merken
PLUS Freital

Sicher mit dem Fahrrad durch Freital

Die Unfallzahlen unter Radfahrern steigen. Das hat mehrere Ursachen. Bei der Gebietsverkehrswacht möchte man etwas gegen den Trend unternehmen.

Susann Peeck und Steffen Binnewerg öffnen am Sonnabend den Verkehrsgarten Freital.
Susann Peeck und Steffen Binnewerg öffnen am Sonnabend den Verkehrsgarten Freital. © Karl-Ludwig Oberthür

Es gibt eine Ampel, die gerade auf Grün springt, einen Fußgängerüberweg, Fahrspuren mit Abbiegepfeilen - alles wie in echt. Aber Susann Peeck und Steffen Binnewerg stehen nicht auf einer Straße mitten in Freital, sondern im Verkehrsgarten. Die kleine Anlage an der August-Bebel-Straße war bisher vor allem ein Übungsparcours für Kinder.

Schulklassen kamen hierher, um die Sicherheit im Straßenverkehr auf dem Rad zu üben. Doch eigentlich, sagt Steffen Binnewerg, wolle und müsse man auch die erwachsenen Radler mehr schulen. "Es fahren immer mehr Leute Fahrrad, was ja gut ist. Aber es gibt auch mehr Unfälle mit Radfahrern." Binnewerg muss es wissen. Er arbeitet für die Gebietsverkehrswacht in Freital-Dippoldiswalde.

Anzeige
Studium für Pflegeprofis
Studium für Pflegeprofis

Studium und Praxis vereinen? Bewerben Sie sich noch bis zum 1. Dezember 2021 an der ehs Dresden für die innovativen pflegerischen Bachelor- und Masterstudiengänge!

Laut Statistik wurden allein im vergangenen Jahr mehr als fünf Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft. Das war eine Umsatzsteigerung von 17 Prozent im Vergleich zu 2019. Der Bestand an Fahrrädern in deutschen Haushalten liegt bei 79 Millionen Stück, das ist mehr als je zuvor.

Die Schattenseite des Booms: Wo mehr geradelt wird, passieren mehr Unfälle. Nicht alle gehen glimpflich aus. 2020 starben 426 Radfahrer auf deutschen Straßen.

"Darunter waren 142 Menschen auf einem Elektrofahrrad. Das ist ein Anstieg um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr,", schreibt die Bundesverkehrswacht auf ihrer Homepage. Gefährdet seien vor allem ältere Menschen, die nicht nur eine Hauptnutzergruppe bilden würden, sondern generell ein erhöhtes Unfall- und Verletzungsrisiko hätten.

Problem Nummer 1: Viele Radfahrer sind unsicher

Binnewerg, ein pensionierter Polizist, ist zuständig für den Freitaler Verkehrsgarten. Seine Tochter Susann Peeck unterstützt ihn. Beide zusammen sagen sie: Es werden viele Fehler gemacht, von Rad- wie von Autofahrern. "Aber die Autofahrer haben eine Knautschzone um sich herum, Radfahrer und Fußgänger nicht", ergänzt Binnewerg.

Eine Hauptunfallursache: Viele Radfahrer sind unsicher bei der Handhabung. Bei Kindern muss man damit rechnen, Radfahren ist Übungssache. Aber auch die ältere Generation ist betroffen, wie Binnewerg sagt: "Viele kaufen sich jetzt ein E-Bike und steigen erstmals seit Jahren wieder aufs Rad. Ihnen fehlt die Übung. Außerdem sind die E-Bikes auch noch schneller."

Deshalb stehe der Verkehrsgarten selbstverständlich auch den Erwachsenen zur Verfügung, um zu üben. Binnewerg: "Es ist wichtig, sich erst einmal mit dem neuen Rad vertraut zu machen und das Aufsteigen, Anfahren, Bremsen, einhändig Fahren zu verinnerlichen." Wer nicht in einem Verkehrsgarten üben wolle oder könne, dem empfiehlt der Ex-Polizist, zum Beispiel auf glatten Waldwegen das Können zu verfeinern.

Problem Nummer 2: Missachtung der Verkehrsregeln

Ein weiteres Unfallrisiko liegt in der mangelnden Disziplin auf den Straßen. Vor allem viele Jugendliche und junge Erwachsene pfeifen auf die Verkehrsregeln, hat Binnewerg beobachtet. Für Freital nennt er die Radschutzstreifen als Beispiel. "In Hainsberg auf der Dresdner Straße gibt es auf beiden Seiten welche, aber ich sehe dort immer wieder Radfahrer den Fußweg benutzen." Oder sie fahren entgegengesetzt der Fahrtrichtung auf Radwegen.

Das Rot an Ampeln wird von Radfahrern gerne ignoriert, ebenso die Einbahnstraßenregelung. Doch es sind nicht nur die Radler, die Fehler machen.

Viele Autofahrer haben noch nicht die neue Abstandsregelung beim Überholen von Radfahrern verinnerlicht. Innerorts sollte der Abstand mindestens 1,50 Meter betragen, außerorts zwei Meter. So schreibt es die Straßenverkehrsordnung vor. "Viele Autofahrer machen das vorbildlich, viele aber überholen viel zu eng", sagt Steffen Binnewerg.

Problem Nummer drei: Die Ausrüstung der Radfahrer

Licht am Rad, eine Klingel, reflektierende Kleidung - man braucht nicht viel als Radfahrer, um besser für die eigene Sicherheit zu sorgen. Sichtbarkeit ist das Zauberwort.

Als nahezu fahrlässig betrachten die Experten Radfahrer, die keinen Helm benutzen. Besonders in der Altersgruppe 20 bis 50 scheint der Kopfschutz verpönt zu sein. "Am gruseligsten finde ich Eltern, die ohne Helm mit dem Rad unterwegs sind, während die Kinder brav ihren Helm tragen", sagt Susann Peeck. Wo bleibe da die Vorbildfunktion, fragt sie und kommentiert: "Aber Hauptsache, die Frisur sitzt."

Denn Fakt ist: Der Kopf ist beim Radfahrer der am meisten gefährdete Körperteil. Steffen Binnewerg demonstriert dies Besuchern des Verkehrsgartens gerne anhand einer Melone oder eines rohen Eis. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was passiert, wenn Ei oder Melone auf den Asphalt aufprallen. "Und dann stelle man sich mal einen Radfahrer ohne Helm vor", sagt Binnewerg.

Auch Susann Peeck kann nur jedem raten, den Kopf gut zu schützen. "Es gibt so viele moderne Helme, die richtig stylisch aussehen."

Die Gebietsverkehrswacht öffnet am 18. September, von 9 bis 14 Uhr, den Verkehrsgarten an der August-Bebel-Straße. Es werden Fahrräder codiert, der Parcours steht für Übungszwecke zur Verfügung.

Mehr zum Thema Freital