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"Wir wurden von dem Problem überrollt"

Nach dem Streit um die Leerung der Gelben Tonnen in Freital äußert sich jetzt der Niederlassungsleiter des Entsorgungsunternehmens.

Heiko Scheffel leitet die Niederlassung von Kühl in Heidenau, unter anderem zuständig für die Leerung der Gelben Tonnen.
Heiko Scheffel leitet die Niederlassung von Kühl in Heidenau, unter anderem zuständig für die Leerung der Gelben Tonnen. © Norbert Millauer

Dieser Post aus Facebook in der Gruppe Stadtfreunde Freital liest sich wie der Kommentar zur Lage: "Juhu, Gelbe Tonne auf der Bergmannssiedlung geleert!!!!!!", schrieb ein Nutzer kürzlich. Zuvor standen die Behälter wochenlang rappeldicke voll auf den Grundstücken. Und nicht nur dort.

Auch in Hainsberg an der Rabenauer Straße, der Oberhausener Straße und den Wohnblöcken Auf der Scheibe funktionierte die Abholung nicht. Probleme gab es auch in Pesterwitz. Anwohner berichten, dass in manchen Fällen kurz vor den Weihnachtsfeiertagen zuletzt geleert wurde. Im Wilsdruffer Ortsteil Oberhermsdorf blieben ebenfalls Gelbe Tonnen stehen.

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Schnell wurde Kritik am zuständigen Entsorger laut, der Firma Kühl Entsorgung und Recycling mit Sitz in Heidenau. Das Unternehmen ist seit Jahresanfang für die Leerung der Gelben Tonnen im gesamten Landkreis zuständig.

Warum das noch nicht reibungslos abläuft, erklärt Heiko Scheffel, Niederlassungsleiter bei Kühl.

Herr Scheffel, sind es noch Startschwierigkeiten, dass in Freital volle Gelbe Tonnen stehen blieben?

Es kamen mehrere Faktoren zusammen. Da war der Wintereinbruch, viele Straßen waren schlecht geräumt. Unsere Fahrzeuge sind im Stopp-and-Go-Betrieb unterwegs. Das ist gerade bergan oder bergab eine völlig andere Situation, als wenn Sie mit einem Pkw unterwegs sind. Die großen Autos kommen viel schneller ins Rutschen. Und wo aus Pkw-Fahrersicht geräumt ist, passt manches große Auto eben nicht durch. Was sollen wir denn machen, wenn gerade mal in Multicar-Breite der Schnee geschoben ist?

Könnte man kleinere Fahrzeuge einsetzen?

Ja, natürlich. Aber die kleinen Fahrzeuge sind bereits auf geplanten Touren eingesetzt und somit komplett ausgelastet.

Welche Gründe gab es noch, dass Tonnen voll stehen blieben?

Viele Tonnen wurden falsch befüllt. Da lag Abfall drin, der nicht hineingehört. Zum Beispiel alte Bodenbeläge, Teppichleisten, Gemüse und Fleisch, Damenbinden. Das hat in einer Gelben Tonne nichts zu suchen!

Was machen die Fahrer in solchen Fällen?

Unsere Fahrer sind angehalten, solche Tonnen stehen zu lassen. Sie machen dann einen roten Aufkleber auf die Tonne. Zudem informieren wir die Grundstückseigentümer oder die Vermieter, den Müll ordnungsgemäß zu trennen. In einigen Fällen haben unsere Fahrer wohl die roten Aufkleber nicht an die Tonnen gemacht, sodass viele Mieter sich geärgert haben, dass die Tonnen nicht mitgenommen wurden - ohne den genauen Grund zu kennen.

Nehmen solche Fehlbefüllungen zu?

Leider ja. Beim Gelben Sack gab es das auch, aber Bodenbeläge und Sperrmüll zum Beispiel konnte man da nicht reinschmuggeln. Das wäre sofort aufgefallen. Mit der Gelben Tonne wird es für manche bequemer, ihren Müll schnell loszuwerden.

Immer wieder werfen Bürger Fremdstoffe in die Gelben Tonnen, wie hier Teppichleisten. Behälter mit Fremdstoffen werden so lange nicht geleert, bis der falsche Müll aussortiert wurde.
Immer wieder werfen Bürger Fremdstoffe in die Gelben Tonnen, wie hier Teppichleisten. Behälter mit Fremdstoffen werden so lange nicht geleert, bis der falsche Müll aussortiert wurde. © Kuehl Entsorgung und Recycling G

Mancher denkt vielleicht, dass der Verpackungsmüll eh nur verheizt wird.

Das ist falsch! Alles, was in der Gelben Tonne landet, wird sortiert. Entweder händisch oder per Sortiermaschine werden die Stoffe herausgeholt, die wiederverwertbar sind. Und diese werden auch wiederverwertet. Nur was nicht sortiert werden kann, vor allem die Verbundstoffe, werden thermisch verwertet. Letztendlich wird alles einem Nutzen zugeführt.

Zurück zum Problem in Freital: Dort gibt es einen Konflikt mit Großvermietern, die sich weigern, die Gelben Tonnen an den Straßenrand zu stellen. Prompt blieb der Müll stehen.

Ja, das ist eine unglückliche Situation für alle. Fakt ist, dass die 240-Liter-Tonnen nur dann geleert werden, wenn sie pünktlich sechs Uhr morgens am Straßenrand stehen. Das haben wir nicht festgelegt, sondern so stand es in der Ausschreibung. Und so wird es auch bei den anderen Tonnen, also Papier, Bio und Restmüll, gehandhabt. Die großen 1000-Liter-Behälter bekommen dagegen einen Full-Service, werden also von unseren Fahrern aus dem Grundstück geholt, geleert und wieder zurück gestellt.

An der Oberhausener Straße in Freital-Hainsberg blieben die Tonnen wochenlang ungeleert. Inzwischen sei der Abfall dort abgeholt, versichert die Firma Kühl.
An der Oberhausener Straße in Freital-Hainsberg blieben die Tonnen wochenlang ungeleert. Inzwischen sei der Abfall dort abgeholt, versichert die Firma Kühl. © Karl-Ludwig Oberthür

Viele Vermieter haben aber kleine statt große Tonnen bekommen, was bereits im Herbst für Ärger und Verunsicherung sorgte.

Ja, und das ist das Problem. Im September 2020 gab es eine Abfrage, wer von den Freitaler Großvermietern welche Tonnengröße haben möchte. Viele, darunter zum Beispiel auch die Freitaler Wohnungsgenossenschaft an der Rabenauer Straße, beantragten die Rollcontainer. Leider ist dann bei der Verteilung etwas schiefgelaufen. Ein damit beauftragtes Unternehmen hat im Landkreis rund 105.000 Gelbe Tonnen aufgestellt. Da kann es schon mal zu Fehlern kommen.

Und nun?

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Seit Wochen wurden die Behälter an etlichen Grundstücken nicht geleert. Die Anwohner sind wütend, die Vermieter ratlos.

Wir wurden von den Änderungswünschen überrollt. Meine Mitarbeiter, die für den Fehler nichts konnten, mussten und müssen sich von den Bürgern einiges anhören. Der Austausch der kleinen gegen die großen Behälter hat aber begonnen. Seit dem 1. Dezember haben wir im Behälterdienst schon 5.300 Tonnen bewegt und es geht weiter - auch in Freital. Auch die Wohnanlagen, die noch gar keine Gelbe Tonne haben, bekommen welche. Das wird nach und nach abgearbeitet. Übergangsweise nehmen wir bis Ende Februar auch noch die Gelben Säcke mit.

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