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"Ein Richtfest in zwei bis drei Jahren wäre schön"

Von "stadtplanerische Katastrophe" bis "annehmbar": Die Meinungen zum geplanten Zentrum in Freital gehen auseinander. Was sagt der Oberbürgermeister dazu?

Oberbürgermeister Uwe Rumberg verteidigt die Pläne zum Stadtzentrum.
Oberbürgermeister Uwe Rumberg verteidigt die Pläne zum Stadtzentrum. © Andreas Weihs

Freital soll ein richtiges Zentrum bekommen. Dafür wird die Fläche zwischen Dresdner Straße und Poisentalstraße - auch Sächsischer Wolf genannt - bebaut. Kürzlich legte der Investor, die HD Grundstück und Verwaltungs GmbH, dafür den Entwurf eines Bebauungsplanes vor.

Darauf zu sehen: ein großer Block entlang der Dresdner und der Poisentalstraße, ein weiterer Block im hinteren Bereich, dazwischen ein großer Parkplatz, einige Grünstreifen. Es sollen Geschäfte, Gaststätten, Büros und auch Wohnungen entstehen. Ist das nun modern, ansprechend, mit eigenem Charakter? Oder ist das ein austauschbares Einkaufszentrum, wie es überall in deutschen Städten stehen könnte?

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Freitals Oberbürgermeister erklärt im Interview, warum das für Freital ein gutes Angebot ist und wie sich der Komplex in die Stadtmitte einfügen soll.

Herr Rumberg, die Meinungen zum geplanten Stadtzentrum gehen stark auseinander. Was halten Sie von dem Plan?

Mir gefällt der Entwurf gut. Und man muss doch mal realistisch sein: Einer 40.000-Einwohner-Stadt im Großraum Dresden laufen die Investoren nicht gerade hinterher. Deshalb sind wir nicht in der Position, in der wir dem Investor noch viel mehr als den im B-Plan-Entwurf festgeschriebenen stadtplanerischen Rahmen ins Buch schreiben können. Der Investor muss auch wirtschaftlich denken, muss abwägen, wie und womit er das investierte Geld zurückverdienen kann.

Trotzdem: Man hat immer von einem Stadtzentrum gesprochen, nun bekommt man ein Einkaufszentrum. Manche Freitaler sind davon etwas enttäuscht. Können Sie das nachvollziehen?

Man sollte das große Ganze sehen. Schauen wir uns den Stadtplan genauer an. Da ist das Technologie- und Gründerzentrum, daneben das City-Center, dahinter der Busbahnhof. Dann ist da der Neumarkt, dahinter die weitläufige Grünanlage Windbergpark. An der Leßkestraße will die stadteigene Wohnungsgesellschaft einen Neubau errichten, dann kommt die Stadtmitte mit dem Sächsischen Wolf. Auf der anderen Seite der Weißeritz, wo sich jetzt noch die Becker Umweltdienste befinden, entsteht ein neues Wohngebiet mit größeren Stadthäusern. Und dann wäre noch das Gelände Lederfabrik mit dem Mühlenpark, später einmal mit einem Bürobau und dahinter das Mühlenviertel. Das alles insgesamt ist unser Stadtzentrum. Ein großes Gebiet, in dem fußläufig alles erreichbar ist. Wo findet man alles so konzentriert?

Mit anderen Worten: Die jetzt diskutierte Bebauung am Sächsischen Wolf ist nur ein Puzzleteil davon?

Genau. Es ist ein Teil. Der Einkaufs- und Gastronomiebereich sozusagen. Dazu kommen Büros, Praxen, Dienstleistungen und vielleicht auch ein neuer Kindergarten. Daran arbeiten wir gemeinsam mit dem Investor. Wer sich in die Ladengeschäfte einmietet, wird man sehen. Es werden einige große, bekannte Händler darunter sein.

Es heißt, Edeka und DM wollen nach Freital kommen.

Das will ich nicht weiter kommentieren. Es ist Sache des Investors, dies öffentlich zu machen.

Aber muss man so sichtbar und mitten im Zentrum einen großen Parkplatz anlegen?

Der Investor muss eine bestimmte Anzahl an Parkplätzen nachweisen. Sonst wird das Ganze überhaupt nicht genehmigt. Und die Leute möchten doch alles immer schnell mit dem Auto erreichen. Diese Parkplätze werden also gebraucht, sonst funktioniert das Konzept nicht, weil dort zu wenige Menschen hinkommen.

Man könnte die Parkplätze doch unter die Erde verlegen. Ist das im Gespräch oder könnte man das dem Investor noch vorschlagen?

Parkplätze unter die Erde zu verlegen ist auch eine Kostenfrage. Ich möchte daran erinnern, dass es vor dem jetzigen Investor einen anderen gab, der den ersten Platz im Wettbewerb belegte und zunächst den Zuschlag vom Stadtrat erhalten hatte. Dieses Projekt hatte eine Tiefgarage im Plan. Aber dann war dem Investor die daraus entstehende Problematik mit den Altlasten im Boden zu teuer. Er wollte, dass die Stadt die Sanierungskosten übernimmt. So kam es zur Trennung und einer der anderen Favoriten im Wettbewerb ist nun – per Stadtratsbeschluss besiegelt – unser Partner. Er bietet hier mit dem Parkplatz eine andere, aber damit machbare und finanzierbare Lösung an. Das Konzept sah von Anfang an diesen ebenerdigen Parkplatz vor. Insofern bin ich durchaus verwundert, wie sich manche Stadträte jetzt dazu abwertend äußern.

Kommen wir noch mal auf den geplanten Einzelhandel zurück. Könnte nicht eine Konzentration an der Stelle dem Weißeritzpark schaden?

Das glaube ich nicht. Warum? Es gab vor gar nicht allzu langer Zeit eine Untersuchung der Industrie- und Handelskammer. Freital hat demnach eine gute Kaufkraft im Landkreisvergleich. Die Freitaler verdienen also nicht schlecht und können durchaus Geld ausgeben. Sie geben auch Geld aus, aber weniger in der Stadt selbst, sondern unter anderem in Dresden oder im Internet. Die Kaufkraft fließt also ab, weil es anderswo attraktivere Einkaufsmöglichkeiten gibt. Dem kann mit der Bebauung am Sächsischen Wolf etwas entgegengesetzt werden. Ich sehe das eher als eine gute Ergänzung zum Weißeritzpark.

Was wünschen Sie sich für das Stadtzentrum?

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Wir haben jetzt den Entwurf des Bebauungsplans vorliegen. Als Nächstes folgt die öffentliche Auslegung. Kommen dort keine erheblichen Einwände und Bedenken, die große Umplanungen erforderlich machen, könnte noch vor Jahresfrist der Bebauungsplan mit Satzung vom Stadtrat beschlossen werden. Ich wünsche mir für den Investor und uns als Stadt einen zügigen Bauverlauf. Es wäre schön, wenn wir in zwei bis drei Jahren tatsächlich Richtfest oder eine teilweise Fertigstellung feiern könnten.

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