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Seifenkisten testen Strecke in Somsdorf

Freital erlebt einen Vorgeschmack auf die Europameisterschaft. Manches funktionierte gut, einiges nicht.

Beim Testlauf für die Europameisterschaften im Seifenkistenrennen war auch Klaus Reißmann dabei. Der 83-jährige Weixdorfer war der älteste Starter.
Beim Testlauf für die Europameisterschaften im Seifenkistenrennen war auch Klaus Reißmann dabei. Der 83-jährige Weixdorfer war der älteste Starter. © Egbert Kamprath

Thomas Käfer juckt es in den Fingern. Zu gern würde der Kleinnaundorfer heute in einer Seifenkiste sitzen, um mit ihr auf der Höckendorfer Straße von Somsdorf nach Coßmannsdorf herunter zu flitzen. Doch stattdessen steht er am Straßenrand, ist einer der Streckenposten bei dem Spektakel, das an diesem Sonntag stattfindet.

Doch es ist wichtig – denn Käfer, seine Mitstreiter vom Kleinnaundorfer Heimatverein G-Haus und 24 Fahrer testen die Strecke, die in wenigen Wochen Austragungsort der 39. Europameisterschaft im Speed Down werden soll. Die Strecke ist dafür geeignet. Das weiß Käfer – und das bescheinigen ihm auch die Fahrer.

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Strecke ist schnell und anspruchsvoll

Fabian Schumann aus dem Bannewitzer Ortsteil Cunnersdorf ist begeistert. "Die Strecke ist schnell und anspruchsvoll. Angst, zu stürzen, habe ich nicht." Ähnlich urteilt Klaus Reißmann, der in einem umgebauten Gokart-Wagen sitzt und mit seinen 83 Jahren der älteste Testpilot ist. Auch er steuert den Berg mehrmals herunter. "Schwer gibt es bei mir nicht", sagt er. Auch er hält die Strecke für anspruchsvoll.

Begeistert ist auch James Richard. Der Schweizer, der ehrenamtlich im Organisationskomitee der internationalen Organisation für Speed Down FISD arbeitet, beobachtet die Testläufe. Seine Organisation stellt die Regeln für die EM auf und kontrolliert, ob diese auch eingehalten werden. "Die Rennstrecke ist sehr interessant und sehr anspruchsvoll." Das sei genau das, was seine Organisation sucht.

"Die Fahrer werden viel Spaß haben", ist sich der Schweizer sicher. Allerdings ist noch offen, ob und wie die EM wegen der Corona-Pandemie stattfinden kann. Gegenwärtig plant das Team um Thomas Käfer, dass der Wettbewerb vom 23. bis 25. Juli stattfindet. "Wir hoffen, dass Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht", sagt Henryk Wollny, der für Deutschland im FISD sitzt und ebenfalls als Beobachter vor Ort ist.

Richard James aus der Schweiz, Henry Wollny aus Thüringen und Thomas Käfer aus Kleinnaunsdorf schauten sich an, ob die EM in Somsdorf funktioniert.
Richard James aus der Schweiz, Henry Wollny aus Thüringen und Thomas Käfer aus Kleinnaunsdorf schauten sich an, ob die EM in Somsdorf funktioniert. © Egbert Kamprath
Am Testlauf für die EM im Seifenkistenrennen beteiligten sich 24 Fahrer, in kurzen Abständen den Berg Richtung Freital herunterrollten.
Am Testlauf für die EM im Seifenkistenrennen beteiligten sich 24 Fahrer, in kurzen Abständen den Berg Richtung Freital herunterrollten. © Egbert Kamprath
Unter den Startern war auch Fabian Schumann aus dem Bannewitzer Ortsteil Cunnersdorf. Die Seifenkiste hat sich die Familie erst in diesem Jahr zugelegt.
Unter den Startern war auch Fabian Schumann aus dem Bannewitzer Ortsteil Cunnersdorf. Die Seifenkiste hat sich die Familie erst in diesem Jahr zugelegt. © Egbert Kamprath
Die Strecke ist rund zwei Kilometer lang. Sie ist anspruchsvoll und genau richtig für die EM, sagt James Richard vom EM-Ausrichter FISD.
Die Strecke ist rund zwei Kilometer lang. Sie ist anspruchsvoll und genau richtig für die EM, sagt James Richard vom EM-Ausrichter FISD. © Egbert Kamprath
Oldtimertraktoren brachten die Seifenkisten über die Straße "Alter Berg" wieder nach oben.
Oldtimertraktoren brachten die Seifenkisten über die Straße "Alter Berg" wieder nach oben. © Egbert Kamprath
Annegret und Lothar Jander kam aus Bockwen bei Meißen, um sich das Spektakel anzuschauen.
Annegret und Lothar Jander kam aus Bockwen bei Meißen, um sich das Spektakel anzuschauen. © Egbert Kamprath
Andere machten es sich auf einer Mauer bequem, um den Rennfahrern zuzusehen.
Andere machten es sich auf einer Mauer bequem, um den Rennfahrern zuzusehen. © Egbert Kamprath

Das Interesse an der EM ist groß. Bisher haben sich rund 250 Starter angemeldet, die Veranstalter rechnen mit 3.000 bis 5.000 Besuchern pro Renntag.

