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Freitals neue Mitte - das sagen die Stadträte

Gewünscht war ein lebendiges Zentrum zum Bummeln, Einkaufen, Verweilen. Nun legt der Investor einen Entwurf vor, über den nicht alle glücklich sind.

Schön grün, mitten im Zentrum aber keine Stadtmitte - was soll daraus werden? Darüber ist der Stadtrat noch uneins.
Schön grün, mitten im Zentrum aber keine Stadtmitte - was soll daraus werden? Darüber ist der Stadtrat noch uneins. © Egbert Kamprath

Als in der Stadtratssitzung Anfang Mai erstmals der Entwurf für eine Bebauung des Sächsischen Wolfs in Freital vorgelegt werden sollte, waren alle noch guter Dinge. Endlich sollte es einen Schritt nach vorn geben. Denn bereits vor zwei Jahren hatte der Investor, die HD Grundstück und Verwaltungs GmbH den Planentwurf angekündigt, seitdem aber nicht viel von sich hören lassen. Spannung war also garantiert.

Doch nun macht sich Ernüchterung breit - zumindest bei einigen Stadträten und quer durch die verschiedenen Fraktionen. "Der große Wurf ist es nicht", kommentiert Jutta Ebert von der CDU. Sie hätte sich ein „richtiges Stadtzentrum“ gewünscht mit Verweilangeboten und Anreizen zum Bummeln und Freizeitverbringen.

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Dem schließt sich die Grünen-Stadträtin Lydia Engelmann an. "Das ist wenig zukunftsorientiert und stadtplanerisch eine Katastrophe." Sie hätte sich eine andere Flächenaufteilung gewünscht.

AfD-Chef Torsten Heger geht mit dem Entwurf ebenfalls hart ins Gericht: "Das erscheint mir Projekten ähnlich, wie sie in den sechziger, siebziger Jahren in vielen Städten im Westen Deutschlands verwirklicht wurden und dort heute nicht mehr zu den größten Zierden der Innenstädte gehören." Er betont aber, dass sei seine persönliche Meinung und nicht unbedingt die der anderen AfD-Fraktionsmitglieder.

Pro und Contra zum Plan

Anders bewertet Martin Rülke von der Konservativen Mitte das Vorhaben: "Was den jetzigen Entwurf angeht, so gibt er weitestgehend das wieder, was den Stadträten als Konzept vom Investor vorgelegt worden ist und was bei der Abstimmung in der Freitaler Bevölkerung damals von den meisten als bestes Konzept bewertet wurde."

Auch Lars Tschirner (Bürger für Freital) findet das Konzept und die Mischung aus Einzelhandel, Gewerbe, Büros, Gastronomie stimmig. Das Thema Wohnen werde vor allem auf der anderen Weißeritzseite umgesetzt. "Das Stadtzentrum ist ja ohnehin nur ein Puzzleteil der zukünftigen Innenstadtgestaltung, zu der auch noch das Lederfabrik-Gelände zählt."

Ebenso sieht das Tschirners Fraktions-Kollege Alexander Frenzel. "Die Flächenverteilung halte ich für sinnvoll, der angedachte Stadtplatz wird zukünftig durch Cafés, Restaurants und die Brückenverbindung zum geplanten Wohngebiet belebt", sagt Frenzel.

Klaus Wolframm, Vorsitzender der Mitte-Links-Fraktion lobt das Konzept ebenfalls. "Für das, was sich Freital leisten kann, haben wir einiges herausgeholt." Man müsse auch mal zurückblicken, was dort vorher stand. "Wir schaffen Einkaufsmöglichkeiten, Wohnmöglichkeiten, Arbeitsplätze. Was will man mehr?"

Investor plant Einkaufszentrum

AfD-Mann Heger dagegen spricht von einem "gigantischen Einkaufszentrum", welches im schlimmsten Fall dem Weißeritzpark schaden könnte.

Vorgesehen ist, an der Dresdner Straße/Poisentalstraße einen großen Gebäudekomplex zu errichten. Zur Geländemitte wird er als Erdgeschossbebauung gestaltet, entlang der beiden Straßen mit zusätzlichen Etagen für Büros, Praxen und auch Wohnungen. Im Erdgeschoss soll großflächiger Einzelhandel einziehen, so unter anderem ein moderner, hochwertiger Lebensmittelmarkt und ein Drogeriediscounter.

