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Mehr Platz für Freitals Retter

Lange gesucht, plötzlich gefunden: Die Feuerwehr soll sich in Richtung Glaswerk erweitern. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Die Brache oben im Bild gehört noch der Glashütte Freital. Die Stadt wird Teile davon für die Erweiterung der Feuerwehr kaufen.
Die Brache oben im Bild gehört noch der Glashütte Freital. Die Stadt wird Teile davon für die Erweiterung der Feuerwehr kaufen. © Egbert Kamprath

Um Ende ging alles ganz schnell und ohne große öffentliche Debatte: Freitals Stadträte stimmten in ihrer jüngsten Sitzung dafür, 633.300 Euro auszugeben. Das Geld ist dafür bestimmt, ein gut 6.000 Quadratmeter großes Grundstück für die Feuerwehr zu kaufen. Damit endet eine Standortsuche, die jahrelang dauerte, Begehrlichkeiten weckte, Millionenforderungen provozierte, die Mieter zweier Wohnhäuser beunruhigte und sogar einige Stadträte ins Gerede brachte.

Depot zu alt und zu klein

Das Grundstück gehört derzeit noch der Glashütte Freital, liegt an der Straße "Am Glaswerk" und damit direkt gegenüber der Feuerwache Döhlen. Diese ist quasi das Herzstück der Freiwilligen Feuerwehr Freital; das größte Depot, in dem neben den ehrenamtlichen Rettern auch einige hauptamtliche Feuerwehrleute die Tagseinsatzbereitschaft abdecken.

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Das Problem ist allerdings, dass die Wache den Ansprüchen nicht mehr genügt. 1917 als Handwerksbetrieb errichtet und 1927 von der Stadt als Feuerwache eingerichtet, wurde das Gebäudeensemble mehrmals erweitert und modernisiert. Doch jetzt ist der Platz ausgereizt. Die Hallen sind zu klein für die heutige Fahrzeugtechnik.

Seit 1927 Feuerwache, jetzt zu alt und zu klein: Freitals Retter bekommen mehr Platz.
Seit 1927 Feuerwache, jetzt zu alt und zu klein: Freitals Retter bekommen mehr Platz. © Egbert Kamprath

Dazu kommt, dass die Wache sanierungsbedürftig ist. Die Grundmauern sind durchnässt, die Kellerräume nicht mehr nutzbar. "Aus wirtschaftlichen Gründen ist der Neubau einer modernen Feuerwache mit Berücksichtigung des neuesten Standes der Technik einer kostenaufwendigen Sanierung eines über 100 Jahre alten verschlissenen Gebäudes vorzuziehen", schreibt die Stadtverwaltung.

Stadträte lehnten Vorschlag ab

In einem Standortgutachten wurde schon vor Jahren nach einer Alternative gesucht. Heraus kam, dass die neue Wache unmittelbar in der Nähe des jetzigen Standortes errichtet werden muss. Der Grund sind Rettungswege und die vorgegebenen Fahrzeiten zum Einsatzort.

Favorisiert wurde noch im Frühjahr, die Wache in Richtung Eisenbahndamm zu erweitern. Dafür hätte die Stadt das Grundstück eines Autohauses kaufen müssen. Das lehnten die Stadträte ab - zu teuer. Zudem war unklar, was aus zwei neben der Feuerwache liegenden Wohnhäuern werden sollte. Deren Mieter, darunter einige Feuerwehrmänner und ihre Familien, standen den Erweiterungsplänen skeptisch gegenüber.

An zweiter Stelle auf der Liste stand der Kauf des kleinen Gewerbegeländes hinter der Aral-Tankstelle. Für die 12.000 Quadratmeter verlangte der Eigentümer jedoch 1,2 Millionen Euro. Zwei Stadträten wurde vorgeworfen, durch Gespräche mit dem Eigentümer den Preis noch in die Höhe getrieben zu haben.

Glashütte Freital verkauft nun doch

Nun wird es also das Gelände am Glaswerk. Oberbürgermeister Uwe Rumberg schilderte in der Stadtratssitzung, dass man schon vor längerem mit der Geschäftsführung der Glashütte gesprochen habe. Doch zunächst stand aus Sicht der Werksleitung ein Grundstücksverkauf nicht zur Debatte.

Dass sich die Meinung der Glashütten-Leitung geändert hat, liegt dem Vernehmen nach auch an der Corona-Pandemie. Der Oberbürgermeister deutet an, dass dem Unternehmen der Gewinn aus der Veräußerung der 6.000 Quadratmeter in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation durchaus gelegen käme. Der Grundstückspreis liegt bei 600.000 Euro, die restlichen 33.300 Euro sind für sogenannte Vertragsnebenkosten eingerechnet.

Der Kauf ist nun zwar beschlossen, Geld wird aber noch keines fließen. Zunächst solle im ersten Quartal 2021 der Kaufvertrag geschlossen werden, anschließend erfolge noch im ersten Halbjahr 2021 die Geldzahlung, heißt es aus dem Rathaus.

Planungswettbewerb für Neubau

Die Stadträte sind zufrieden mit der Entwicklung. Im Frühjahr hatten sie noch stark gehadert, als es um das Areal des Autohauses ging. Gegenwind kam insbesondere aus der Mitte-Links-Fraktion. Auch die Freien Wähler hatten damals Bedenken. Die Lösung stimmt nun alle versöhnlich.

"Wir haben damals richtig entschieden, das Autohaus-Grundstück nicht zu kaufen. Nun sind wir sehr froh, dass es so gekommen ist", sagte Klaus Wolframm (SPD), Fraktionsvorsitzender von Mitte-Links. Auch der Oberbürgermeister zeigte sich zufrieden. "Wir sind einer zeitgemäßen Feuerwache ein Stück näher gekommen", sagte Uwe Rumberg.

Ein weiter Weg ist es aber noch. In der Vergangenheit hatte die Stadtverwaltung geäußert, einen Planungswettbewerb durchzuführen, um die bestmögliche Lösung für den Bau der Wache zu finden. Das wird nun die nächste Aufgabe sein. Gibt es einen Wettbewerbssieger, muss die Planung konkretisiert werden. Wahrscheinlich ist, dass auf die Erweiterungsfläche zunächst wichtige Funktionsgebäude kommen, anschließend die alten Gebäude abgerissen oder umgebaut werden.

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