Am Sonntag wollten Käfer und sein Team wissen, wie der Wettkampf logistisch zu meistern ist. "Da liegt noch eine Menge Arbeit vor uns", sagt der Kleinnaundorfer nach den ersten Testfahrten. Um den Wettbewerb abzusichern, braucht er knapp 100 gut ausgebildete Streckenposten. Für den Testlauf am Sonntag hatten sich 30 Freiwillige aus Cunnersdorf, Somsdorf, Possendorf und anderen Orten gemeldet. "Das ist eine bunt zusammengewürfelte Truppe", sagt Käfer.

Streckenposten müssen geschult werden

Bei allem Enthusiasmus der Helfer, sie müssen noch geschult werden. "Das ist das A und O", sagte Käfer. Jeder Streckenposten muss genau wissen, wann die rote und wann die grüne Fahne zu schwenken ist und laut genug pfeifen, wenn die Seifenkiste kommt. Käfer braucht noch mehr Helfer. Ob er diese bekommt? Er hofft, weiß und akzeptiert aber auch, dass manche wegen der besonderen Situation zurückhaltend sind.

Und dann gibt es noch ein logistisches Problem. Seifenkisten rollen zwar von allein herunter, müssen aber wieder hochgezogen werden. Dafür setzten die Kleinnaundorfer Oldtimer-Traktoren ein. Ein Hingucker. Doch an der neuralgischen Stelle, da, wo die hinauffahrenden Traktoren die Rennstrecke kreuzen müssen, wurde es problematisch. Die Traktoren brauchten nach Meinung von Käfer zu lange, um auf der steilen Straße aus dem Stand loszufahren.

Thomas Käfer beobachtet als Streckenposten und Organisator, wie der Transport der Seifenkisten klappt, an der die "Hochziehstrecke" die Rennstrecke kreuzt.
Thomas Käfer beobachtet als Streckenposten und Organisator, wie der Transport der Seifenkisten klappt, an der die "Hochziehstrecke" die Rennstrecke kreuzt. © SZ/Maik Brückner
Der Rücktransport zum Ziel muss nach Ansicht von Thomas Käfer noch optimiert werden.
Der Rücktransport zum Ziel muss nach Ansicht von Thomas Käfer noch optimiert werden. © SZ/Maik Brückner
Im mittleren Abschnitt der Höckendorfer Straße wurde die Fahrbahn geteilt.
Im mittleren Abschnitt der Höckendorfer Straße wurde die Fahrbahn geteilt. © SZ/Maik Brückner
So sah die Zieleinfahrt im Tal unweit der Walzenmühle Hainsberg aus.
So sah die Zieleinfahrt im Tal unweit der Walzenmühle Hainsberg aus. © SZ/Maik Brückner
Für den Test war die Höckendorfer Straße am Sonntag gesperrt. Viele zeigten Verständnis dafür.
Für den Test war die Höckendorfer Straße am Sonntag gesperrt. Viele zeigten Verständnis dafür. © SZ/Maik Brückner

Es gab aber auch Dinge, die beim Testlauf gut liefen. Die Messtechnik und die Funkgeräte funktionierten tadellos. Bewährt hat sich auch, einen Busshuttle einzurichten, der Start und Ziel miteinander verbindet und mit dem die Streckenposten schnell transportiert werden können. Thomas Käfer freute sich aber auch über das große Interesse. Viele Somsdorfer haben die Testläufe zu einem Event gemacht. Sie setzten sich in die Gärten, grillten und sahen den schnellen Flitzern zu.

Organisator Thomas Käfer: "Wir bekommen das hin"

Andere nahmen eine längere Anfahrt in Kauf, um die Seifenkisten-Rennfahrer zu sehen. Annegret und Lothar Jander aus Bockwen bei Meißen nutzten ihre Sonntagsausfahrt, um sich die Testläufe anzuschauen. "Die Ideen, wie die Fahrer ihre Seifenkisten gestalten, sind super", sagt Annegret Jander.

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Ein Kompliment hat Käfer am besten gefallen. "Mir wurde gesagt, dass zu unserem Test mehr Zuschauer gekommen sind als zur letzten EM, die in Belgien stattfand." Und das an einem Tag, an dem es immer wieder nieselte.

Käfers Fazit: "Wir sind auf den richtigen Weg. Wir bekommen das hin."

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