Dazu kommt ein zweiter Block im hinteren Bereich des Geländes. Dort sollen kleinere Läden, Gastronomie, weitere Büros und vielleicht auch ein Kindergarten unterkommen. Der Herzenswunsch vieler Freitaler, ein Markt- oder Stadtplatz mit Brunnen, viel Grün und Bänken zum Verweilen, Flanieren und Bummeln entsteht zwischen den beiden Bauwerken nahe der Weißeritz.

Über die Weißeritz wird eine Brücke zum jetzigen Becker-Gelände geschlagen. Das Recyclingunternehmen zieht bald um, anschließend entsteht auf der Becker-Fläche ein neues Wohngebiet - ebenfalls von HD errichtet. Zudem bekommt das Stadtzentrum einen großen Parkplatz mit Zufahrten von der Leskestraße und der Dresdner Straße.

© SZ Grafik

Größe des Parkplatzes ist umstritten

Vor allem der Parkplatz erregt die Gemüter. "Unattraktiv", sagt Lydia Engelmann und meint damit nicht nur die Optik. Sie befürchtet, dass sich die Fläche in heißen Sommern extrem aufwärmt und das gesamte Areal darunter leidet. Man müsse zwischen den Gebäuden viel mehr Grünfläche schaffen, mit schattenspendenden Bäumen, Büschen und Blühstreifen für Insekten. Auch die Dächer könnte man begrünen.

AfD-Mann Heger sieht den Parkplatz ebenfalls kritisch. "Die Erreichbarkeit des Zentrums muss statt durch Parkplätze durch moderne Verkehrskonzepte gewährleistet werden. Zudem sieht Heger ein großes Verkehrsproblem auf das Zentrum zukommen. Herein- und herausfahrende Pkw, davon viele als Linksabbieger, würden den Verkehrsfluss auf der Dresdener Straße behindern. "Dies bedeutet meiner Meinung nach einen Verkehrsinfarkt in den Stoßzeiten."

Es sei doch aber so, hält Klaus Wolframm dem entgegen, dass nun mal viele Menschen mit dem Auto fahren wollen und Freital auch weitläufig ist. "Es kommt doch aus Weißig keiner mit dem Bus zum Einkaufen." Zudem gebe es Bauvorschriften, in denen die Anzahl von Parkplätzen vorgegeben sei.

Vorschlag für Tiefgarage

Frank Gliemann (Freie Wähler) will das Parkplatzangebot ebenfalls nicht verdammen, aber empfindet die dafür vorgesehene Fläche nicht optimal. "Man sollte über eine Tiefgaragenlösung diskutieren und ebenerdig nur einige wenige Parkplätze, beispielsweise für Kurzzeitparker, einrichten", schlägt er vor. Dann wäre mehr Platz für Wege und Grünanlagen.

Lars Tschirner ist der Meinung, der Parkplatz werde gebraucht, um die Menschen anzulocken. Er wünscht sich aber, dass die Fläche flexibel genutzt werden kann, beispielsweise für Veranstaltungen und Märkte - ähnlich wie jetzt der Neumarkt.

Auch Martin Rülke befürwortet den Parkplatz. "Er wirkt im ersten Moment sicherlich sehr groß, aber er ist aus unserer Sicht auch notwendig, um den Besuchern des Zentrums genügend Stellplätze bieten zu können."

Noch kein Termin für Auslegung

Es dürfte noch längst nicht das Ende der Diskussion gewesen sein. Der Entwurf wird demnächst öffentlich ausgelegt. Dann können alle Freitaler sich dazu schriftlich äußern. Laut Stadtverwaltung stehe dafür noch kein Termin fest, vorgesehen sei aber ein vierwöchiger Zeitraum im Juni/Juli.

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Stadtrat Tschirner wünscht sich, dass viele Freitaler sich das Papier anschauen und ihre Hinweise, Wünsche und Anregungen einreichen. "Am besten wäre es, wenn der Investor mal nach Freital kommt und in einer öffentlichen Veranstaltung sein Projekt erläutert." Das allerdings dürfte angesichts der Pandemie-Lage schwierig werden.

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