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Wie Oskarshausen die Stimmung retten will

In der Freitaler Erlebniswelt gab es so viele Ideen für die Adventszeit. Die Macher sind traurig, planen aber trotzdem schon die nächsten Attraktionen.

Oskarshausen-Chef Christian Wehlan und Marketingleiterin Theresa Tamme in der neuen Cookie-Welt.
Oskarshausen-Chef Christian Wehlan und Marketingleiterin Theresa Tamme in der neuen Cookie-Welt. © Egbert Kamprath

Da wäre das Räuchermännchen Oskar. Es steckt als unlackierter Rohling in einer Tüte und wartet darauf zusammengebaut, lackiert und natürlich mit einem Räucherkerzen in Betrieb genommen zu werden. "Der Qualm kommt dem Oskar aus den Ohren", sagt Theresa Tamme und legt die Tüte ins Regal zu den anderen zurück. Die Marketing-Chefin von Oskarshausen erzählt, wie ein Freitaler Drechsler viele dieser Rohlinge angefertigt hat - als extra für die Weihnachtszeit. Und nun das: Weihnachten fällt aus. Zumindest in der Freitaler Familienerlebniswelt.

Nie wirkte das Oskarshausen trostloser. Die Regale im Einkaufsbereich sind üppig gefüllt. Man kann Weihnachtsdeko, selbstgemachte Marmelade und Kekse, warme Mützen und Holzspielsachen kaufen. Für die Papas gibt es eine Craft Beer-Ecke und für die Dynmaofans T-Shirts und Teetassen. Doch die Stühle im Restaurantbereich sind hochgestellt, der Eisautomat stillgelegt. Es duftet nicht nach Kuchen und vor den Spielgeräten flattert Absperrband. Komplett unzugänglich ist der Außenbereich. Es ist ein Trauerspiel.

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Nichts ist mehr planbar

Seit Anfang November müssen Freizeiteinrichtungen geschlossen bleiben. "Wir haben Verständnis für die Maßnahmen. Wir waren auch nicht wütend oder schockiert, als der Beschluss gefasst wurde", sagt Theresa Tamme. Was an den Nerven zehrt, sind die Umstände und Widersprüche. Erst hieß es, bis Anfang Dezember ist alles zu. Dann hieß es, bis kurz vor Weihnachten. Nun heißt es, bis zum 10. Januar. Planen könne man schon lange nicht mehr, sagt der Geschäftsführer.

Christian Wehlan hat das Oskarshausen im Herbst 2018 eröffnet. Vier bis fünf Jahre habe er sich gegeben, sagt er, in denen sich das Konzept bewähren sollte. "Das ist ein Zeitraum, den die Experten immer nennen, wenn so etwas neu an den Start geht." Schon im zweiten Jahr sei er mit dem Zuspruch sehr zufrieden gewesen. Dann kam Corona.

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr lief es im Juni schleppend an. "Aber der Sommer war richtig gut", berichtet Christian Wehlan. So plante man für die Herbst- und Adventszeit. Weihnachtsware wurde bestellt, neue Attraktionen und Spiele-Ideen kreiert. Viele Firmen buchten bereits für ihre Weihnachtsfeiern. Der Drechsler machte sich an die Arbeit, weitere Kunsthandwerker wurden für Vorführungen verpflichtet.

Licht-Spektakel bereits zweimal verschoben

Der Höhepunkt für die dunkle Jahreszeit sollte Lichterhausen werden, ein Lichtspektakel im Freien. "Licht-, Ton- und Bühnentechniker waren auf uns zugekommen und fragten, ob sie nicht Aufträge bekommen könnten. Die waren wegen Corona alle in Schwierigkeiten geraten. Da haben wir uns gemeinsam in einem Team Lichterhausen ausgedacht", berichtet Wehlan. Den ganzen Sommer über wurde daran getüftelt und geprobt.

Die Idee: Ungenutzte Bereiche des Außengeländes wurden mit Lichtinstallationen bestückt. Corona-konform sollte es einen Online-Bestellservice für personalisierte Tickets geben. Es wurden getrennte Ein- und Ausgänge angelegt, ein Einbahnstraßensystem und sogar eine separate Toilettenanlage gebaut. Für das Hygiene-Konzept erhielt Oskarshausen eine Auszeichnung vom sächsischen Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, verbunden mit einem Preisgeld von 30.000 Euro.

