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Kommentar: Landwirtschaft gehört aufs Land

Milch trinken wollen, möglichst aus regionaler Produktion, aber bitte nicht von der Weide nebenan: So funktioniert das nicht.

Von Annett Heyse
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Landwirtschaft gehört aufs Land - anders werden wir auch in Zukunft kaum einen gedeckten Tisch haben.
Landwirtschaft gehört aufs Land - anders werden wir auch in Zukunft kaum einen gedeckten Tisch haben. © Dresdner Vorgebirgs Agrar AG

Das Leben auf dem Lande - wie schön kann es sein: Es ist ruhig, kaum Straßenverkehr, die Luft ist sauber, das Wohnen günstig. Alles Vorteile gegenüber dem Stadtleben, die man gerne mitnimmt. Dass auf dem Lande auch mal ein Traktor auf dem Feld hinterm Einfamilienhaus unterwegs ist, wirkt da schon lästig. Erst recht ein Kuhstall am Dorfrand, der womöglich etwas riechen könnte.

Geht man heute durch Dörfer, sind diese zu Schlafsiedlungen von Ex-Großstädtern herabgesunken. Kaum noch ein Hof, in dem Hühner im Sande scharren oder Schafe hinterm Haus weiden. Hält irgendwer Hühner, kann er schon froh sein, wenn die Nachbarn nicht wegen des Hahnkrähens klagen. Da verwundert es nicht, dass ein Stallneubau wie der in Kleincarsdorf so vehement bekämpft wird.

Die Frage ist, wo unsere Lebensmittel dann sonst herkommen sollen. Wo soll Landwirtschaft stattfinden, wenn nicht auf dem Lande? Die vergangenen zwei Jahre Pandemie und jetzt auch der Krieg in der Ukraine zeigen, dass man nicht in so großem Maße auf Warenimport setzen sollte, schon gar nicht im Lebensmittelbereich. Wir merken ja alle, wie leer die Regale sein können, wenn wieder irgendwo ein lokaler Lockdown droht oder eine Schiffsladung stecken bleibt.

Getreide, Obst, Gemüse, Fleisch, Eier und Milch müssen deshalb größtenteils von den Feldern und aus den Ställen unseres Landes kommen, am besten aus der Region. Das ist es doch auch immer, was angeblich und laut Meinungsumfragen alle wollen: Produkte aus der Region, Arbeitsplätze im Ort und damit Steuereinnahmen, kurze Wege vom Produzenten zum Verbraucher.

In Kleincarsdorf kommt jetzt jemand, der trotz des Kürzels AG wie Aktiengesellschaft im Namen genau das umsetzen möchte.

Aber es ist letztendlich wie bei vielen anderen Projekten: Man möchte Auto fahren, aber bitte keine Schnellstraße in hörbarer Nähe. Man möchte unabhängig von Gas und Öl aus dem Ausland werden, aber kein Windrad hinten auf dem Feld haben. Und man möchte regionale Produkte kaufen, aber keinen Stall am Dorfrand akzeptieren. Immer schön nach dem Motto: Wasch mich, aber mach mir den Pelz dabei nicht nass. Das hat noch nie funktioniert und wird auch nie funktionieren.

Landwirtschaft gehört ins Dorf. Wer damit nicht umgehen kann, darf gerne in die Stadt ziehen. Verkehrslärm, hohe Mietpreise und stickige Abgase in der Luft inbegriffen.