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Hier wächst Freitals wirtschaftliche Zukunft

Am F1 Freitaler Technologiezentrum geht Corona nicht vorbei. Doch Geschäftsführer Alexander Karrei kann trotzdem gute Nachrichten verkünden.

Alexander Karrei führt seit 2017 die Geschäfte bei der TGF .
Alexander Karrei führt seit 2017 die Geschäfte bei der TGF . © Karl-Ludwig Oberthür

Herr Karrei, wie hat sich das F1 Freitaler Technologiezentrum 2020 entwickelt?

Es war ja so, dass die Corona-Thematik für alle, auch für uns, ziemlich überraschend kam. Am Anfang wurde viel darüber geredet, dass es Firmen und Vermieter sehr hart treffen wird. Und tatsächlich sind ja auch Unternehmen betroffen. Wir sind allerdings im F1 Freitaler Technologiezentrum durch einen guten Branchenmix gekennzeichnet, sind breit aufgestellt. Deshalb hatten wir durchaus die Hoffnung, dass wir gut durch diese Zeit kommen. Und tatsächlich hat sich das auch bestätigt. Wir konnten den Vermietungsstand im Haus sogar etwas steigern, haben jetzt reichlich 90 Prozent unserer Flächen vermietet.

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Wie sehen die wirtschaftlichen Ergebnisse im Jahr 2020 aus?

Wir gehen davon aus, dass wir weiterhin positive Ergebnisse darstellen können. Im letzten Wirtschaftsplan haben wir den Ausblick bis 2025 auch komplett positiv gegeben. 2020 ist buchhalterisch noch nicht abgeschlossen, die Zahlen sind noch vorläufig, aber wir werden wieder ein Plus machen, dass noch etwas größer ist als in den vergangenen Jahren. 2018 hatten wir 110.000 Euro Gewinn, 2019 circa 120.000 Euro und 2020 wird es, wie gesagt, noch einmal darüber liegen.

Gab es Fluktuation bei den Mietern im Haus?

Es gab keine Corona bedingte Kündigung. Insgesamt haben wir ziemlich stabile Mietverhältnisse. Einige Firmen haben sich im Haus sogar erweitert und wir haben eine Neuansiedlung. Wegen der Mietzahlungen kamen manche auf uns zu, aber das haben wir alles gut geklärt. Zum einen gab es dazu einen gesetzlichen Rahmen, zum anderen haben wir direkt mit den Mietern Vereinbarungen bezüglich der Zahlungen getroffen, die auch alle eingehalten wurden.

Um wen handelt es sich denn bei der Neuansiedlung?

Das ist die Firma C4 Laser Technology, ein Start-up-Unternehmen mit Gründern, die schon Erfahrungen mit Unternehmensgründungen haben, aber natürlich noch jung genug, um neu durchzustarten. Die Firma ist seit September eingemietet.

Gibt es Ausgründungen?

Ja, die Firma Torsten Meißner Konstruktion und Verkauf von Maschinen wird uns verlassen. Das ist eine gute Nachricht. Die Firma hat sich bei uns so gut entwickelt, dass Herr Meißner einen eigenen Firmensitz als Neubau im Gewerbegebiet F2 in Freital hat bauen lassen. Das Unternehmen bleibt also in Freital. Das freut und sehr und es zeigt, dass unser Weg mit dem F1 und dem Herrichten von Gewerbeflächen genau richtig ist. Im März werden die Räume von Meißner hier im Haus dann beräumt sein und wir können sie neu vergeben. Da gibt es schon Gespräche mit Interessenten.

Wie groß ist die Angst, dass die Corona bedingte Pleitewelle erst noch kommt?

Wir beobachten den Markt und schauen uns die Situation ganz genau an. Wir haben in den letzten Jahren unsere Kosten massiv gedrückt, zum Beispiel sind deutlich günstigere Finanzierungskonditionen mit der Stadt ausgehandelt worden. Wir haben jetzt also nicht mehr einen Zinssatz von 3,4 Prozent für unser Gesellschafterdarlehen, sondern nur noch 1,05. Dadurch entstehen gewaltige Zinsersparnisse und wir haben uns ein bisschen Raum geschaffen auch für schlechte Zeiten. Das gelang uns aber nur in enger Zusammenarbeit mit unserem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern.

Gibt es denn noch andere Firmen, die auf dem Sprung sind?

Die Firma Watttron ist zumindest ein Kandidat. Sie ist im Haus weiter gewachsen. Uns ist es dafür gelungen, andere Mieter zum Flächentausch zu bewegen, sonst hätte die Firma Watttron Platzprobleme bekommen. Sie will aber gerne in Freital bleiben und wir wollen das natürlich unterstützen. Wir haben auch schon Flächen für die Firma in unserem hoffentlich neuen F3 Freitaler Technologiepark Ost vorgesehen, aber ob das funktioniert, müssen wir noch abwarten.

