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Die Sorgen-Straße von Kreischa

Die Sanierung der Baumschulenstraße im Ortsteil Gombsen dauert lang und länger. Die Gründe dafür sind unter der Erde zu finden.

Dauerbaustelle Baumschulenstraße in Gombsen: Die Sanierung dauert fast drei Monate länger als geplant:
Dauerbaustelle Baumschulenstraße in Gombsen: Die Sanierung dauert fast drei Monate länger als geplant: © Daniel Schäfer

Es ist laut und staubig. Eigentlich ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass auf der Baumschulenstraße in Gombsen Betrieb herrscht. Ein Bagger dreht sich, Erdaushub wird abtransportiert, ein Arbeiter hat die Rüttelplatte angeworfen.

Allerdings: Wäre alles nach Plan verlaufen, wären die Arbeiter längst abgerückt. Denn vorgesehen war, dass die Gombsener Ortsdurchfahrt zum 30. April für den Verkehr freigegeben werden sollte. Jetzt jedoch wird hier immer noch mit Hochdruck gearbeitet. Es ist noch nicht einmal ersichtlich, wo die Straßenkante in Zukunft verlaufen soll und wo genau der Fußweg angelegt wird.

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Kein Wunder also, dass bei den Anwohnern die Nerven blankliegen. Neulich stellte einer im Gemeinderat die Frage, warum denn immer nur drei Arbeiter auf der Baustelle zu sehen seien.

Bürgermeister Frank Schöning konterte, der technologische Bauablauf obliege dem beauftragten Unternehmen. Und das ist eigentlich für seine gute Arbeit bekannt. In Gombsen baut die Firma Teichmann aus Wilsdruff.

Wirrwarr unter alter Asphaltdecke

Dass der Zeitplan völlig aus den Fugen geraten ist, liegt aber nicht an der Anzahl der eingesetzten Arbeiter und nur bedingt am extralangen Winter, wie Bürgermeister Frank Schöning nun erklärt: "Es gab vor allem viele Probleme mit Leitungen und Kanälen, von denen wir nichts wussten." Unter der alten Asphaltdecke habe ein Wirrwarr geherrscht.

Wird ein Straßenbau geplant, ziehen die Ingenieurbüros sogenannte Leitungspläne heran. In denen ist detailliert eingezeichnet, wo Gas-, Trink- und Abwasserrohre verlaufen, wo Telefonleitungen und Stromkabel liegen. Zudem werden die Anrainer allesamt abgefragt, wo Grundstücksabläufe oder sonstige private Leitungen einmünden.

"Das ist auch in diesem Falle alles geschehen", sagt Schöning. Allerdings: Nicht jeder Grundstückseigentümer hatte wohl noch genau im Blick, wo seine Leitungen und Kabel verlaufen. Mitunter lag das auch daran, dass im Laufe der Jahre die Hausbesitzer gewechselt hatten.

Telekom-Leitungen zusätzlich umverlegt

Nachdem die Straßensanierung im Sommer 2020 begann, stießen die Arbeiter auf ein Leitungschaos. Es tauchten unbekannte Stromkabel aus DDR-Zeiten auf, die noch am Netz hingen. Es tauchten unbekannte private Regenwasserableitungen auf. Und es tauchten auch in den neunziger Jahren verlegte Telefonkabel auf, die nach Lageplan eigentlich ganz woanders hätten verlaufen müssen.

"Das musste alles neu sortiert, teilweise neu verlegt werden", berichtet der Bürgermeister. Zwischenzeitlich musste man Provisorien bauen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Dazu kam, dass sich die Deutsche Telekom erst während der Bauphase entschieden hatte, ihr entlang der Baumschulenstraße oberirdisch verlaufendes Netz ebenfalls ins Erdreich zu verlegen und auch gleich noch Leerrohre für Glasfaserkabel einziehen zu lassen. "Eigentlich sehr wünschenswert, dass die Holzmasten verschwinden", kommentiert der Bürgermeister. Jedoch führte die Extra-Baumaßnahme zu weiteren Zeitverzug.

Im oberen Abschnitt der Baumschulenstraße müssen noch Kabel für die Deutsche Telekom verlegt werden. Die alten Holzmasten für die Freileitungen verschwinden.
Im oberen Abschnitt der Baumschulenstraße müssen noch Kabel für die Deutsche Telekom verlegt werden. Die alten Holzmasten für die Freileitungen verschwinden. © Daniel Schäfer

Neuer Termin für Bauende

So kommt es nun, dass die Ortsdurchfahrt wohl noch bis zum Sommer gesperrt sein wird. Als nächster Fertigstellungstermin wird nun der 17. Juni gehandelt. Sieben Wochen Zeit bleiben also, um die Bordsteine zu setzen, die überfahrbaren Fußwege anzulegen, die Straßenrinne zu pflastern und schließlich zu asphaltieren.

Gebaut wird auf 500 Metern zwischen der Rosenschänke und dem Baugebiet Alte Gärtnerei. Am Oberen Dorfteich entstehen zudem vier Pkw-Stellplätze, die markante Linde an der Straßenecke bekommt eine Rundbank und der Stellplatz für die Glascontainer wird neu gestaltet.

Die Bauverzögerung hat natürlich ihren Preis: Bei dem Auftragspreis von 881.000 Euro wird es nicht bleiben. Die Gemeinde Kreischa rechnet mit zusätzlichen Kosten und wird wohl bei etwas über 900.000 Euro landen.

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