merken
PLUS Freital

Freital: Ärger über Wartezeiten an Deponie

Die Ein- und Ausfahrt mit nur einer Waage ist ein Nadelöhr. Der Betreiber ist ratlos, die Stadt hat immerhin eine Idee für die Zufahrtsstraße.

Das Nadelöhr an der Umladestation ist die Annahme mit Waage, die Fahrzeuge zweimal passieren müssen.
Das Nadelöhr an der Umladestation ist die Annahme mit Waage, die Fahrzeuge zweimal passieren müssen. © Egbert Kamprath

Es war kürzlich in der Stadtratssitzung, als sich Andreas Just (AfD) zu Wort meldete. Er erzählte, was er neulich an der Umladestation im Freitaler Saugrund erlebt habe: "Es stand eine lange Schlange und es ging kaum voran. Und ständig kamen Müllautos, die einfach an allen vorbeifuhren und sich ganz vorne einreihten."

Was Just beobachtete und was er auch immer wieder von Bürgern zu hören bekommt, ist ein altbekanntes Problem: Wer in Freital Grünschnitt, Sperrmüll oder Bauschutt loswerden möchte, ist gut beraten, etwas Zeit einzuplanen. Denn mitunter staut es sich an der Zufahrt der Umladestation gewaltig.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Das Problem kommt auch den Beamten aus dem Rathaus bekannt vor. "Uns erreichen dazu immer wieder Beschwerden", sagt Pressesprecher Matthias Weigel.

Alle Abfälle müssen deklariert werden

Besonders hoch ist das Staupotenzial im Frühjahr und im Herbst, wenn viele Bürger ihren Grünschnitt abgeben wollen. Just will aber das Problem nicht den Kleingärtnern in die Schuhe schieben. "Ich meine, die Annahme ist schlecht organisiert."

Tatsächlich wirkt das Prozedere am Saugrund für Außenstehende recht umständlich. Es gibt nur eine Zufahrt mit einer Waage für alle Arten von Abfällen und für alle Anlieferer. Privatleute, Handwerker, Müllentsorger - alle müssen durch das Nadelöhr an der Schachtstraße.

Was besonders aufhält: Alle Abfälle müssen an der Anmeldung deklariert werden. Je nach Art und Umfang der Abfälle müssen die Fahrzeuge dann auch noch gewogen werden - und zwar jeweils bei der Ein- und Ausfahrt. Das betrifft auch die großen Müllautos.

Zwei Minuten pro Fahrzeug auf der Waage

"Wir wissen um das Problem mit der Wartezeit", sagt Raimund Otteni, Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes Oberes Elbtal, der die Umladestation betreibt. Auch in Kleincotta bei Pirna gebe es solche Probleme. Viel zügiger laufe die Abfertigung hingegen an den Wertstoffhöfen in Dippoldiswalde und Altenberg.

Freital aber ist ein Sorgenkind - und das seit vielen Jahren. Man habe bereits alle Abläufe optimiert, um Zeit zu gewinnen, sagt Otteni. Aber ein Wiegevorgang dauere nun mal mindestens zwei Minuten.

Seit den strengen Corona-Schutzverordnungen ist das Problem an der Annahme noch prekärer geworden. Denn nun sind auch noch entsprechende Kontaktnachweise zu hinterlegen. Die gibt es im Internet zum Herunterladen, man kann sie bereits zu Hause ausfüllen.

Otteni: "Aber das wissen viele Bürger nicht und müssen hier die Formulare ausfüllen, was noch mehr aufhält."

An Wochenenden, wenn viele mit ihrem Grünschnitt ankommen, winkt man die Leute schon durch in Richtung Humuswerk. Der Grünschnitt wird pauschal nach Kubikmetern berechnet.

Die beste Lösung für all die Probleme an der Zufahrt wäre es, eine getrennte Ein- und Ausfahrt mit einer weiteren Waage zu bauen. Doch da sind dem Zweckverband die Hände gebunden. Otteni: "Dafür haben wir hier leider gar keinen Platz."

