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Gastwirte im Haustürgeschäft

Viele steigen jetzt wieder auf Essen zum Mitnehmen um. Zum Martinstag haben sich die Köche in der Region schon etwas besonders Leckeres ausgedacht.

Burgertag im Schauhübel Geising: Nicole Henker verkaufte am Sonnabend 170 Portionen außer Haus.
Burgertag im Schauhübel Geising: Nicole Henker verkaufte am Sonnabend 170 Portionen außer Haus. © Egbert Kamprath

Dort, wo es sonst eigentlich Kaffee und Kuchen gibt, herrscht jetzt dicke Luft. Bratendunst wabert durch den Raum, es riecht nach Schnitzel und Pommes. Stephan Schieck kommt aus der Küche, Schweiß auf der Stirn. Es ist ein gutes Zeichen. Bedeutet es doch, dass Koch Schieck und seine Leute von der Hopfenblüte in Freital-Burgk ordentlich zu tun haben. 

150 Portionen haben sie an diesem Wochenende verkauft. Zwölf Haupt- und zwei Kindergerichte hatte Stephan Schick auf die Karte gesetzt, darunter Rouladen, Hirschbraten, Steaks und Fisch. Am Sonntag gegen 11.30 Uhr hatte sich eine lange Schlange vor dem Cafe, in dem jetzt das Essen ausgegeben wird, gebildet. Viele kauften gleich noch Kuchen für den Nachmittag. "Ich bin sehr zufrieden. Vor allem unsere Werbung über Facebook hat richtig was gebracht", sagt der Hopfenblüten-Chef. Viele Stammkunden seien gekommen. "Sie halten uns die Treue. Das freut uns alle sehr und hilft uns jetzt."

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Dass die Gastronomie nun wieder lahmgelegt ist, trifft die gesamte Branche in einem empfindlichen Moment. Noch im Sommer hatten sich viele Betriebe vom Lockdown im Frühjahr erholt. Verhinderte Urlauber und viele innerdeutsche Touristen bescherten den Gaststätten ordentliche Umsätze. Der heiße August und der lange Spätsommer kurbelten zudem das Biergartengeschäft ordentlich an. 

Hopfenblütenwirt-Stephan Schieck verkauft jetzt wieder Schnitzel, Rouladen und Braten außer Haus. Am nächsten Wochenende gibt es zudem Martinsgans.
Hopfenblütenwirt-Stephan Schieck verkauft jetzt wieder Schnitzel, Rouladen und Braten außer Haus. Am nächsten Wochenende gibt es zudem Martinsgans. © Egbert Kamprath

Burgertag im Geisinger Schauhübel

Doch ausgerechnet die Weihnachtszeit, traditionell immer eine umsatzstarke Phase, ist dahin. "Ich glaube nicht, dass wir dieses Jahr überhaupt noch mal öffnen können", befürchtet Stephan Schieck. Umso wichtiger wird jetzt das Geschäft mit dem Abholservice. Für die Hopfenblüte bedeutet es wenigstens ein kleines Einkommen. "So muss ich nicht alle in Kurzarbeit schicken und habe selbst auch etwas zu tun. Einfach zu Hause sitzen - das kann ich nicht", sagt der Gastwirt.  

In Geising holt Nicole Henker aus der Küche neue Burger ans Fenster zum Außerhausverkauf. Was im Frühjahr nach Schließung der Gaststätten schon einmal funktioniert hat, wird jetzt wieder praktiziert. Am Sonnabend war Start mit einem Burgertag. Das Küchenteam hatte alle Hände voll zu tun, um die vorab abgegebenen Bestellungen abzuarbeiten.  Insgesamt 170 Chicken Chrispy-, Wild,- und Angusrindburger gingen mit Süßkartoffelpommes oder Kartoffelecken als Beilage an die Kunden, die geduldig draußen warteten. 

Geworben wird für die Aktion über Plakate in Geising und über das Netz. Bestellt werden kann über Telefon, WhatsApp oder Facebook. Am Sonntag gab es Forelle oder Sauerbraten. Geöffnet ist nur an den Wochenenden, aber es hilft wirtschaften. Nicole Henker schätzt, dass rund ein Drittel der Ausfälle durch die Gaststättenschließung mit dem Außerhausverkauf aufgefangen werden können. Und die Geisinger, doch nicht nur die, sondern auch Leute aus den umliegenden Orten, bestellen nicht nur aus Solidarität zum Schauhübel. Es hat sich rumgesprochen, dass die hausgemachten Burger lecker sind.

Döner-Imbisse im Vorteil

Allerdings - spontan geht nicht viel. Wer in den Gaststätten etwas zum Mitnehmen erwerben möchte, muss schon vorbestellen. Ganz anders agieren die Unternehmer, die ohnehin mit dem Imbissgeschäft arbeiten. In Freital-Potschappel zum Beispiel, wo mehrere Dönerläden um Kunden werben. Dass man sich jetzt hier nicht zum Essen hinsetzen kann, tut dem Umsatz nur wenig Abbruch. 

Zum Sonntag Mittag ist das Saray an der Dresdner Straße gut besucht. Zwei Männer vom Rettungsdienst schleppen gut gefüllte Tüten zu ihrem Auto, weitere Kunden stehen im und vor dem Laden. Die zwei Verkäufer hinter der Theke sind gut beschäftigt. Obwohl sie sich beeilen, müssen die Kunden etwas Geduld mitbringen. Das Geschäft läuft hier wie immer. Vom Lockdown keine Spur - bis auf die hochgestellten Stühle in der Sitzecke.

Warten auf den Sonntagsbraten: Um die Mittagszeit hatte sich an der Hopfenblüte eine Schlange gebildet. Viele Stammgäste halten dem Lokal in der Krise die Treue.
Warten auf den Sonntagsbraten: Um die Mittagszeit hatte sich an der Hopfenblüte eine Schlange gebildet. Viele Stammgäste halten dem Lokal in der Krise die Treue. © Egbert Kamprath

Die Martinsgans ist sicher

Die herkömmliche Gastronomie hat im Frühjahr bereits gelernt, wie das Mitnahmegeschäft funktionieren kann. Nunmehr haben sich alle mit Assietten eingedeckt, Speisekarten geschrieben, eingekauft. Man hat gelernt, was auch beim Verkauf außer Haus funktioniert, was gefragt ist und was nicht. Der Umsatz ist aber nicht annähernd so hoch. "Es fehlt der Getränkeverkauf", sagt der Wirt von der Hopfenblüte. Aber immerhin: Es bleibe noch ein kleiner Gewinn übrig.

Was sich die Wirte keinesfalls entgehen lassen wollen, ist das Geschäft mit der Martinsgans. Die Ware ist ohnehin bestellt, nun muss sie auch abgenommen und verarbeitet werden. Rund um den 11. November, der in diesem Jahr auf einen Mittwoch fällt, bereiten die Köche in den nächsten Tagen das Martinsgans-Essen vor. In der Hopfenblüte zum Beispiel wird es von der Gänsekeule bis hin zum kompletten Tier verschiedene Gerichte geben. "Zwei bis drei Tage Vorlauf brauche ich für eine komplette Gans", sagt Stephan Schieck. 

Auch andere werben mit der Spezialität. So steht schon seit einigen Tagen vor der Burgwartsschänke in Freital ein Aufsteller. Neben dem Gänsegericht sind auch Geschnetzeltes, Zander und Kalbsbraten im Angebot. Dazu gibt es zwei verschiedene Vorsuppen und Nachtische. Wer möchte, kann sich also ein komplettes Menü bestellen. Die Gastronomie - sie wehrt sich und hofft, durchzuhalten.

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