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Der Neue auf der Diabetes-Station

Im Freitaler Klinikum leitet jetzt Andreas Reichel den Fachbereich. Der ehemalige Sportler übernimmt eine Abteilung mit steigenden Patientenzahlen.

Andreas Reichel ist der neuer Chefarzt der Diabetologie. Er war zuvor an der Uniklinik Dresden.
Andreas Reichel ist der neuer Chefarzt der Diabetologie. Er war zuvor an der Uniklinik Dresden. © Egbert Kamprath

Da ist er schon drei Monate an seinem neuen Arbeitsplatz und dann das: Der Kittel passt nicht. Andreas Reichel ruckelt die Ärmel zurecht, aber es hilft nichts. Er braucht eine Nummer größer. Die Bestellung ist längst raus, doch die Lieferung lässt auf sich warten. Davon abgesehen, fühlt sich der neue Chefarzt der Diabetologie an den Helios Weißeritztal-Kliniken in Freital sehr gut aufgehoben.

"Ich habe hier ein hervorragendes Arbeitsklima vorgefunden mit sehr engagierten und kompetenten Kollegen und Mitarbeitern." Mit unglaublicher Energie seien alle bei der Sache - trotz Corona-Pandemie.

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Andreas Reichel hat im November die Leitung der Abteilung von Matthias Weck übernommen. Bis dahin arbeitete Reichel 30 Jahre am Universitätsklinikum Dresden und leitete dort ebenfalls den Fachbereich Diabetologie. Es ist deutschlandweit - leider - eine Abteilung mit Wachstumspotenzial.

Diabetes ist die Volkskrankheit Nummer eins

Diabetes ist auf dem Vormarsch. Bereits mehr als acht Millionen Deutsche leiden an der Volkskrankheit Nummer eins. Experten gehen davon aus, dass es bis 2040 rund 12 Millionen Zuckerkranke geben könnte. Es gibt mehrere Diabetes-Typen, wobei der Typ 1 und der Typ 2 am häufigsten vorkommen.

Beim Diabetes-Typ-2, volkstümlich auch als Alterszucker bekannt, verringert sich die Wirkung des Insulins und lässt den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen. Ursachen können erbliche Veranlagungen sein, aber auch Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel und das Lebensalter spielen häufig eine Rolle. Betroffen ist fast jeder zehnte Deutsche.

Beim Diabetes-Typ-1 verhält es sich etwas anders. Hier produziert die Bauchspeicheldrüse der Patienten zu wenig oder kein Insulin mehr. "Im Prinzip ist das eine Autoimmunerkrankung, die in jedem Lebensalter auftreten kann. Viele Betroffene sind jedoch jung und müssen ihr Leben lang regelmäßig Insulin zuführen. In Deutschland gibt es etwa 280.000 Typ-1-Diabetiker", erklärt Reichel.

Neue Behandlungstechniken anwenden

Der 59-Jährige hat einst an der Uniklinik in Dresden studiert, dort seinen Facharzt für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Hormonerkrankungen und Diabetes absolviert, später promovierte er. Zuletzt war er in Dresden leitender Oberarzt.

An der Uniklinik hatte Andreas Reichel die Möglichkeit, eine Ambulanz speziell für die Behandlung von Typ-1-Diabetikern aufzubauen. Und da hat sich in den vergangenen Jahren technisch viel getan. Vorbei die Zeiten, als alle Patienten ihren Blutzucker messen und dann eine Spitze ins Bauchfettgewebe setzen mussten.

Kann man alles machen, deutet Reichel an, aber es gebe neuere Methoden. Insulinpumpen zum Beispiel, die über Glukose-Sensoren - manche davon implantiert - gesteuert werden. Oder die Insulinzufuhr mittels kleinem Schlauch direkt in den Bauchraum, alles digital überwacht.

Reichel ist ein Fan dieser Technik. Bereits in seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich damit. In Dresden behandelte er gut 450 Patienten aus ganz Sachsen, gut zwei Drittel werden ihm treu bleiben und in Zukunft ans Freitaler Krankenhaus kommen. Denn solche Therapieverfahren werden nur in wenigen ausgewählten Kliniken angeboten - Freital ist nun eine davon.

Bewegung ist die beste Prävention

Die Weißeritztal-Kliniken haben sich mit der Behandlung von Diabetes-Patienten einen guten Ruf erarbeitet. Zu verdanken ist dies auch Matthias Weck, Reichels Vorgänger in Freital. Weck baute die Diabetologie kontinuierlich auf und trug zu zahlreichen erfolgreichen Zertifizierungen und Qualitätsbescheinigungen bei.

Auch ein Adipositas-Zentrum, welches sich speziell stark übergewichtigen Patienten widmet, wurde erfolgreich installiert. Andreas Reichel möchte das nun fortsetzen. Gerade auch Diabetes Typ 2 könne man gut in den Griff bekommen, sagt der Arzt. "Die beste Prävention ist Bewegung, Bewegung, Bewegung."

Reichel selbst ist da ganz Vorbild. Er war einst Leistungsschwimmer, sein größter Erfolg war ein sechster Platz bei der Weltmeisterschaft 1982. Mehrmals war er DDR-Meister auf den 200- und 400-Meter-Lagenstrecken. Heute spielt er Wasserball und geht Tauchen.

Auf Teamarbeit setzt er auch als Mediziner. Arzt und Patient müssen an einem Strang ziehen, gerade bei Diabetes. Es ist eine Krankheit, die von den Betroffenen ihr Leben lang ein hohes Maß an Disziplin erfordert - dann kann man die Symptome auch gut in den Griff bekommen.

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