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Drei Preise für Freitaler Verpackungsspezialisten

Die Firma Watttron entwickelt und produziert digitale Heizsysteme für Verschlüsse. Trotz des Erfolges droht nun ein Abschied.

Von Bettina Klemm
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Zur Gründung war Marcus Stein der Jüngste in der Firma. Inzwischen gebe es einen guten Mix von erfahrenen Kollegen und jungen Absolventen.
Zur Gründung war Marcus Stein der Jüngste in der Firma. Inzwischen gebe es einen guten Mix von erfahrenen Kollegen und jungen Absolventen. © Egbert Kamprath

Die Augenringe verraten es zuweilen: Marcus Stein ist kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden. Im Privaten kann er Berufliches kaum ausblenden. Zu seinen „definierten“ Haushaltsaufgaben, wie er es selbst bezeichnet, gehört der Wocheneinkauf für die Familie. Mit dem Einkaufswagen komme er schon mal an dem Regal mit den Quetschies vorbei. Junge Eltern kaufen gern die weichen Beutelchen, die mit breiigem Obst oder Gemüse gefüllt sind. Die nuckeln kleine Kinder gern und verputzen so mühelos auch manches Gemüse.

Marcus Steins Blick richtet sich dabei immer auf den Verschluss der Beutelchen. Häufig werden dafür verschiedene Materialien genutzt. „Doch dann lassen sich die Folien nicht recyceln“, sagt der 32-Jährige. Stein, Kaufmännischer Geschäftsführer der Freitaler Watttron GmbH, und sein Team wollten das ändern. Sie haben neuartige Siegelwerkzeuge entwickelt, mit denen Mono-Kunststofffolien sowie biobasierte und recycelte Materialien verschlossen werden. Damit können Ressourcen geschont und Energie eingespart werden, Klimaschutz und Kosteneinsparung in einem.

Innovative Werkzeuge aus Freital

Digitale Heizsysteme zum punktgenauen Verschließen der Folienbeutel mit Schraubverschluss werden in die Verpackungsmaschinen integriert. „Wir rüsten im Auftrag großer Markeninhaber beispielsweise in den USA, Frankreich und Deutschland die Maschinen nach“, sagt Stein. Die Einsatzgebiete für diese Siegelsysteme sind vielfältig. Nicht nur Lebensmittel wie bei den Quetschies, sondern auch Kosmetik- und Drogerieartikel werden verstärkt in den Folienbeuteln angeboten. Die speziellen Werkzeuge aus Freital sind auch direkt für Maschinenhersteller in der Verpackungsindustrie interessant. Bis 2023 könnten sie Standard sein.

Watttron wurde für diese Entwicklung nun mit dem Nachhaltigkeitspreis, den Sustainability Award 2021, geehrt. Eine Jury aus Experten von Markeninhabern und Einzelhändlern sowie von Nachhaltigkeitsorganisationen und Hochschulen wählte sie unter 309 praktischen Bewerbern aus.

Preisgeld wird investiert

Das Jahr brachte für Watttron weitere Ehrungen. Als einziges Unternehmen Deutschlands hat es den „100+Accelerator 2021“ gewonnen. Die ausgewählten Start-ups erhalten darüber Unterstützung durch ein globales Spitzenunternehmen, Zugang zu Mentoren-Netzwerken und Startgeld für ein Pilotprojekt. Konkret bekommt Watttron Programme und Schulungen, um die Zusammenarbeit und das Wachstum zu beschleunigen.

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei: Am Montag erhielt Watttron auch noch vom sächsischen Ministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft den „eku Zukunftspreis“ in der Kategorie „Erfolg Unternehmen“. Watttron treibe Themen wie Nachhaltigkeit und Effizienz voran. Seine Siegelsysteme seien ein wichtiger Baustein für den Ausbau der Kreislaufwirtschaft, heißt es in der Begründung zur Preisverleihung.

Für Marcus Stein und sein Team ist das eine große Freude. Die Nachfragen unserer Kunden haben uns gezeigt, dass wir mit unseren digitalen Siegelsystemen einen echten Mehrwert und einen großen Beitrag zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der gesamten Verpackungsbranche bieten kann", sagt er. Mit dem Preisgeld von 10.000 Euro werde Watttron sowohl seinen Mitarbeitern danken, als auch die Systeme weiterentwickeln.

Expansion in die USA

Von dem schnellen Erfolg konnten Marcus Stein, Michaela Wachtel, Sascha und Ronald Claus von Nordheim nur träumen, als sie im Februar 2016 die Watttron GmbH gegründet haben – eine Ausgründung des Instituts für Naturstofftechnik der TU Dresden und des IVV Fraunhofer-Instituts.

Watttron ist inzwischen weltweit unterwegs. Im Sommer 2016 hatten sie ihren ersten Mitarbeiter eingestellt, Anfang 2020 waren es 25, inzwischen stehen die Namen von 62 Frauen und Männern auf den Gehaltslisten. Im April vergangenen Jahres hat Watttron erfahrene Investoren an Bord geholt. Mit dem Wagniskapital hatte das Unternehmen unter anderen die Expansion in die USA und den Aufbau einer Serienproduktion vorangetrieben. Durch das eingeworbene Kapital gelang es Watttron, Partner aus neuen Industriezweigen wie Biotechnologie, Chemie und 3D-Elektronik zu gewinnen.

In diesem Jahr hat das Unternehmen seinen Umsatz verdoppelt. Das rasante Wachstum soll sich fortsetzen. Watttron ist im Freitaler Technologiezentrum gestartet und fühle sich dort wohl, so Stein. Aber auf Dauer wird der Platz zu eng. „Wir suchen und sind dabei noch ergebnisoffen“, sagt der Geschäftsführer.

Zusätzliche Mitarbeiter gesucht

Gern kommen auch Studenten für Praktika in das innovative Unternehmen und werden nach Abschluss des Studiums oft übernommen. „Wir wollen ab 2022 auch Fachinformatiker und Elektrotechniker ausbilden“, kündigt Michaela Wachtel an. Im nächsten Jahr will das Unternehmen bis zu 30 weitere Mitarbeiter einstellen. Auch mit einem Podcast soll um Fachkräfte für das Unternehmen und den Standort Freital geworben werden.