Nur stattfinden darf Lichterhausen nun nicht. Christian Wehlan hat den Start der Show bereits zweimal verschoben, erst auf den 4. Dezember, nun auf den 15. Januar bis Ende März. Es ist die letzte Chance für Lichterhausen in dieser Saison. Verbunden ist jeder neue Terminplan mit einem immensen Aufwand: Werbung muss neu gedruckt, der Internetauftritt angepasst werden. Und alle Ticketkäufer müssen informiert sowie mit neuen Terminen versorgt werden. "Das kostet Zeit und Geld", sagt Marketingleitern.

Kürzlich wurde die neue Wellenrutsche aufgebaut. Mitarbeiterin Christiane Kliesch testet schon mal die 35 Meter lange Strecke.
Kürzlich wurde die neue Wellenrutsche aufgebaut. Mitarbeiterin Christiane Kliesch testet schon mal die 35 Meter lange Strecke. © Egbert Kamprath
Gastronomie verboten: Der Restaurantbereich sah noch nie so einsam und verlassen aus. Laut Geschäftsführung wurde aber niemand entlassen.
Gastronomie verboten: Der Restaurantbereich sah noch nie so einsam und verlassen aus. Laut Geschäftsführung wurde aber niemand entlassen. © Egbert Kamprath
Sonnabends ist von 10 bis 15 Uhr der Shop im Oskarshausen geöffnet. Stammgäste wie Uta Weiske aus Dresden nutzen das Angebot zum Stöbern.
Sonnabends ist von 10 bis 15 Uhr der Shop im Oskarshausen geöffnet. Stammgäste wie Uta Weiske aus Dresden nutzen das Angebot zum Stöbern. © Egbert Kamprath
Leere Gänge, volle Regale: Die Ware fürs Weihnachtsgeschäft wurde bereits im Frühjahr bestellt, nun muss wohl der Großteil zurück ins Lager.
Leere Gänge, volle Regale: Die Ware fürs Weihnachtsgeschäft wurde bereits im Frühjahr bestellt, nun muss wohl der Großteil zurück ins Lager. © Egbert Kamprath
Gearbeitet wird im Oskarshausen trotz Öffnungsverbot: Dekorateurin Bianka Lohse gestaltet hier einen weiteren Sanitärbereich.
Gearbeitet wird im Oskarshausen trotz Öffnungsverbot: Dekorateurin Bianka Lohse gestaltet hier einen weiteren Sanitärbereich. © Egbert Kamprath

Oskarshausen investiert trotz Krise

Um überhaupt noch im Gespräch zu sein, hat man in Oskarshausen Lücken gesucht. Weil Einzelhandel nicht verboten ist, öffnet nun jeden Sonnabend von 10 bis 15 Uhr der Marktbereich im Oskarshausen. Die Marketing-Abteilung wirbt mit Bastel- und Geschenkideen. Da die Keramikwerkstatt geschlossen bleiben muss, kann man sich die Rohlinge und Farben mit nach Hause nehmen, dort bemalen und zum Brennen vorbei bringen. "Das ist zwar aufwendig, aber einige Stammkunden freuen sich über diesen Service", berichtet Theresa Tamme.

Auch hinter den Kulissen passiert so einiges. "Wir haben niemanden entlassen, sondern Kurzarbeit eingeführt, und investieren weiter in neue Attraktionen", sagt der Geschäftsführer. Nur zwei, drei größere Anschaffungen habe man erst einmal aufgeschoben. Nicht dazu gehörte die Installation einer neuen Wellenrutsche. 35 Meter lang, acht Meter Höhenunterschied vom Parkdeck bis zum großen Spielareal - die Rutsche steht.

Außerdem hat man mit Blick auf Corona den Innenbereich erweitert, damit die Besucher mehr Platz haben, und Oskars Cookiewelt erschaffen. Hier dreht sich alles um Cookies, also Kekse - mit Kekskarussell, Keks-Café und Krabbelwelt für die Kleinsten.

Die Beschäftigung mit neuen Projekten und die verkaufsoffenen Sonnabende sind wichtig - nicht für die Einnahmenseite, die ist zu vernachlässigen. Es geht um die Stimmung. "Wir wollen zeigen, dass wir noch da sind", sagt Marketing-Expertin Tamme. Auch die Mitarbeiter ebenso wie Geschäftsführung brauchen ein Ziel, eine Aufgabe. Um in Schwung zu bleiben und das Gefühl zu haben, dass sich eben nicht alles nur um Corona dreht. Und um fit zu sein, wenn man eventuell ab Mitte Januar dann doch wieder öffnen darf.

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