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Schlamm drüber bei der Lübauer Feuerwehr

Ein bisschen Matsch darf sein, wenn Löschfahrzeuge im Gelände üben. Doch neulich versank der Lehrgang förmlich im Morast.

Vater und Sohn am Lenkrad: Steffen (l.) und Christian Grumbt von der Rabenauer Ortsfeuerwehr Lübau steuern ihr Tragkraftspritzenfahrzeug über den Nordring von Lauchhammer.
Vater und Sohn am Lenkrad: Steffen (l.) und Christian Grumbt von der Rabenauer Ortsfeuerwehr Lübau steuern ihr Tragkraftspritzenfahrzeug über den Nordring von Lauchhammer. © © by Matthias Rietschel

Matschwetter ist nichts für Zögerer. Gas geben, heißt die Devise, sagt Armin Weirauch, auf dessen neongelber Jacke groß "Ausbilder" steht. Aber zuvor eine Platzrunde, zum Gewöhnen. Das erste Auto rollt an, teilt den dichten Regenschleier mit seiner bulligen Statur. Doch der Boden ist weich wie Pudding und verschluckt das linke Hinterrad des tonnenschweren Tanklöschwagens. Da nützt weder Allrad noch Differenzialsperre. Das Auto steckt fest. Die Lektion "Bergung" muss vorgezogen werden.

Auf der Cross-Strecke der Kohle-Werker

Wenn die Feuerwehr kommt, kommt sie auf der Straße. Aber manchmal gibt es keine. Für solche Fälle hält die Landesfeuerwehrschule Sachsen Fahrsicherheitsseminare im Gelände ab. Seit einigen Jahren zählt der Nordring im brandenburgischen Lauchhammer zu den Schauplätzen des Off-Road-Trainings. Der anderthalb Kilometer lange Cross-Kurs, gegründet einst unter der Hoheit des VEB Braunkohlenkombinat, gehört heute dem 4x4 Adventure Club, einem Geländewagenverein.

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Kaum gestartet, schon festgefahren. Das Tanklöschfahrzeug aus Neukirch steckt im Matsch. Christian Grumbt aus Lübau (r.) hält das Seil zur Bergung bereit.
Kaum gestartet, schon festgefahren. Das Tanklöschfahrzeug aus Neukirch steckt im Matsch. Christian Grumbt aus Lübau (r.) hält das Seil zur Bergung bereit. © SZ/Jörg Stock

Hauptbrandmeister Armin Weirauch, 60, seit vierzig Jahren Berufsfeuerwehrmann, leitet die Kurse. Ein gutes Dutzend Mal im Jahr ist er auf dem Nordring. Die Feuerwehrleute lernen ihre Fahrzeuge hier ganz neu kennen, sagt er. Und das ist auch nötig. Das zeigen ihm die Unfallmeldungen. "Die Feuerwehrleute schmeißen ihre Autos um." Immer mehr Fahrer werden ausgebildet, Freistaat und Gemeinden schießen Geld zum Führerschein zu. Aber es fehlt an Fahrpraxis. "Man muss sich mehr mit den Autos beschäftigen."

Wer keinen Respekt hat, wird leichtsinnig

Heute sind fünf Feuerwehren hier, aus Westsachsen, von der Elbe, aus der Lausitz. Und aus dem Osterzgebirge: Steffen und Christian Grumbt gehören zur Ortsfeuerwehr von Lübau, Gemeindefeuerwehr Rabenau. Ihr Fahrzeug ist ein TSF-W, ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank. Es ist das kleinste auf dem Parkplatz. Sie sind nicht traurig darüber. Große Autos bedeuten mehr Aufwand bei der Pflege. Und immerhin hat ihr Kleiner Allrad und Differenzialsperre, wenigstens hinten.

"Die Schlamm-Ausbildung habt ihr bestanden." Hauptbrandmeister Armin Weirauch musste den Fahrtag im Dauerregen vorzeitig beenden.
"Die Schlamm-Ausbildung habt ihr bestanden." Hauptbrandmeister Armin Weirauch musste den Fahrtag im Dauerregen vorzeitig beenden. © © by Matthias Rietschel

Steffen, 54,  und Christian, 24, sind Vater und Sohn. Das Feuerwehr-Gen hat sich vererbt. Christian hat das Amt des Gerätewarts vom Vater übernommen. Technik liegt ihm. Im Beruf repariert er Dampflokomotiven und fährt sie manchmal auch. Hinterm Steuer eines Lastwagens sitzen beide nur selten, meistens im Feuerwehrdienst. Vor der Teststrecke haben sie Respekt. "Wenn du keinen Respekt hast", sagt Steffen, "wirst Du leichtsinnig."

