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Frischer Glanz in Kreischas Kirche

Die Gemeinde hat viel Geld für die Innensanierung in die Hand genommen. Das Ergebnis überzeugt. Ein Problem gibt es aber noch.

Pfarrer Martin Beyer freut sich auf den Sonntag. Dann kann sich jeder selbst vom frischen Aussehen der Kirche überzeugen.
Pfarrer Martin Beyer freut sich auf den Sonntag. Dann kann sich jeder selbst vom frischen Aussehen der Kirche überzeugen. © Norbert Millauer

Der Elektriker hat noch zu tun. Sein Werkzeugkoffer steht im Gang, Kabel schlängeln sich über den Fußboden. Martin Beyer steigt über das Material und geht in Richtung Altarraum. Sein Arbeitsbereich gewissermaßen. Beyer schaut sich um, zeigt auf die Wände, die Bänke und schließlich die Kassettendecke. "Alles fertig. Ist doch toll geworden, oder?", fragt er. 

Kreischas Pfarrer hat anstrengende Monate hinter sich. Gut ein Jahr lang wurde in der Kirche gebaut. Der gesamte Innenraum musste renoviert werden, unter Vollsperrung sozusagen. Gottesdienste, Trauungen und Taufen fanden vorübergehend in der Friedhofskapelle statt, die Weihnachtsfeierlichkeiten im Vereinshaus Kreischa. "Dabei sind wir an die Grenze gekommen", berichtet Pfarrer Beyer, der nun froh ist, dass am kommenden Sonntag Wiedereinweihung der Kirche gefeiert werden kann. 

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Die Sanierung ist ein Jahrhundertprojekt geworden. Das letzte Mal, dass das Kircheninnere derart aufwendig überholt wurde, war 1908. Seitdem erfolgten zwar auch kleine Ausbesserungs-, Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten. Aber nun war ein großer Rundumschlag fällig. Es ging vor allem um ein neues Raumkonzept, so würden es Innenarchitekten wohl nennen. Drei Hauptziele hatte sich die Gemeinde gesetzt: Neben der Beseitigung von Schäden sollte es in der Kirche heller werden und mehr Platz entstehen.

Mehr Platz und mehr Licht

Die Sache mit der Helligkeit war aus Beyers Sicht das größte Manko in Kreischas Kirche. "Früher wollte man es schön duster und schummrig haben", sagt er. Da passte es, dass die Fenster ohnehin nicht viel Licht durchlassen. 2020 musste die Gemeinde in die optische Trickkiste greifen. Das gelang, indem von allen Bänken der braune Lack mühevoll entfernt wurde. Anschließend wurden die Möbel lediglich aufgearbeitet, sodass der Naturton des Holzes zur Geltung kommt. Das, sagt Pfarrer, wirke gleich ganz anders. Zudem gibt es nun neue, moderne Lampen und davon viel mehr als vorher. 

Auch herrscht in der Kirche nun mehr Platz. Dafür wurden mehrere Bankreihen komplett entfernt und der Altarraum vergrößert. So viele Sitzplätze brauche man schließlich nicht mehr, sagt Martin Beyer. "Aber für Konzerte haben wir jetzt eine größere Bühnenfläche zur Verfügung. Und wenn sehr kleine Veranstaltungen sind, beispielsweise Taufen, können wir die Gesellschaft in den Altarraum setzen." 

Umgebaut wurde auch der Eingangsbereich. Indem die Innentür versetzt wurde, entstand ein größerer Vorraum. Von der Tür führt nun auch eine Rampe in Richtung Altarraum - damit ist die Kirche, abgesehen von der Empore, barrierefrei zugänglich. 

Vom Boden bis zur Decke wurde der Innenraum saniert. Die Wasserschäden an der Kassettendecke wurden entfernt.
Vom Boden bis zur Decke wurde der Innenraum saniert. Die Wasserschäden an der Kassettendecke wurden entfernt. © Norbert Millauer
Der braune Lack ist runter, stattdessen ist nun der natürliche Holzton der Bänke zu sehen, Damit wirkt der gesamte Innenraum heller. 
Der braune Lack ist runter, stattdessen ist nun der natürliche Holzton der Bänke zu sehen, Damit wirkt der gesamte Innenraum heller.  © Norbert Millauer
Wohl um 1150 entstand die heutige Kirche. Sie wurde mehrmals umgebaut. Die letzte umfassende Innenraumsanierung erfolgte 1908.
Wohl um 1150 entstand die heutige Kirche. Sie wurde mehrmals umgebaut. Die letzte umfassende Innenraumsanierung erfolgte 1908. © Andreas Weihs

Frühere Bausünden nicht wiederholen

Die Kirche hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gewandelt. Ein erstes Kirchgebäude gab es vermutlich schon im elften Jahrhundert. An dessen Stelle entstand dann wohl ab 1150 die heutige Kirche. Ein großer Umbau fand 1616 statt, darauf deutet eine Jahreszahl im Deckengewölbe hin. Weitere Ausbauten folgten. Dabei wurden auch mehrere Fenster zugesetzt. Dazu kam, dass die Orgel vor den großen Fenstern der Westseite aufgebaut wurde. "Es wurde nicht immer mit Augenmaß saniert und erweitert", kommentiert Martin Beyer derartige Bausünden. Dieses Mal habe man darauf Wert gelegt, möglichst ohne große Eingriffe in die Bausubstanz und die Strukturen auszukommen. 

Um den Umfang der Sanierung wurde in der Kirchgemeinde lange gerungen. Es ging um die Art und Weise, aber auch um die Kosten. Die sind allerdings etwas aus dem Ruder gelaufen, wie Martin Beyer zugeben muss. "Es hat sich summiert. Aber wenn man so etwas einmal anpackt, muss man es richtig machen. Es soll doch wieder Jahrzehnte halten." Mehr als 350.000 Euro muss die Gemeinde nun für die Handwerkerrechnungen aufbringen. Einen Teil steuerte die Landeskirche bei, auch die Gemeinde Kreischa spendete Geld. Die Kirchgemeinde hatte zunächst mit einem Eigenanteil von 20.000 Euro gerechnet, jetzt muss sie das Zehnfache aufbringen. 

Der Großteil ist schon zusammen, aber etwa 45.000 Euro werden noch benötigt. Pfarrer Beyer ist optimistisch, dass das Geld bald zusammenkommt. Ideen gibt es schon: So sollen Benefizkonzerte, Trödelmärkte und Adventskalender Geld einbringen.  

Die Gemeinde feiert den Abschluss der Baumaßnahmen mit einem Festgottesdienst zum Erntedank am Sonntag, dem 13. September. Beginn ist 14 Uhr. Mund-Nasen-Schutz ist Pflicht beim Betreten/Verlassen der Kirche und beim Singen. 

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