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Mietniveau in Freital zieht an

Mehr Mieter und höhere Umsätze: Freitals Wohnungsgesellschaft kann dem Krisenjahr 2020 gute Seiten abgewinnen. Man kämpft gegen andere Probleme.

Henryk Eismann ist Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft und kann gute Zahlen verkünden.
Henryk Eismann ist Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft und kann gute Zahlen verkünden. © Egbert Kamprath

Wird schon die Stadt Freital pandemiebedingt durchgeschüttelt, kann man sich im Rathaus wenigstens noch darüber freuen, dass einige Tochterunternehmen die Krise gut wegstecken. Dazu gehört auch die Wohnungsgesellschaft Freital WGF, mit mehr als 3.500 Wohnungen der größte Vermieter der Stadt.

"Es war ein besonderes und schwieriges Geschäftsjahr 2020. Rein wirtschaftlich haben wir uns gut entwickelt, den höchsten Umsatz aller Zeiten gemacht und dabei über 7,1 Millionen Euro für Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen ausgegeben", sagt Geschäftsführer Henryk Eismann. Unterm Strich liegt das Jahresergebnis bei 1,9 Millionen Euro.

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Vor allem hat sie die Vermietungssituation verbessert. Die WGF konnte für zahlreiche Wohnungen, die teilweise schon länger leer standen, neue Bewohner finden.

Mietniveau in Freital steigt

Dies gilt vor allem auch für das City Center. Der Gebäudekomplex an der Ecke Dresdner Straße/Bahnhofstraße war beim Kauf vor vier Jahren etwas abgewohnt. das Wort Sanierungsstau machte die Runde. Zahlreiche Mieteinheiten, darunter auch das große Ladengeschäft im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss standen leer.

Die WGF investierte 6,5 Millionen Euro, sanierte neben der Fassade die Wohnungen und Gewerbeflächen. Es hat sich gelohnt. "Inzwischen sind nur noch drei Wohnungen, die aktuell hergerichtet werden, frei", berichtet Eismann.

Doch nicht nur mehr Mieter lassen das Geschäftsjahr 2020 gut aussehen. Bemerkbar macht sich auch, dass das Mietniveau in Freital anzieht. Dass betrifft zwar weniger die Bestandsmieter, außer bei bestimmten Modernisierungen.

Anders verhält sich dies bei Mieterwechseln. Hier müssen die Mietpreise der entsprechenden Wohnung angepasst werden. Für den WGF-Chef eine logische Entwicklung. "Die zurückgegebenen Wohnungen werden von uns hergerichtet und in einen ordentlichen Zustand versetzt." Darunter sind auch immer wieder Wohnungen, in denen manche Mieter 30 oder gar 40 Jahre gewohnt haben - in Zauckerode keine Seltenheit. Entsprechend veraltet ist der Standard.

Deshalb muss die WGF jedes Jahr kräftig in Wiederbezugsmaßnahmen investieren - zuletzt fast 2,4 Millionen Euro.

Weitere Sanierungen in Zauckerode

Weniger Geld gab die WGF dafür für die größte geplante Instandhaltungsmaßnahme aus. Und das hat viel mit der Corona-Pandemie zu tun. Vorgesehen war, die Strangsanierung in Zauckerode fortzuführen. Die Häuser im größten Plattenbaugebiet der Stadt verfügen in den Küchen teils noch über Gastherme für die Warmwasseraufbereitung. Zudem sind die Heizungsanlagen veraltet.

Seit einigen Jahren nun modernisiert die WGF in dem Wohngebiet die Häuser. Damit einher geht die schrittweise Sanierung der Heizungsanlagen und Warmwasserstränge, der Sanitär- und Elektroinstallation. Im vergangenen Jahr war geplant, den Weißiger Hang 3a-e, insgesamt 75 Wohnungen, auf den neuen Stand zu bringen.

"Weil keiner wusste, wie sich mit der Pandemie die Vorschriften entwickeln und ob die Handwerker überhaupt in den bewohnten Wohnungen arbeiten dürfen, mussten wir unser Vorhaben stoppen", begründet Henryk Eismann. Inzwischen steht fest: Die Sanierung am Weißiger Hang kommt dieses Jahr.

Und nicht nur, dass die Wohnungen hinterher moderner sind. Es lohnt sich auch für die Mieter. Denn Erfahrungen aus den bereits sanierten Blöcken zeigen, dass die Heizkosteneinsparungen bei etwa 20 Prozent liegen.

Außen ganz schick, aber drinnen veraltet: Dieses Jahr bekommt der Wohnblock am Weißiger Hang eine neue Heizungs-, Warmwasser- und Elektroinstallation.
Außen ganz schick, aber drinnen veraltet: Dieses Jahr bekommt der Wohnblock am Weißiger Hang eine neue Heizungs-, Warmwasser- und Elektroinstallation. © Egbert Kamprath

Steigende Preise, knappes Baumaterial

Inzwischen hat Zauckerode sein Image auch etwas abschütteln können. Die Mieter, bei weitem nicht nur ältere Freitaler, schätzen neben den praktischen Wohnungen das viele Grün, die zentrale Lage, gute Einkaufsmöglichkeiten. Es gibt eine Grundschule, zwei Kindergärten, mehrere Spielplätze und das alles bei vergleichsweise günstigen Mieten - durchaus auch ein Argument für junge Familien.

Das merken Vermieter wie die WGF. Die Wohnungen sind auch in Zauckerode nachgefragter als noch vor Jahren.

Dafür türmen sich Probleme an anderer Stelle auf, und das nicht nur in Zauckerode. Nachdem Vermieter wie die Wohnungsgesellschaft schon seit Jahren mit steigenden Baupreisen und Terminknappheit bei den Firmen leben müssen, droht nun neues Ungemacht: Mangelwirtschaft.

"Wir hören seitens der Handwerker, das bestimmte Materialien und Bauteile knapp werden", berichtet Henryk Eismann. Innentüren, Elektrokabel, Fassadenfarben - es ziehe sich durch mehrere Branchen.

Bei der WGF befürchtet man, dass die Preise deshalb nun nochmals nach oben gehen und manche Bauzeitpläne trotzdem ins Wanken geraten. Für Geschäftsführer Eismann keine schöne Situation. „Wir möchten unseren Mietern stetig eine zeitgerechte Wohnsituation bieten und wichtige Modernisierungen nicht aufschieben müssen. Würden sich die aktuellen Probleme zum Dauerzustand entwickeln, wäre das eine große Gefahr für zukünftige Projekte.“

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