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Kleinnaundorfs große Pläne mit der alten Schule

Der Heimatverein hat jetzt einen Mietvertrag für das Haus. Es soll auf vielfältige Weise genutzt werden. Auch ein „Dorfladen der Zukunft“ soll entstehen.

Bernd Peschel ist Vorsitzender des Heimatvereins Kleinnaundorf. Der Verein zieht jetzt in die alte Schule ein.
Bernd Peschel ist Vorsitzender des Heimatvereins Kleinnaundorf. Der Verein zieht jetzt in die alte Schule ein. © Karl-Ludwig Oberthür

Dieses Haus hat schon viel gesehen. Die alte Schule in Kleinnaundorf ist 1893 erbaut worden. So steht es noch heute in Stein gemeißelt hoch oben unterm Türmchen. Sie hat Generationen von Kindern und Lehrern überlebt. Zuletzt nur noch interimsweise aus Wurgwitz und Wilsdruff, aber immerhin. Jetzt ist die Kita „Alte Schule“ vom Lebensbaum e. V. eingemietet. Die soll dann im Sommer 2022 an ihren jetzt im Neubau befindlichen Standort neben der Kita Storchenbrunnen in Freital-Döhlen umziehen.

Das Gebäude in Kleinnaundorf gehört der Stadt Freital, die es neben dem Kindergarten jetzt an den Heimatverein vermietet. „Wir sind sehr froh, dass wir das Haus für die Allgemeinheit erhalten können“, sagt Bernd Peschel. Der Vorsitzende des Heimatvereins spricht vom „multiplen Haus“, das da entstehen soll. „Wir wollen viele verschiedene und auch wechselnde Nutzungen im Haus unterbringen.“

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Los geht es oben in der 2. Etage. Dort soll endlich das Heimatmuseum wieder zur Geltung kommen. „Im Moment sind die Exponate auf dem Dachboden eingelagert“, sagt Peschel. Man müsse nun erst einmal aufräumen, säubern, sichten und sortieren. „Dann soll die Ausstellung in der alten Aula entstehen.“ Diese ist zur Zeit baulich zweigeteilt, weil die Schüler zuletzt Klassenräume brauchten. „Ob wir das zurückbauen ist noch offen“, so Peschel. Auf jeden Fall aber soll das Wandbild von Gottfried Bammes integriert werden, dass die ehemalige Aula ziert. „Da haben wir ja einen Schatz.“

Alleine schon dafür wartet auf die Kleinnaundorfer viel Arbeit. Doch die Pläne zur Nutzung der alten Schule gehen weit darüber hinaus. In der ersten Etage sollen nach den jetzigen Ideen von einem großen bis zu drei kleineren variablen Räume möglich werden. „Dort hätten wir dann auch Platz für private Einmietungen beispielsweise für Feiern“, sagt Bernd Peschel. Zudem sei im Gespräch, Räume an eine Physiotherapie zu vermieten oder auch Schulungsräume anzubieten.

Digitale Tante Emma

So richtig interessant wird es dann im Erdgeschoss. Dort, wo jetzt noch Kinder betreut werden, könnte der Dorfladen der Zukunft entstehen. Ohne Tante Emma. Ortsvorsteher Thomas Käfer erklärt das Konzept so: „Dieser Laden soll möglichst alles anbieten, was man früher im Tante-Emma-Laden bekommen hat.“ Es soll 24-Stunden geöffnet sein, der Zugang digital, genauso wie das Bezahlen. „Natürlich brauchen wir dann auch eine Videoüberwachung im Laden“, sagt Käfer.

Für Projekte dieser Art gebe es Fördermöglichkeiten vom Bund. Es gibt Vorbilder in anderen Bundesländern, die so etwas schon ausprobieren, erzählt Thomas Käfer. Er könne sich gut vorstellen, dass das funktioniert, eine Garantie dafür gebe es aber nicht.

Heute gibt es in Kleinnaundorf keine einzige feste Einkaufsmöglichkeit mehr. Ein Friseur, ein Schuhmacher und ein Autohaus – das war’s. Der Bäcker kommt einmal in der Woche mit einem Verkaufsstand genauso wie die Fleischerei. Und die Hopfenblüte ganz am Rande an der Grenze zu Burgk und Dresden ist die letzte Gaststätte im Ort. „Ohne, dass wir der Hopfenblüte Konkurrenz machen wollen, so soll doch ein kleines gastronomisches Angebot mit entstehen“, sagt Bern Peschel. In welcher Form, sei aber noch völlig unklar.

Schon deutlicher vor Augen haben Peschel und Käfer Angebote im multiplen Dorfgemeinschaftshaus für zwei weitere wichtige Bevölkerungsgruppen: die Senioren und die Jugend. „Gut wäre ein Postschalter, wenigstens ein paar Stunden in der Woche“, sagt Käfer. Auch ein Seniorentreff sei wichtig. Irgendwo müsse der „Dorfklatsch“ stattfinden können.

Genauso wie für die Alten braucht es einen Treff für die Jugend. „Eine Art Jugendklub können wir uns hier auch gut drin vorstellen.“ Natürlich alles mit Augenmaß. „Aber wir brauchen solche Angebote wieder hier im Dorf, wenn wir ein Gemeinschaftsgefühl erhalten wollen“, sagt Thomas Käfer.

Dass das schwierig ist, weiß natürlich auch Bernd Peschel. Er merkt es an der Zahl der aktiven Mitglieder im Heimatverein. „Wir freuen uns immer über neue Mitstreiter“, sagt er. Jeder könne mitmachen. Aber auch an Kleinnaundorf geht der Zeitgeist nicht vorbei. „Wir spüren den Hang zur Unverbindlichkeit.“ Damit meint Peschel, die Menschen seien zwar für einzelne Projekte zu gewinnen, aber fest im Verein mitmachen, darauf wollen sich leider nur noch wenige einlassen.

Schwierig seien im Moment auch die Absprachen. Persönliche Treffen wie sonst zweimal im Monat sind nicht möglich. „Wir organisieren uns über Whatsapp und auch über Videokonferenzen“, sagt Bernd Peschel. „Aber das ist alles recht schwierig.“ Deutlich besser bewertet er die Zusammenarbeit mit der Stadt Freital, die ihnen als Vermieter sehr entgegenkomme. Und die Kleinnaundorfer hoffen, dass die Stadt als Eigentümerin der alten Schule noch einmal in das Gebäude investiert. Damit es auch die nächsten hundert Jahre noch in guter Verfassung übersteht.

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