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Erzieher aus Überzeugung

Jacob Sendner leitet seit zwei Jahren die Kita Regenbogen in Freital. Für ihn gibt es keinen schöneren Beruf - davon will er auch andere überzeugen.

Jacob Sendner leitet in Freital die Kita Regenbogen und wirbt beim Tag des Erziehers für seinen Beruf.
Jacob Sendner leitet in Freital die Kita Regenbogen und wirbt beim Tag des Erziehers für seinen Beruf. © Annett Heyse

Endlich wieder Alltag. Die meisten der gut 170 Knirpse sind zurück in der Kita Regenbogen an der Rabenauer Straße in Freital. Endlich können sie wieder miteinander spielen, toben, lachen. Zum Mittag gab es Hühnerfrikassee, jetzt liegen sie in den Betten. Zeit für Jacob Sendner, mal zu erklären, wie er Kita-Erzieher wurde, was der Beruf für ihn bedeutet und weshalb er sich in Freital sehr wohl fühlt.

Sendner ist so etwas wie ein Vorzeige-Pädagoge. Jung, dynamisch, voller Hingabe. Wenn er über seine Arbeit spricht, dann mit einem Leuchten in den Augen. "Ich könnte keinen Beruf nur zum Geldverdienen machen. Kita - das ist genau das, was mir Spaß macht und mir etwas bedeutet."

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Solche Leute werden in Freital gebraucht. Die Stadt mit ihren 13 Krippen, Kindergärten und Schulhorten wirbt permanent mit offenen Stellen. Vor Monaten war das Personalproblem so groß, dass dringend benötigte Kita-Gruppen nicht gebildet werden konnten, weil es an Erziehern fehlte. Die Lage habe sich zwar etwas entspannt, heißt es aus dem Rathaus. Doch gesucht wird weiter, auch, weil langjährige Angestellte in die Rente wechseln.

Schlüsselerlebnis beim Ferienjob

Um neue Mitarbeiter und künftige Erzieher zu finden, veranstaltet die Stadt am Sonnabend zum dritten Mal den Tag des Erziehers, eine Mischung aus Berufsberatung und Jobbörse. Auch Kitaleiter Sendner wird mit dabei sein, um Interessenten eine Stelle in einer Freitaler Kita schmackhaft zu machen.

Zum Kindergärtner, immer noch ein frauendominierter Beruf, fühlte er sich früh berufen. Aufgewachsen ist er in einer Patchwork-Familie mit mehreren Halbgeschwistern und drei Pflegeschwestern. Seine Mutti, berichtet Jacob Sendner, sei ebenfalls Erzieherin. Sie unterband ein ständiges Herumgammeln in den Sommerferien konsequent und verpflichtete ihren Sohn kurzerhand als Helfer. Der erste Ferienjob-Arbeitstag führte den damaligen Teenager mit einer Gruppe aufgeregter Vorschüler in den Zoo. Noch heute berichtet Jacob Sendner mit Freude über dieses Schlüsselerlebnis.

Deshalb stand für ihn schon während des Fachabiturs an der Best-Sabel-Schule in Freital fest, Kitaerzieher zu werden. Er studierte an der Berufsakademie Breitenbrunn Elementarpädagogik und fand anschließend eine Stelle an einem Dresdner Kindergarten. Fünf Jahre arbeitete er dort und bildete sich nebenher weiter. Im Sommer 2019 kam er nach Freital. "Ich war nie ganz weg", sagt er und berichtet, dass er bis 2018 an der Tanzschule Richter Mitglied war. Mit Freital verbanden ihn durch den Tanzsport immer noch zahlreiche Freundschaften und Beziehungen.

Jeder Tag ein neues Abenteuer

Als Kitaleiter ist der 29-Jährige nun für 23 Mitarbeiter und derzeit gut 170 Kinder verantwortlich. Was ist das Schöne an seinem Beruf? Jacob Sendner muss nicht lange überlegen. "Für ein Kind ist jeder Tag aufs Neue ein Tag der Entdeckungen und Erkundungen. So wie damals für mich der Ausflug in den Zoo. Die Kinder bei all ihren Abenteuern groß werden zu sehen und ein Lächeln zurückzubekommen, ist etwas Wunderbares." Das helfe ihm auch, den durchaus anstrengenden Teil des Berufes wegzustecken.

Als Kitaleiter muss er sich viel um die fachliche und organisatorische Arbeit im Regenbogen kümmern. Doch nachmittags, wenn die Büroarbeit erledigt ist, dann steht er auch mal mit auf dem Fußballplatz oder spielt mit den Kindern Verstecken. "Wir haben ein ganz tolles Gelände, einfach großartig", lobt er.

Auch auf seinen Arbeitgeber, die Stadt Freital, lässt Jacob Sendner nichts kommen. In der Vergangenheit musste die Freitaler Kita-Verwaltung viel Prügel einstecken. Zeitweise fehlten im vergangenen Jahr fast 300 Plätze. Das sorgte in der ohnehin angespannten Lage aufgrund der Corona-Pandemie für zusätzlichen Frust und Enttäuschung unter den Eltern.

Stadt tut viel fürs Personal

Stadtsprecher Matthias Weigel berichtet, die Verwaltung tue viel, um Kita-Personal zu gewinnen und zu halten. Der Tag des Erziehers sei da nur ein Puzzleteil. Jacob Sendner bestätigt dies. Es gebe gute Beziehungen zwischen dem Personal der einzelnen Einrichtungen, zwischen Berufseinsteigern und erfahrenen Erzieherinnen. Man sehe sich bei Arbeitstreffen und Weiterbildungen. Die Auszubildenden - zwei arbeiten in der Kita Regenbogen - haben einen eigenen Azubitag. Es gebe in einem festen Turnus Reflexionsgespräche. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Trotzdem muss man weiter werben. Es ist viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt und die Landeshauptstadt Dresden gleich um die Ecke. Das klingt für viele junge Leute schon vom Namen her attraktiver als Freital.

Jacob Sendner kann das locker widerlegen. In Freital, sagt er, sei er beruflich rundum glücklich. "Hier hat von Anfang an alles gepasst. Ich war ja zuvor nur für zwölf Kinder verantwortlich und plötzlich für eine große Kita einschließlich Personal. Aber ich bin da dank meiner Mitarbeiter und der Strukturen in Freital schnell reingewachsen."

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Tag des Erziehers am Sonnabend, 20. Februar, von 9 bis 13 Uhr. Aufgrund der Corona-Pandemie dieses Mal als digitales Format mit Vorstellung der Einrichtungen, Informationen zum Bewerbungsverfahren und Live-Schaltungen auf Radio Dresden. Bewerbungsgespräche werden direkt angeboten nach vorheriger Terminvereinbarung.

Mehr unter www.freital.de/Erziehertag

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