merken
PLUS Freital

Freital: Baustraße durch den Friedhof?

Der stillgelegte Gottesacker in Pesterwitz soll Parkanlage werden. Vorher ist aber etwas geplant, was nicht jedem gefällt.

Dieser Weg soll eine Zeit lang als Zufahrt für Baufahrzeuge und Müllabfuhr dienen.
Dieser Weg soll eine Zeit lang als Zufahrt für Baufahrzeuge und Müllabfuhr dienen. © Egbert Kamprath

Es ist üppig grün hinter dem Tor. Brombeerbüsche gedeihen bestens zwischen alten, efeuumrankten Bäumen. Es ist eine Naturidylle, wie sie im Buche steht. Doch mit der Stille auf dem ehemaligen Pesterwitzer Friedhof am Ende des Parkweges soll es bald vorbei sein.

Die Stadt hat vor, die Fläche zu einer öffentlichen Parkanlage zu machen. Derzeit laufen dazu Planungen. Wege sollen wieder zugänglich, Wildwuchs entfernt und Bäume vom Totholz befreit werden. Doch der eigentliche Aufreger ist ein anderer. Durch Pesterwitz zieht das Gerücht, über den Friedhof soll zukünftig eine Straße führen. Diese soll in Richtung Kindergarten angelegt werden, damit dort Müllfahrzeuge, Lieferdienste und vor allem die Eltern eine Zufahrt hätten.

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Das ruft Eberhard Kammer auf den Plan. Der Senior ist ehrenamtlicher Denkmalpfleger und macht sich ernsthaft Sorgen um einige erhalten gebliebene Grabanlagen. "Eine Straße kann man dort doch nicht anlegen. Die Gräber würden in kürzester Zeit Schaden nehmen."

Trampelpfade führen auf den Friedhof

Der Friedhof wurde 1897 geweiht und war als Ersatz für den Gottesacker neben der Pesterwitzer Kirche gedacht. Dieser war zu klein geworden. Das erste Begräbnis auf dem sogenannten "Neuen Friedhof" galt dem Dölzschener Rittergutsbesitzer Beger. Für ihn und weitere Familienmitglieder wurde eine Gruft angelegt, die noch heute erhalten ist.

Das Beger-Grab, das danebenliegende Grab der Familie Mende, ebenfalls aus Dölzschen, und ein weiteres, namentlich unbekanntes Grab, befinden sich an der alten Friedhofsmauer gleich linker Hand vom Eingang. "Sie stehen unter Denkmalschutz und sind unbedingt erhaltenswert", sagt Ortschronist Kammer dazu.

Doch dem "Neuen Friedhof" war nur eine kurze Nutzung beschieden: Er existierte noch keine 100 Jahre, als er stillgelegt wurde. Nach der abgelaufenen Ruhezeit im Jahr 2011, erfolgte 2013 die offizielle Entwidmung. Seitdem versperrt ein massives Tor die Anlage. Einige Trampelpfade führen dennoch hinein. Hundehaufen lassen darauf schließen, dass der Friedhof auch von Gassigehern genutzt wird.

Derzeit gehört der Friedhof der Freitaler Projektentwicklung, eine städtische Gesellschaft, die Grundstücke erschließt und in Bauland umwandelt. So manche Freitaler Eigenheimsiedlung wurde von der FPE angelegt. Für das 6.000 Quadratmeter großen Friedhofsgelände aber gab es lange keinen Plan.

Ortsvorsteher dementiert Gerüchte

Stattdessen hatten Einwohner und Ortschaftsräte die Idee, den Friedhof zum Park umzugestalten. Wege, Bäume, Büsche - alles ist vorhanden. Erhalten gebliebene Grabsteine könnte man in den Park integrieren.

Lange lag der Vorschlag in der Schublade, doch kürzlich holte man ihn im Freitaler Rathaus heraus. Bei einem Vor-Ort-Termin wurden zwischen Oberbürgermeister Uwe Rumberg (parteilos) und Ortsvorsteher Wolfgang Schneider erste Details besprochen. Kürzlich beschloss der Stadtrat, das Gelände im Wert von 100.000 Euro von der Projektentwicklung zu kaufen.

Parallel laufen bereits Planungen für eine Gestaltung des Parks. "Ziel ist es, eine hohe Aufenthaltsqualität sicherzustellen, Wege und Verweilbereiche anzulegen beziehungsweise instand zu setzen, die historischen Kulturdenkmäler und Einzelelemente sowie den alten Baum- und Rhododendronbestand zu erhalten", erläutert Matthais Weigel, Pressesprecher der Stadt Freital. Es gehe um eine naturnahe Gestaltung.

Was nun gerüchteweise daraus wird, sorgt im Rathaus für Kopfschütteln. Von einer Straße könne nicht die Rede sein, heißt es. Auch Ortsvorsteher Schneider dementiert: "Wir bauen doch keine Straße über den Friedhof."

Temporäre Zufahrt für Kindergarten

Geplant sei vielmehr eine temporäre Zufahrt ins rückwärtige Kita-Gelände. Dort möchte die Stadt einen Interimsbau errichten, denn die alte Container-Kita hat ausgedient und muss demnächst abgerissen werden.

Das Interim soll aus einzelnen Modulen bestehen, die flugs aneinander und übereinandergestapelt werden können - ähnlich Baucontainern, nur viel ansehnlicher und wohnlicher. Steht der Neubau, werden die Interimscontainer wieder demontiert.

Es gibt aber nur einen Weg, um die Container an das Baufeld zu transportieren. Und der führt über den Friedhof, direkt vorbei an den drei denkmalgeschützten Gräbern - siehe Grafik. Außerdem denke man tatsächlich auch darüber nach, die Müllentsorgung und die Essenbelieferung für den Interims-Kindergarten über den Friedhofsweg zu organisieren, heißt es aus dem Rathaus. Dazu werden derzeit verschiedene Überlegung angestellt, konkret fest stehe dies aber noch nicht.

© SZ Grafik

Gräber sollen gesichert werden

Was wiederum die Eltern betrifft, priorisiert die Stadt eine ganz andere Lösung. Sie sollen ihre Autos auf der Parkfläche des Sportplatzes abstellen. Ein neu angelegter Fußweg wird von dort direkt zur Kita führen.

Tieflader mit Containern auf der Ladefläche mag sich Denkmalschützer Kammer lieber nicht vorstellen. Müllautos ebenso wenig. "Ich habe Angst um die Gräber. Das halten die nicht aus."

Weiterführende Artikel

Friedhof in Freital soll Parkanlage werden

Friedhof in Freital soll Parkanlage werden

Hohe Bäume, viel Grün, ruhig gelegen: Die alte Grabstätte in Freital-Pesterwitz hat alles, was Spaziergänger sich wünschen. Nur eines fehlte bisher.

Stadtsprecher Weigel dagegen versichert, man habe selbstverständlich die Grabanlagen im Blick. "Es ist Teil der Planungen, die Gräber zu erhalten." Im Zuge der Umgestaltung des Friedhofes sollen diese untersucht, gesichert und gegebenenfalls repariert werden." Zudem solle die Zufahrt über den Friedhof tatsächlich nur so lange genutzt werden, wie der Interimsbau stehe. "Anschließend wird alles zurückgebaut."

Mehr zum Thema Freital