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"Kein Klinikpatient muss Angst vor Schmerzen haben"

Matthias Popp leitet an den Weißeritztal-Kliniken die Anästhesie. Er spricht über Methoden, den Schmerz auszuschalten, und über chronische Schmerzen.

Von Annett Heyse
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Dr. Matthias Popp ist der Chefarzt der Anästhesie am Standort Freital der Weißeritztal-Kliniken.
Dr. Matthias Popp ist der Chefarzt der Anästhesie am Standort Freital der Weißeritztal-Kliniken. © Karl-Ludwig Oberthür

Der Chefarzt der Anästhesie hat nur ein kleines Büro mit Besprechungstisch. An den Wänden dahinter hängen Darstellungen von historischen Inhalationsgeräten. Heute sind die Geräte und Hilfsmittel, derer sich Matthias Popp bedient, deutlich filigraner. Und auch die Entwicklung der Narkosemedizin hat große Fortschritte hingelegt.

"Angst vor Schmerzen muss man eigentlich nicht mehr haben, wenn man in ein Krankenhaus kommt", sagt Popp. Doch der Anästhesist ist nicht nur für die Betäubung bei Operationen zuständig. Im Interview spricht er über die Schmerzbehandlung nach OPs und die Arbeit mit chronisch schmerzgeplagten Patienten.

Herr Popp, bei Anästhesie denkt jeder medizinische Laie doch sofort an den Mann mit der Narkosemaske, oder?

Ja, dabei können wir noch viel mehr. Einerseits begleiten wir Operationen und ermöglichen schmerzfreie Eingriffe. Auch in den Tagen nach den Operationen sind wir in die Weiterbehandlung der Patienten eingebunden, solange sie sich noch im Krankenhaus aufhalten. Wir sorgen dafür, dass sich die Schmerzen auf ein Mindestmaß reduzieren und die Schmerzmittel dann allmählich abgesetzt werden. Andererseits gehören zu unseren Aufgaben noch drei weitere Felder.

Welche denn?

Wir arbeiten in der Intensivüberwachung, in der Notfallmedizin und in der Schmerztherapie. Speziell in der Schmerztherapie geht es um die Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen. Dieses Angebot haben wir am Standort Freital in den vergangenen Jahren ausgebaut.

Chronische Schmerzen - wo kommen die her?

Mitunter entstehen diese nach medizinischen Eingriffen, das betrifft aber den geringeren Teil der Patienten. Viel öfters entstehen chronische Schmerzen aufgrund von Störungen im Bewegungsapparat. Rückenschmerzen sind dafür ganz typisch.

Was können Sie als Narkosearzt dagegen tun? Schmerzmittel geben?

Es ist nicht das Ziel der Schmerztherapie, noch mehr Medikamente zu verschreiben, als manche Patienten ohnehin schon nehmen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Es geht um die Entwöhnung von Schmerzmitteln und gleichzeitig um die Bewältigung der Schmerzen. Dafür verfolgen wir im Team mit Physiotherapeuten, Fachärzten und Psychologen einen ganzheitlichen Ansatz.

Also es geht sozusagen um ein richtiges Programm?

Genau, die Patienten kommen zu uns in Behandlungszyklen von drei Wochen, voll- oder teilstationär. Wir bilden Gruppen und stellen einen Therapieplan zusammen. Dazu gehört viel Physiotherapie und Bewegung, denn vor allem geht es um die Mobilisierung. Um die Patienten zusätzlich zu motivieren, gibt es Gespräche mit dem Psychologen. Denn Menschen, die schon lange unter chronischen Schmerzen leiden, sind mitunter auch psychisch sehr angekratzt.

Gibt es eine hundertprozentige Erfolgsquote?

Nein, manche Patienten müssen lernen, mit einem gewissen Schmerz zu leben. Psychologen helfen dabei, Taktiken und Tricks zu entwickeln, um die Schmerzsituationen gut aushalten zu können. Aber wer so eine dreiwöchige Therapien mitmacht, sollte nach der Zeit schon eine deutliche Verbesserung verspüren und anschließend kann es mit ambulanter Betreuung weitergehen.

Da haben Sie es mit Ihren Patienten im OP-Saal einfacher, oder?

Da wissen wir, der Patient leidet nach einer OP noch zwei oder drei Tage an Schmerzen, danach wird es weniger und wir können die Medikamentengabe zurückfahren und schließlich ganz einstellen.

Hat sich die Anästhesie in den vergangenen Jahren verändert?

Ja, in den vergangenen 10 bis 15 Jahren gab es viele Neuerungen. Heute arbeiten wir sehr viel mit Ultraschall. Das heißt, per Ultraschallbild können wir Nervenbahnen sehr genau orten und dort zielgenau Katheter platzieren, um Schmerzmittel zu verabreichen. Das machen wir oft schon vor der Operation und können dann nach der OP ganz gezielt Medikamente an die Nerven leiten, um den Schmerz auszuschalten. Früher haben wir noch mit elektrischer Stimulation gearbeitet, das macht man heute teilweise noch in Kombination mit Ultraschall.

Es gibt in Deutschland Rankings, welche Klinik in welchen Bereichen gut ist. Gibt es so etwas auch für Ihre Abteilung?

Wir Anästhesisten betreiben, wie andere Klinikabteilungen auch, ein Qualitätsmanagement, welches online verwaltet wird. Jeder Patient wird detailliert befragt und die Antworten werden eingegeben. Am Jahresende haben wir ein Ergebnis, an dem man ablesen kann, wie zufrieden die Patienten mit der Schmerzbehandlung gewesen sind.

Und wie schneiden die Helios Weißeritztal-Kliniken ab?

Wir liegen von deutschlandweit rund 300 Krankenhäusern, die über dieses Onlineportal Werte eingeben, im Vorderfeld. Für mein 20-köpfiges Ärzteteam und mich ist das ein gutes Ergebnis.