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Freitaler Gymnasiastin füllt Zeitkapsel

Eine Zehntklässlerin will der Nachwelt etwas mehr als beschriebene Seiten hinterlassen und vergräbt eine Schatulle. Der Inhalt spiegelt das Jahr 2021 wider.

Tara Marie Gruber zeigt ein paar Gegenstände, die in die Zeitkapsel kommen.
Tara Marie Gruber zeigt ein paar Gegenstände, die in die Zeitkapsel kommen. © Egbert Kamprath

Das wird eng. Ein T-Shirt mit dem Logo der Schule soll mit hinein, Fotos in Postkartengröße, Münzen, ein gefilztes Stadtwappen und auch die Chronik des Weißeritzgymnasiums. Dann noch ein Datenstick und Euromünzen, eine Schachtel mit einem Corona-Schnelltest und eine Maske.

Tara Marie Gruber sitzt vor einem Modell des Behälters und demonstriert, dass es eigentlich passen müsste. Irgendwie. Etwas wegzulassen, kann sie sich nicht vorstellen. "Die Spendenliste muss auch noch rein", fällt ihr ein.

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Die Zehntklässlerin möchte auf dem Gelände des Weißeritzgymnasiums eine Zeitkapsel versenken. Schließlich wird Freital dieses Jahr 100 Jahre alt. Die Kapsel soll für die nachfolgenden Generationen im Boden ruhen und irgendwann, vielleicht in 100 Jahren, ausgegraben und geöffnet werden.

Freitals Mitte liegt an einem Hang

Die Idee mit der Zeitkapsel kam der Teenagerin, als sie über ihre Facharbeit nachdachte. Es ist eine Pflichtaufgabe für jeden Gymnasiasten, bei der eine umfangreiche Ausarbeitung über ein frei wählbares Thema angefertigt werden muss. Es gibt zwei Betreuer und Termin, bei dem die Arbeit verteidigt werden muss.

Tara Marie Gruber entschied sich für das Thema "Freitals Mittelpunkt". Ein Vermessungsbüro konnte auch genau den Punkt nennen, wo Freitals geografischer Mittelpunkt liegt. "Hinter dem Edelstahlwerk am Hang. Da sind Wasserbecken und dahinter im Wald ist der Mittelpunkt Freitals." Es gibt schönere Orte in der Stadt.

Deshalb überlegte Tara Marie Gruber, sich auf den politischen Mittelpunkt zu konzentrieren. "Aber es gibt zwei Rathäuser, Freital hat keine Mitte."

Schüler und Lehrer sammelten Geld

Also entschied sich die Schülerin, aus ihrem persönlichen Mittelpunkt etwas zu machen. "Das ist ganz klar die Schule. Hier verbringe ich meine Zeit, hier habe ich meine Freunde und meine Kontakte."

Und so kam die Idee, etwas an diesem Mittelpunkt zu hinterlassen. Etwas mehr, als viele beschriebene Seiten. Tara Marie Gruber besprach sich mit ihrer Betreuerin, Geografielehrerin Katrin Herzog. Sie entwarfen den Plan, ähnlich wie bei einer Grundsteinlegung eine Zeitkapsel zu versenken.

Weil dafür Geld gebraucht wird, rief Tara Marie Gruber in der Schule zu einer Spendenaktion auf. 300 Euro kamen zusammen. Und das war noch nicht alles. Schüler vom Berufsschulzentrum Otto Lilienthal mit dem Standort in Dippoldiswalde kümmern sich um das Loch im Boden.

Klingt einfach, ist aber keine einfache Grube. "Es muss frist- und hochwassersicher sein, damit die Kapsel auch bei einer neuen Flut im Boden bleibt", erklärt Lehrer Mirko Geißler und brachte ein paar Schüler aus dem Berufsvorbereitungsjahr Bau/Metall mit, die kräftig mit anpackten.

Und auch die Stadt Freital wird einen Teil zum Gelingen beitragen und steuert die Zeitkapsel bei - eine solide Metallarbeit. Geplant ist, die gefüllte Kapsel am 1. Oktober um acht Uhr morgens zu versenken - auf diesen Tag genau vor 100 Jahren wurde die Stadtgründung vollzogen.

Diebe sollen abgehalten werden

Die Stelle soll anschließend gesichert, aber markiert werden. Das soll Diebe abhalten, aber nachfolgende Lehrer- und Schülergenerationen ermöglichen, die Kapsel irgendwann zu bergen - vielleicht in 100 Jahren.

Jeanette Gernat, die Schulleiterin, kann sich gut vorstellen, dass dies eine spannende Angelegenheit ist. Als das Hauptgebäude des Weißeritzgymnasiums vor zwei Jahren saniert wurde, musste es vorher geräumt werden - vom Keller bis zum Dach. Eine Zeitkapsel wurde dabei nicht gefunden, aber 50 Jahre alte Bewerbungsunterlagen und Klassenbücher.

Dass die Zeitkapsel von Tara Marie Gruber vielleicht gar nicht von Lehrern und Schülern geborgen wird, haben sie auf dem Schirm. Gernat: "Vielleicht steht das Haus dann nicht mehr oder es ist keine Schule mehr." Die Metallhülse mit dem Inhalt von 2021 wird für Aufmerksamkeit sorgen, da sind sie sich ganz sicher.

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