Mit dem Ello zur Waldbrandkatastrophe

Steffen Grumbt hat seinen Lkw-Führerschein schon eine halbe Ewigkeit, seit 1985. Am meisten gefahren ist er während der Armee, auf dem Ural und dem Robur, genannt Ello. Die Lübauer Feuerwehr fuhr auch nach der Wende noch eine Zeit lang Ello. Mit dem hochbeinigen Wagen war Steffen Grumbt bei der Waldbrandkatastrophe von Weißwasser 1992 dabei. Auch daheim ging es manchmal über Stock und Stein. Das TSF von Mercedes macht solche Eskapaden nicht mit. Mal auf der Wiese umlenken, das ja. "Aber allzu viel würde ich ihm nicht zutrauen."

Aufgabe: das gestoppte Fahrzeug am Berg anlassen, mit eingelegtem Rückwärtsgang. So hält man auch im Matsch die Spur.
Aufgabe: das gestoppte Fahrzeug am Berg anlassen, mit eingelegtem Rückwärtsgang. So hält man auch im Matsch die Spur. © © by Matthias Rietschel

Vorerst gibt es keine Gelegenheit zum Test. Der Tankwagen muss wieder flott werden. Die Lübauer schaffen Stahlseile heran, das Löschgruppenfahrzeug von Florian Benndorf, Delitzscher Land, schiebt sich in Position. Die Seile werden eingehängt, dicke Schäkel verschraubt. Wird der Morast seinen Fang freigeben? Der Ausbilder feuert die Schüler über Funk an: "Drehzahl hoch! Gas geben!" Der Tanker ruckt, hebt sein Hinterteil. "Herrlich!" Die Bergung ist geglückt.

Unsicheres Gelände vorher zu Fuß prüfen

Armin Weirauch ist zufrieden. Und auch wieder nicht. Die Aktion bringt seinen Zeitplan durcheinander. Dass die Strecke derart bodenlos aufgeweicht ist, überrascht selbst ihn. Heikles Gelände zur Not zu Fuß erkunden, lautet eine goldene Kraftfahreregel. Doch selbst das ist fast unmöglich. Der Hauptbrandmeister gibt sich kämpferisch. "Wir geben noch nicht auf."

Die nächste Rettungsaktion: Diesmal steckt die Berufsfeuerwehr von Görlitz fest. Florian Glaubitz aus dem Elbland hilft von hinten.
Die nächste Rettungsaktion: Diesmal steckt die Berufsfeuerwehr von Görlitz fest. Florian Glaubitz aus dem Elbland hilft von hinten. © © by Matthias Rietschel

Eine halbwegs feste Erdrampe wird ausgesucht. Ein Auto nach dem anderen soll sie erklimmen. Die Lübauer sind zuerst dran. Mit Allrad geht's zum Rampenfuß, dann die Hinterachse auf stur geschaltet, damit sie kräftig schieben kann - und oben ist der kleine Laster. Leichte Übung. Das Tanklöschfahrzeug demonstriert, wie man, am Berg gestrandet, sicher wieder runter kommt. Motor aus, Rückwärtsgang rein, weg von Kupplung und Bremse, anlassen. So hält der Wagen die Spur, selbst bei Schmierseife unter den Rädern. 

Riesenpfütze wird Falle für die Berufsfeuerwehr

Dann fädelt sich die Kolonne doch noch einmal in die Schlammwüste ein. Einen größeren Berg rückwärts hinan, dann vorwärts wieder runter und zurück. Die Lübauer müssen los. "So weit wie es geht grade aus", schnarrt das Funkgerät. Steffen Grumbt ist der Auftrag nicht ganz geheuer. Das Schicksal wird entscheiden. "Wenn wir festsitzen, dann sitzen wir fest." Doch das Schicksal trifft andere, ausgerechnet die Profis von der Berufsfeuerwehr Görlitz.

Eine riesige Pfütze hat die Görlitzer vom vermeintlich sicheren Wegesrand weg in sich eingesogen. Alle sehen gebannt, wie das linke Heck immer weiter im Modder verschwindet. Das Löschwasser wird abgelassen, um die Last zu mindern. Die Gefahr scheint akut, dass das riesige Fahrzeug umstürzt. Feuerwehrleute aus dem Elbland kommen zu Hilfe. Zwei Seile auf einmal werden angehängt. Erleichterung, als sie sich spannen: Das Auto sinkt nicht weiter ein, es steigt.

Nach dem Schlamm ist vor dem Schlamm

Ausbilder Weirauch wirkt gefasst. Innerlich hat es auch in ihm gekocht. Er macht Schluss. "Kaffee trinken!" In der Baracke, am Kanonenofen, resümiert er. Das Lernziel wurde wetterbedingt leider nicht erreicht. "Aber die Schlamm-Ausbildung habt ihr bestanden." Auf die Lübauer wartet schon die nächste Herausforderung, diesmal im Fahrzeug drin: Die Schlamm-Beseitigung.

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