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Freital sagt Seifenkisten-EM ab

Keine Planungssicherheit, kein Geld und keine Fahrer - die Pandemie erwischt nun auch das Spektakel am Somsdorfer Berg. Aber es gibt einen neuen Termin.

Beim Testlauf im April waren alle noch guter Dinge - nun ist die Seifenkisten-EM vorerst geplatzt.
Beim Testlauf im April waren alle noch guter Dinge - nun ist die Seifenkisten-EM vorerst geplatzt. © Egbert Kamprath

Es sollte einer der sportlichen Höhepunkte des Freitaler Sommers 2021 werden und nun das: Die 39. Europameisterschaft im Speed Down, so der Wettkampfname fürs Seifenkistenrennen, findet nicht statt. Zumindest nicht in diesem Jahr. "Wir müssen die EM leider verschieben", sagt Thomas Käfer, Cheforganisator vom Heimatverein G-Haus.

Am Wochenende habe es eine Sitzung des Europäischen Verbandes Speed Down-Verbandes FISD gegeben. "Wir haben entschieden, dass wir die EM in Freital nun im nächsten Jahr durchführen", berichtet Käfer. Eigentlich sollte das Spektakel 2022 in Italien stattfinden und im Jahr darauf in Tschechien. Nun rücken alle Gastgeber im Kalender einfach ein Jahr weiter.

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Freital wird demnach vom 29. bis 31. Juli 2022 Gastgeber der Europameisterschaft sein. Für Käfer ist das letztendlich ein akzeptabler Kompromiss. "Die möglichen Einschränkungen und Auflagen für die Durchführung einer solchen Veranstaltung sind derzeit nicht absehbar. Damit ist die Verschiebung die logische Schlussfolgerung.“ Natürlich sei Somsdorf als Austragungsort wieder gesetzt.

Mehrere Gründe für Verschiebung

Skeptiker hatten es wohl kommen sehen, dass die EM in Zeiten der Corona-Pandemie nicht durchführbar ist. Dass die Absage nun tatsächlich kommt, liegt nicht nur an den befürchteten Vorschriften und Einschränkungen. Thomas Käfer nennt weitere Gründe.

So habe der europäische Verband unter den rund 300 Lizenzfahrern kürzlich eine Umfrage durchgeführt. Nun gut die Hälfte antwortete überhaupt und von denen gaben nur 88 Speed Downer an, bei der EM mitmachen zu wollen. "Und davon waren 40 Leute aus Deutschland. Das ist für uns keine Europameisterschaft", sagt Käfer. Man habe mit 250 Startern vom gesamten Kontinent gerechnet - ein Erfahrungswert aus den vergangenen Jahren.

Dazu kommt, dass der Verein G-Haus aus Kleinnaundorf auch Finanzierungsprobleme hat. Man habe bisher nur etwa 40 Prozent der Kosten über Sponsorengelder einwerben können, sagt Käfer. Nicht absehbar war, wie viele zahlende Zuschauer letztendlich gekommen wären.

"Wir haben mit 3.000 bis 5.000 Gästen pro Tag gerechnet - unter normalen Bedingungen." Schreiben die Behörden wegen der Corona-Pandemie jedoch eine deutlich geringere Zahl an Gästen vor, fehlt es am Ende an den kostendeckenden Einnahmen. Das ist dem Verein zu unsicher.

Thomas Käfer ist der Leiter des Organisationsteams und selbst begeisterter Seifenkisten-Pilot.
Thomas Käfer ist der Leiter des Organisationsteams und selbst begeisterter Seifenkisten-Pilot. © SZ/Maik Brückner

Freital-Cup wird nächstes Jahr vergeben

Auch fehlen dem Organisationsteam bisher zahlreiche Helfer. Allein um alle Streckenposten über drei Tage zu besetzen, werden um die 100 Freiwillige gebraucht. Als Thomas Käfer und seine Leute vor einem Monat Testfahrten am Somsdorfer Berg ansetzten, um die Abläufe zu üben, kamen nur 18 Helfer zusammen. "Die Leute sind verunsichert und demotiviert."

Im Freitaler Rathaus ist man ebenfalls traurig über diese Entwicklung. Den Zuschlag für die Speed Down-EM war ein Coup des Kleinnaundorfer Vereins zum 100. Stadtgeburtstag. "Bedauerlich ist, dass dieses Seifenkistenrennen als ein Höhepunkt in unserem Festjahr fehlt. Trotz allem bin ich mir sicher, dass Freital auch 2022 ein guter Ausrichter für die Speed Down-EM sein wird", sagt Oberbürgermeister Uwe Rumberg dazu.

Bereits jetzt könne man mit Vorfreude auf ein tolles Ereignis blicken. Rumberg: "Es ist selbstverständlich, dass die Stadt Freital die Organisatoren dabei erneut nach Kräften unterstützt.“

Der Oberbürgermeister hatte extra auch einen Pokal gestiftet, der in einem separaten Wettbewerb vergeben werden sollte. Dieser 100-Jahre-Freital-Cup kann nun im kommenden Jahr gewonnen werden.

Die Piloten erreichen bis zu 50 Stundenkilometer.
Die Piloten erreichen bis zu 50 Stundenkilometer. © Egbert Kamprath

Somsdorfer Berg die ideale Rennstrecke

Der Verein G-Haus hatte das Seifenkistenrennen schon vor Jahren in der Stadt etabliert. Alljährlich gab es im Sommer eine große Veranstaltung, auch mit internationalen Preisträgern. Als "Hausberg" gilt der Abschnitt vom alten Bahnhof über die Friedensstraße und die Steigerstraße bis auf Höhe der ehemaligen Schule.

Für eine Europameisterschaft ist die Strecke mit ihren gut 750 Metern jedoch zu kurz. Deshalb fiel die Wahl auf den Somsdorfer Berg, der sich mit seinen zahlreichen Kurven und den zwei Kilometern Länge alle Anforderungen erfüllt.

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