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Freital: Vom Lehrling zum Gesellen

Für 26 Lehrlinge aus SOE endet die Tischlerausbildung mit ihrem Gesellenstück. Die müssen hohen Anforderungen erfüllen.

Johannes Böhme hat ein Bett für seine Eltern gebaut.
Johannes Böhme hat ein Bett für seine Eltern gebaut. © Egbert Kamprath

Im Freitaler Berufsschulzentrum „Otto Lilienthal“ (BSZ) stehen am Donnerstag 26 Gesellenstücke nebeneinander aufgereiht. Angefertigt worden sind sie von den Lehrlingen der Tischlerinnung Sächsische Schweiz Osterzgebirge. Sie alle hoffen, dass ihre Arbeiten den Anforderungen der Prüfer genügen werden. Sie werden die Gesellenstücke der Lehrlinge ganz genau begutachten, um einschätzen zu können, ob alle Prüfungsanforderungen erfüllt worden sind.

Zwischen Kommoden und Schränken finden sich auch immer wieder Türen und sogar ein Massivholzbett. Gebaut hat es Johannes Böhme aus Hermsdorf. "Meine Eltern haben sich ein Bett gewünscht. Deshalb habe ich ihnen eines angefertigt. Schließlich haben die mich 18 Jahre groß gezogen."

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In der Regel behalten die Lehrlinge ihre Gesellenstücke jedoch selbst. "Schließlich stecken da gut 100 Stunden Arbeit drin. Außerdem baut man so ein Gesellenstück ja auch nur ein Mal im Leben", sagt Rick Teich. Der Tischlerlehrling aus Neustadt hat sein Möbel deshalb extra so gestaltet, dass es in seine Wohnung passt.

Geheimfach im Nachttisch

Das Design des Gesellenstückes ist den Auszubildenden zwar selbst überlassen, allerdings müssen dabei einige Vorgaben eingehalten werden. Fachpraxislehrer Thomas Rögner erklärt: "Möbel beispielsweise müssen einen handgezinkten Schubkasten haben." Eine weitere Vorgabe sei das Einbauen eines Einsteckschlosses, um ein Fach oder eine Schublade verschließen zu können. Johannes Böhme hat diese Anforderung besonders kreativ umgesetzt. Hinter der Schublade im Nachttisch seines Bettes hat er ein abschließbares Geheimfach eingebaut.

Rick Teich von der Tischlerei Baumgart aus Neustadt hat ein Sideboard als Gesellenstück angefertigt.
Rick Teich von der Tischlerei Baumgart aus Neustadt hat ein Sideboard als Gesellenstück angefertigt. © Egbert Kamprath

Besonders knifflig war für den 19-jährigen Böhme aber nicht das Einbauen des Schlosses, sondern die Schwalbenschwanzzinken an den Ecken seines Bettes. Dafür werden einzelne Bauteile durch sehr genau gearbeitete Holzinken ohne Leim miteinander verzahnt. Die Zinken bleiben so sichtbar und sehen aus wie Schwalbenschwänze. "Ich wollte das unbedingt so machen, weil mir das optisch sehr gut gefällt. Außerdem machen solche Arbeiten für mich das Handwerk aus", sagt Johannes Böhme.

"Viele brennen für das Handwerk"

Der Beruf des Tischlers ist bei den jungen Menschen aus der Region derzeit sehr beliebt. Laut dem stellvertretenden Berufsschulleiter Christoph Weller gäbe es Betriebe, die auf zwei Ausbildungsstellen bis zu 80 Bewerbungen erhielten. Mädchen sind in den Berufsschulklassen der Tischler jedoch weiterhin in der Unterzahl. "Ungefähr fünf bis zehn Prozent sind weiblich. Gerade die Frauen tun der Gruppe aber gut", sagt Weller. Tischlermeister Rögner erklärt: "Viele unserer Lehrlinge brennen für das Handwerk." Das müssten sie auch, denn ein großzügiges Gehalt gäbe es in dem Beruf nicht. "Leider wird das Handwerk in unserer Gesellschaft nicht besonders wertgeschätzt", sagt Rögner.

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Viele der Lehrlinge bleiben nach ihrer Ausbildung als Gesellen in den Betrieben. So auch Rick Teich. "Ich bin froh, dass ich mich damals für die Ausbildung zum Tischler entschieden habe. Das ist wirklich ein top Beruf", findet der 21-Jährige.

Wer sich die Gesellenstücke der jungen Tischler ansehen will, der kann das am Samstag, dem 17. Juli von 10 Uhr bis 15 Uhr im Freitaler Berufsschulzentrum „Otto Lilienthal tun.

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