Eine Lösung wäre zu teuer geworden

Dabei war eine Lösung des Platzmangels schon greifbar. Als der gleich neben der Deponie befindliche Schlammteich IV vor einigen Jahren saniert wurde, wurden dort eine neue Zufahrt und Baustraßen angelegt. Sie liegen direkt neben der Zufahrt der Umladestation. Gerne hätte der Abfallzweckverband beides übernommen. "Dann hätten wir ein Einbahnstraßensystem mit getrennten Zu- und Ausfahrten anlegen können", sagt Otteni.

Selbst für eine zweite Waage wäre genügend Platz gewesen. Der Freistaat war bereit, dem Zweckverband die Straßen samt Zufahrt am Schlammteich IV zu überlassen. Das Projekt scheiterte aber an den finanziellen Forderungen des Landes Sachsen. Otteni: "Wir hätten das Geld nicht aufbringen können, was der Freistaat für die Anlagen haben wollte."

Und so staut es sich weiter an der Umladestation. Für Stadtrat Just ein Dilemma. "Kein Wunder, dass so mancher Müll illegal entsorgt wird, ich denke da nur an das Windberggebiet." Oberbürgermeister Uwe Rumberg (parteilos) hält dem entgegen, dies könne keine Entschuldigung für illegale Müllablagerungen sein.

Manche entsorgen Müll illegal

Fakt ist aber, dass die Stadt tatsächlich immer wieder Probleme mit illegalen Müllentsorgungen hat. Ausgediente Möbel, Bildschirme oder auch Farbeimer landen in Straßengräben, an den Containerplätzen und an Freitals Waldrändern.

Oft werden die Männer vom Bauhof losgeschickt, den Dreck einzusammeln, auch die Straßenmeisterei des Landkreises kümmert sich darum. Beziffern lasse sich der Schaden nicht, heißt es aus dem Rathaus.

In manchen Fällen kämpfte die Stadt lange gegen die unsichtbaren Müllentsorger. Der Containerstellplatz an der Südstraße war so ein Punkt, wo ständig Sperrmüll, Altkleider oder auch Autoreifen auftauchten. Die Stadt verlagerte schließlich den Standort und sperrte die Fläche ab.

Standspur an der Annahme geplant

Zurück zum Saugrund: Dort ist die Autoschlange mitunter so lang, dass die gesamte Zufahrtsstraße zugestellt ist. Das wiederum ärgert weitere Anlieger. "Beschwerden liegen uns ebenso von der betroffenen Firma Weishaupt und dem Edelstahlwerk vor, welche ihre Betriebsstätten aufgrund des Rückstaus nur eingeschränkt und risikobehaftet - mit Überholen trotz Gegenverkehrs - erreichen können", sagt der Pressesprecher.

Jörg Tiltmann von der Firma Umweltinstitut Ergo Dresden erkundet mit einer Bohrramme den Untergrund an der Zufahrtsstraße zum Saugrund. Hier soll eine Standspur entstehen.
Jörg Tiltmann von der Firma Umweltinstitut Ergo Dresden erkundet mit einer Bohrramme den Untergrund an der Zufahrtsstraße zum Saugrund. Hier soll eine Standspur entstehen. © Egbert Kamprath

Deshalb soll die Zufahrtsstraße zum Deponiegelände verbreitert werden. "Es soll eine dritte Spur in Richtung Deponie rechtsseitig eingerichtet werden, welche dann für die wartenden Pkws zur Verfügung steht", heißt es aus dem Rathaus dazu.

Weiterführende Artikel

Freital: Jetzt gibt es Tickets für Oberliga-Relegation

Freital: Jetzt gibt es Tickets für Oberliga-Relegation

Das Kontingent für den SC Freital ist auf 250 Fans beschränkt - dennoch ein sportliches Großereignis.

Stadt und Abfallzweckverband wollen sich in die Kosten teilen. Erste Planungsarbeiten dazu finden derzeit statt. An der Ursache für die Staus wird aber auch eine Standspur nichts ändern.

Die beste Lösung wäre, einen anderen Standort für die Umladestation innerhalb Freitals zu finden, sagt ZAOE-Chef Otteni: "Wir haben danach gesucht, aber nichts gefunden."

Mehr zum Thema Freital