst an der Gutenbergstraße und dann ab 2017 im alten Pfarramt an der Kantstraße - , gibt es so nicht mehr. "Bis Ende Februar räumen wir aus", bestätigt Beate Sommer vom Vorstand des Vereins.

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Anlauf für Kinder nach der Schule

Mundwerk hatte sich in Potschappel zu einer festen Adresse für Schüler gemausert, die in den Nachmittagsstunden nach Beschäftigung, Hilfe bei den Hausaufgaben, Freizeitangeboten oder einem warmen Mittagessen suchten. Nach Bedarf gab es Jungs- und Mädchenabende. Der Verein Mundwerk als Träger der freien Jugendhilfe mit seinen Sozialarbeitern nahm sich vor allem der jungen Oberschüler an.

Die Kinder ab Klasse fünf sollten einen Anlaufpunkt haben, wenn sie aus dem Hortalter herausgewachsen waren. Auch einige ältere Grundschüler kamen ins Mundwerk.

Der Treff war nicht nur an Schultagen offen. Mancher Sonnabend wurde im Kletterpark verbracht, in den Ferien veranstalteten die Sozialpädagogen von Mundwerk Ausflüge und organisierten Feriencamps.

Konzept und Finanzierung passen nicht mehr

Der Abschied fällt vielen nun schwer, aber er war aus Sicht des Vorstandes unvermeidlich. Hauptgrund ist, dass der Landkreis die Jugendarbeit für die Jahre 2021 bis 2024 komplett neu ausgeschrieben hatte. Mundwerk bewarb sich allerdings nicht. "Wir haben uns die Rahmenbedingungen angesehen. Diese können wir nicht für den Zeitraum sicherstellen", sagt Beate Sommer.

Weder inhaltlich noch finanziell konnte man die Forderungen des Landkreises erfüllen. So wollte der Landkreis längere Öffnungszeiten, der Treff in der Kantstraße sollte nun auch für junge Erwachsene Anlaufpunkt sein. "Da passt nicht alles zu unserem Konzept und unserem Budget", sagt Sommer. Auch personell hätte man eine solche Ausweitung des Angebots nicht abdecken können.

Doch die offene Kinder- und Jugendarbeit soll in Potschappel nicht untergehen. Der Bedarf ist rund um die Dresdner Straße, wo die Mieten günstig sind und das Einkommensniveau nicht allzu hoch ist, riesig. Das bestätigt Beate Sommer. "Potschappel braucht dringend Kinder- und Jugendarbeit jenseits von Schule und Schulhorten."

Keine Kopie des Oppelschachtes

Und so wird der Kinder- und Jugendhilfeverbund Freital (KJV) die Arbeit von Mundwerk fortsetzen. Der KJV betreibt auch den Treff am Oppelschacht. Die Mitarbeiter haben das Haus über Zauckerode hinaus zu einer beliebten Einrichtung gemacht. "Man kennt uns in Potschappel bereits", sagt Benjamin Drechsler.

Drechsler leitet ein Team von Sozialarbeitern und -pädagogen, die nun auch in Potschappel ausschwärmen. Erste Aufgabe ist es, Kontakt zu den Kinder und Jugendlichen zu knüpfen, Vertrauen aufzubauen und herauszufinden, was sie für Wünschen und Ideen hinsichtlich eines anderen Jugendhauses haben.

Denn fest steht bereits: Im Haus an der Kantstraße wird sich etwas verändern. "Wir wollen einiges anders machen als Mundwerk. Es wird kein reiner Schülertreff mehr sein", sagt Drechsler. Es gehe vielmehr um ein Kinder- und Jugendhaus mit verschiedenen Freizeitangeboten für verschiedene Altersgruppen - ähnlich wie im Oppelschacht. Ein Schülertreff kann ein Teil davon sein. "Wir wollen in Potschappel aber auch nicht eins zu eins den Oppelschacht kopieren."

Neustart als Kinder- und Jugendhaus am 1. März

Zumindest die Adresse soll bleiben. Das Haus gehört der Kirchgemeinde - noch. Neuer Eigentümer möchte die Stadt Freital werden. Das hatte der Stadtrat bereits Mitte vergangenen Jahres beschlossen. Rechtlich besiegelt ist der Kauf dem Vernehmen nach aber noch nicht.

Die Pläne, die die Stadt mit dem Gebäude hat, sind aber bereits bekannt. Das alte Pfarramt soll saniert und ins Gelände der benachbarten Lessingschule integriert werden. Die Stadt beabsichtigt, dort unter anderem weitere Unterrichtsräume zu schaffen. Auch der Jugendtreff soll bleiben. Freitals Sozialbürgermeister Peter Pfitzenreiter hatte auf Nachfrage im Stadtrat geantwortet, ein solcher Treff sei dort eine gute Ergänzung zum Schulstandort.

Tobias Schmieder, Geschäftsführer des KJV, bestätigte, man habe bereits erste Gespräche mit der Stadt geführt. "Man hat uns zu verstehen gegeben, dass wir in die Konzept- und Raumplanung einbezogen werden."

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Zuerst aber gehe es darum, einen guten Start hinzulegen. Am 1. März will man die jetzigen Schülertreffräume übernehmen, sich einrichten und den Jugendtreff langsam hochfahren.

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