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Kreischa: Bienen im Wetterstress

Der kalte Frühling hat den Honigsammlerinnen zugesetzt. Nun ist es wärmer, aber reicht das? Ein Besuch bei Imker Dirk Jäger in Gombsen.

Hobbyimker Dirk Jäger zeigt eine Honigwabe. Nach dem kalten Frühling können die Bienen nun endlich Honig sammeln.
Hobbyimker Dirk Jäger zeigt eine Honigwabe. Nach dem kalten Frühling können die Bienen nun endlich Honig sammeln. © Daniel Schäfer

Dirk Jäger nimmt den Deckel von der Beute ab und greift mit spitzen Fingern nach einer Wabe. Normalerweise, sagt er, trage er schon einen Imkerschutz. Aber heute sind seine fliegenden Angestellten so beschäftigt, dass sie die Störung ignorieren. Jäger kann den Holzrahmen vorsichtig herausziehen, ohne attackiert zu werden. Honig tropft herunter, dickflüssig und goldgelb.

Endlich, nach einem kalten und langen Start in den Frühling, hat das Bienenjahr so richtig begonnen. Rings um Gombsen, wo Dirk Jäger die Beuten auf dem Gelände der Baumschule Kreiser aufgebaut hat, blüht es.

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Und die Bienen sind fleißig unterwegs. Vor den Einfluglöchern wimmelt es. Neulich, als die Temperaturen um die 27 Grad lagen, kam richtig was zusammen. "Dann schaffen die an einem Tag schon mal zwischen vier und fünf Kilo Honig heran", rechnet der Imker vor.

Imker mussten zufüttern

Fleißig, aber kälteempfindlich - so könnte man die Insekten kurz beschreiben. Honigbienen mögen keine Temperaturen unter 15 Grad Celsius, keinen Regen, keinen heftigen Wind. Und so blieben sie in den vergangenen Wochen größtenteils in ihren Quartieren. Normalerweise sammeln sie zum Frühjahrsanfang zunächst Pollen. Sobald die ersten ertragreichen Trachten aufblühen, holen die Bienen den Nektar ein.

Doch dieses Jahr: Fehlanzeige. "Da bleibt uns Imkern nur, die Situation zu beobachten und im richtigen Moment Zucker zuzufüttern", erläutert Dirk Jäger. Haben die Bienen zu wenig Nahrung, verhungert ihr Volk. "Das geht sehr leise und sehr schnell vonstatten."

Aber nun ist endlich Honigzeit. Ob die Tiere aber den Produktionsrückstand noch aufholen können, ist vorerst unklar. Jäger: "Das hängt vom Wetter ab. Bleibt es endlich mal ein paar Tage konstant warm und sonnig, gibt es auch dieses Jahr viel Honig." Aufzuholen ist der Rückstand also noch - denn erst Ende Mai erfolgt die erste Honigernte.

Bienen brauchen trockenes Wetter mit Temperaturen ab 15 Grad aufwärts und wenig Wind, um auf Sammeltour zu gehen.
Bienen brauchen trockenes Wetter mit Temperaturen ab 15 Grad aufwärts und wenig Wind, um auf Sammeltour zu gehen. © Daniel Schäfer

Bienenvolk verfünffacht sich

Ohnehin bietet ein normales Bienenjahr hier in der Region nur 20 bis 25 Tage Flug- und Sammelwetter. "Damit meine ich Tage, an denen wirklich was rumkommt."

Der Tag im Bienenstock beginnt in aller Frühe. Zunächst starten die sogenannten Spürbienen. Ihre Aufgabe ist es, im Umkreis von bis drei Kilometer nach lohnenswerten Trachten Ausschau zu halten. Als Tracht bezeichnet man das gesamte Angebot an Nektar, Pollen und Honigtau, das die Honigbienen in den heimischen Bienenstock eintragen.

Sind die Insekten fündig geworden, kehren sie zu Beute zurück und zeigen mit einem sogenannten Schwänzeltanz an, in welche Himmelsrichtung geflogen werden muss. Dann rücken die Honigsammlerinnen aus. Stundenlang pendeln sie von der Beute zum Blütentracht und zurück, mit Geschwindigkeiten von bis zu 20 Stundenkilometern.

Kontinuierlich wächst das Volk im Verlaufe der Monate bis Mitte Juni an. Um die 10.000 Tiere stark ist nach dem Winter und verfünffacht sich innerhalb von nur dreieinhalb Monaten.

Mietbienen produzieren Honig für Firmen

Dirk Jäger hat 30 Völker. Sie stehen in Glashütte, in Kreischa, in Hermsdorf/Wilisch. Wer möchte, kann bei ihm auch Bienenvölker mieten. Große Unternehmen wie Siemens in Dresden oder auch der Kaufpark Nickern nehmen solche Angebote gerne an. "Die Bienen sind dann dort im Firmengelände und der Umgebung unterwegs. Meine Bienen haben Arbeit und die Firmen bekommen einen Anteil am Honig", sagt Dirk Jäger.

Es sei zudem ein Beitrag zum Umweltschutz. Und Firmengelände sind kein schlechtes Terrain. Unternehmen wie Siemens sind von Grüngürteln umgeben, die mit ihren Hecken und Bäumen mitunter mehr Lebensraum und Nahrung für Insekten bieten, als mancher Dorfrand.

Zudem produziert Imker Jäger Bio-Honig. Trachten, wo möglichst wenige Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, kommen seinen Schützlingen entgegen. Zu 100 Prozent kontrollieren kann er jedoch nicht, von welcher Blüte der Honig kommt.

Denn das Qualitätsmerkmal von Biohonig bezieht sich zunächst einmal auf die Haltungsbedingungen. Das heißt, die Beuten oder Bienenhäuser müssen den Öko-Verordnungen entsprechen. Das bezieht sich auch auf den Standort der Völker. "Direkt ins Rapsfeld oder die Obstplantage stelle ich meine Bienen nicht", sagt Jäger.

Honigsammlerinnen brauchen Vielfalt

In Gombsen sammeln die Bienen den Honig in der Baumschule, auf den Wiesen an der Lockwitz, in Gärten, Streuobstwiesen und auch umliegenden Feldern ein. Damit sie und andere Insekten genügend Nahrung haben, ist Vielseitigkeit wichtig. Perfekt sind Landschaften, wo ab März jederzeit etwas blüht.

Wetterbedingt geht nun alles gleichzeitig auf: Raps, Obstblüten und Maiblumen stellen ein Schlaraffenland für die Honigsammlerinnen dar. Doch im Frühsommer, bevor die Linden blühen, gibt es erfahrungsgemäß gut zwei Wochen, in denen die Bienen Mühe haben, Nektar aufzutreiben, weil nicht genug blüht.

Es ist ausgerechnet der Zeitpunkt, wenn die Völker fast ihre größte Stärke erreicht haben und viel Energie brauchen. "Das muss ich dann wieder mit der Zugabe von Zucker überbrücken", sagt Dirk Jäger.

Wer den Bienen und anderen Insekten also etwas Gutes tun möchte, kann damit im eigenen Vorgarten anfangen und möglichst viele einheimische, mehrjährige Weidepflanzen aussäen.

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