Was gibt es denn in Freital noch für Flächen, die man für Gewerbe entwickeln kann?

Die Flächen des F2 Freitaler Technologiepark sind komplett verkauft. Von den Flächen im F2_A Erweiterung Freitaler Technologiepark sind zwei Drittel verkauft, zu allen anderen Flächen sind wir in konkreten Verhandlungen. Wir gehen davon aus, dass Ende 2022 alles verkauft sein wird. Wir spüren bisher keinen Nachfrageeinbruch. Eine Firma hat wegen Corona ihr Interesse erst einmal verschoben. Das positive Beispiel: Die Natur + Stein GmbH und die Galabauprofis GmbH – das sind zwei Unternehmen mit demselben Gesellschafter – kommen mit circa 90 Mitarbeitern aus Dresden nach Freital. Der neue Firmensitz ist fertiggestellt. Und in das Areal rund um die Porzelline könnte demnächst Bewegung kommen, aber dazu laufen noch Untersuchungen. Da müssen wir die Entwicklung abwarten.

Was ist mit dem sogenannten Projekt F3 in Freital-Birkigt?

Dafür haben wir Fördermittel beantragt und noch nachgeforderte Unterlagen eingereicht. Bis April 2021 rechnen wir mit einer hoffentlich positiven Entscheidung. Sollte die kommen, könnte noch dieses Jahr der Abriss der alten Industrie-Gebäude beginnen. Die Baufeldfreimachung und die Erschließung würden im Anschluss folgen. Wir haben engmaschige Beprobungen für die Gebäude, den Baugrund und das Grundwasser anfertigen lassen. Wir sind uns also relativ sicher, dass wir über die Altlastenkonzentrationen gut Bescheid wissen. Ende 2022 könnte das Areal erschlossen sein, sodass wir 2023 mit dem Verkauf starten könnten. Es geht um insgesamt circa 14.500 Quadratmeter zu vermarktende Gewerbefläche. Auch hier haben wir für alle Grundstücke Kaufinteressenten, unter anderen die Firma Watttron sowie Freitaler Traditionsunternehmen. Das F3 wird für uns ein sehr anspruchsvolles Projekt, da auf einer relativ kleinen Fläche große Investitionen getätigt werden müssen.

Was macht Ihnen persönlich Sorgen mit Blick auf die Situation?

Ich frage mich schon manchmal, wie lange die gute allgemeine wirtschaftliche Lage noch anhält. Momentan sind wir mit der TGF GmbH wenig betroffen, aber trotzdem können wir ja nicht zufrieden sein, wenn unser Umfeld Probleme bekommt und leidet. Sollte es auch in Zukunft infolge Corona zu einem weiteren Wegbrechen der Gewerbesteuereinnahmen in den Kommunen kommen, stehen natürlich viele Maßnahmen auf der Kippe. Das hat dann immer auch Auswirkungen auf Investitionen und somit direkt auf die nachgelagerten Firmen, die davon leben. Und auch wenn es für allerlei kommunale Projekte Fördermittel gibt, muss man sich die jeweiligen Eigenanteile auch leisten können.

Herr Karrei, die Technologie- und Gründerzentrum Freital GmbH wird zehn Jahre alt. Was ist aus Ihrer Sicht besonders bemerkenswert?

Wir haben es in relativ kurzer Zeit geschafft, wirtschaftlich solide gut dazustehen und auch einen positiven Ausblick in die Zukunft bieten zu können. Darauf können wir in der Stadt Freital stolz sein. Vor sieben Jahren ist das F1 fertiggestellt worden. Ich selbst bin seit 2011, dem Gründungsjahr der Gesellschaft, dabei, zunächst als Projektmanager und seit 2017 als Geschäftsführer. Dabei hatte ich das große Glück, mir mit dem Technologiezentrum meinen Arbeitsplatz quasi „selber“ bauen zu dürfen. Einen wesentlichen Anteil am erfolgreichen Gelingen hat die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit unserem Aufsichtsrat, mit der Stadt Freital, den anderen kommunalen Gesellschaften sowie den meist ortsansässigen Firmen.

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Alexander Karrei leitet ab 2017 Freitals wichtigsten Wirtschaftsstandort. In der Stadt ist er kein Unbekannter.

Ganz wichtig und wahrscheinlich zu selten erwähnt ist das große Engagement unserer Mitarbeiter bei der TGF und der FPE, was in einem kleinen Team, das ab 2021 von Frau Güttel unterstützt wird, überlebenswichtig ist. Ich möchte die Gelegenheit nutzen um mich bei Frau Spanner, Frau Tillig, Frau Mazur und Herrn Schicht zu bedanken. Das F1 ist für die Stadt Freital ein wichtiger Wirtschaftsstandort und ein nicht zu unterschätzender Imageträger. Das gleiche gilt für die Gewerbegebiete F2, F2_A und in Zukunft auch das F3.

Das Gespräch führte Tilman Günther.

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